Elisabeth Graf wendet monatlich vier bis fünf Tage zum Recherchieren von Wien-Fakten auf

© Kurier/Franz Gruber

Chronik Wien
04/01/2021

Wiener Nostalgie-Fotos: Recherche zwischen Dutzenden Büchern

Pensionistin Elisabeth Graf postet täglich kuriose Wien-Fakten auf Facebook.

von Agnes Preusser

Manchmal, da verliert sich Elisabeth Graf in der Recherche. Dann sitzt sie acht Stunden lang am Schreibtisch, zwischen Dutzenden Wien-Büchern, und hantelt sich von einem kuriosen Fakt zum nächsten.

Die 63-Jährige hat im Juli 2019 als Hobby die Facebook-Seite „Wien – historisch, biografisch, kurios“ gestartet. Seither postet sie täglich Anekdoten, Bilder oder Lustiges in die Gruppe und erreicht damit schon mehr als 5.600 Fans.

„Wegen allgemeiner Langeweile habe ich das Projekt gestartet“, sagt sie. „Jetzt in Corona-Zeiten bin ich froh, dass ich es habe.“ Auf der Seite legt sie Wert auf ein buntes Potpourri.

Rezepte und Kurioses

So findet sich dort etwa ein Rezept für das eher unbekannte Wiener Hos’ntürlfleisch, versehen mit dem launigen Zusatz, dass Graf sich selbst nicht sicher sei, ob sie wissen wolle, woher sich der Name des Gerichts ableitet.

Bei Fotos und Artikeln findet sich querbeet alles von der Sprengung des Nordbahnhofes im Jahr 1965 bis zur Geschichte der Wiener Vegetarier-Bewegung.

Beim Recherchieren einer Geschichte stolpere ich manchmal über 17 andere Fakten, die ich auch interessant finde.

Elisabeth Graf | Pensionistin und Hobby-Historikerin

Dass sie so kontinuierlich Inhalte posten kann, verdanke sie ihrem organisatorischen Talent, sagt Graf. „Ich schreibe die Artikel immer vor, speichere sie und kann sie dann verwenden, wenn es inhaltlich passt“, erklärt sie.

Fünf Laufmeter Bücher

Aktuell habe sie schon für die nächsten 14 Tage Material. Dabei greift sie auf Zeitungsartikel oder öffentliche Plattformen zurück. Und auf rund fünf Laufmeter Wien-Bücher, die sich bereits angesammelt haben.

„Beim Recherchieren einer Geschichte stolpere ich manchmal über 17 andere Fakten, die ich auch interessant finde – und dann muss ich da eben weiterrecherchieren.“ Im Monat wendet die Pensionisten rund vier bis fünf Tage für ihre Leidenschaft auf.

Rund 100 weitere Fans pro Woche

Die Fans der Seite werden stetig mehr. Graf schätzt, dass pro Woche rund 100 dazukommen. Wichtig sei ihr, dass die Seite keine wissenschaftliche Seite sei. „Es ist einfach nur zum Spaß. Eben von historisch Interessierten für historisch Interessierte“, sagt Graf.

Dabei – das legt sie auf der Seite offen – würden Fehler und Irrtümer passieren, manchmal seien die Quellen schon falsch. „Aber ich werde keinesfalls dulden, dass sich Besserwisser, ewige Nörgler und Wichtigtuer wie die Axt im Walde benehmen“, so Graf. Verbale Attacken würden also gelöscht.

Innereien und Co

Falls dem einen oder anderen nun das Hos’ntürl-Fleisch nicht aus dem Kopf geht: Bekannter ist es

unter dem Namen Katzengschroa, dessen Namensherkunft allerdings auch nicht ganz klar ist. Es wurde insbesondere direkt nach Hausschlachtungen zubereitet und beinhaltet eine Mischkulanz aus Innereien.

Wer jetzt Gusto bekommen hat – egal, ob auf das Katzengschroa oder nostalgische Fotos –, der wird

auf facebook.com/WienHIBIKU fündig.

Pioniere bei Vintage-Fotos

Der Vorreiter in Sachen Nostalgie-Fotos ist übrigens das Projekt Vintage Vienna. Gestartet wurde es im Jahr 2012 von Daniela Ruff und Michael Martinek – eigentlich nur für den engeren Freundeskreis.

„Wir wollten unsere Faszination an alten Fotografien und Videoaufnahmen mit ihnen teilen“, sagt Martinek. Aus dem engeren Freundeskreis wurden bis heute mehr als 120.000 Fans auf Facebook. Mittlerweile sind sogar drei Bildbände erschienen.

Alte Fotos wie auch Videoaufnahmen aus früheren Jahrzehnten sind für uns so etwas wie kleine Zeitmaschinen.

Michael Martinek | Vintage Vienna

Der Erfolg fußt vielleicht auf der Liebe, mit der die beiden die Fotos auswählen. „Alte Fotos wie auch Videoaufnahmen aus früheren Jahrzehnten sind für uns so etwas wie kleine Zeitmaschinen“, sagt Martinek.

Weiterhin ein Hobby

Eines seiner Lieblingsbilder sei etwa die eigene Oma, die in den 1930ern mit Skimütze und Skiern in Wien für die Kamera posiert. Trotz des Erfolgs soll Vintage Vienna ein Hobby bleiben, sagt Ruff. „Den Wettlauf überlassen wir anderen Plattformen, der Spaß steht im Vordergrund.“

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