Nach Todesschüssen am Lugeck: Verdächtiger (33) nach 7 Jahren gefasst
Es war kurz vor Weihnachten im Jahr 2018, als mitten in der Wiener Innenstadt am Lugeck Schüsse halten. Passanten vermuteten damals einen Terroranschlag, doch es war kein Terror.
Es war ein geplanter Mord der Drogenmafia. Die Schüsse trafen damals zwei Männer, einer von beiden, der 32-jährige Vladimir Roganovic, wurde dabei regelrecht hingerichtet.
Für fast acht Jahre tauchte der Täter unter, nun konnten österreichische Zielfahnder einen Verdächtigen in Italien ausforschen. Eine Spezialeinheit nahm den 33-Jährigen in Rimini fest, berichtete das Bundeskriminalamt am Dienstag.
Was war geschehen?
Am 21. Dezember 2018 soll der 33-Jährige mit Mittätern einen 31-Jährigen an der Ecke Lugeck/Wollzeile erschossen haben, ein 23-Jähriger wurde schwer verletzt. Die Tat war Teil einer blutigen Fehde zwischen kriminellen Drogen-Clans.
Gemeinsam mit dem 23-Jährigen und einem weiteren Mann - einem 29-jährigen Serben - speiste das spätere Opfer an jenem Tag im Wiener Traditionsgasthaus Figlmüller am Lugeck. Als die drei gegen 13.30 Uhr das Restaurant verließen, trat ihnen ein bewaffneter Mann gegenüber, schoss mehrmals und ergriff anschließend die Flucht.
Hinweise nach Aufenthalt verdichteten sich
Vor drei Jahren nahmen die Zielfahnder des Bundeskriminalamtes die internationale Suche nach Mili B. auf. Nicht nur die österreichischen Ermittler waren dem Mann auf den Fersen, von den montenegrinischen Behörden wurde er wegen des Verdachts des Suchtgifthandels und der Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation per "Red Notice" gesucht.
Festnahme an Adriaküste
Die österreichischen Ermittler arbeiteten dabei eng mit Fahndungseinheiten aus Montenegro, Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Slowenien, Deutschland und Italien zusammen. Im Zuge der mehrjährigen Ermittlungen verdichteten sich zuletzt Hinweise, dass sich der Gesuchte in Rimini aufhält.
Schließlich konnte sein konkreter Aufenthaltsort ausgeforscht werden. Am Montagnachmittag nahm die italienische Spezialeinheit "Squadra Mobile" den Verdächtigen schließlich fest.
Die Festnahme erfolgte aufgrund eines von der Staatsanwaltschaft Wien erwirkten Europäischen Haftbefehls sowie einer internationalen Festnahmeanordnung wegen des Verdachts des Verbrechens des Mordes sowie versuchten Mordes, informierte das Bundeskriminalamt.
"Ein bedeutender Erfolg"
"Die Festnahme des Tatverdächtigen ist ein bedeutender Erfolg im Kampf gegen die organisierte Kriminalität. Besonders die enge Zusammenarbeit zwischen der Ermittlungsgruppe 'AG ACHILLES', der Zielfahndung des Bundeskriminalamtes und unseren internationalen Partnerdienststellen war für diesen Fahndungserfolg entscheidend", betonte Andreas Holzer, Direktor des Bundeskriminalamtes, in einer Aussendung.
Die Schüsse vor dem Lokal in der Innenstadt sorgten damals für einen Großeinsatz der Polizei.
Mehrere Schüsse auf offener Straße
Der dem sogenannten "Skaljari-Clan" zugerechnete Mili B. steht im Verdacht, am 21. Dezember 2018 gemeinsam mit weiteren Mittätern den damals 32-jährigen Vladimir R. durch mehrere Schüsse auf offener Straße getötet zu haben.
Der 23-jährige Begleiter wurde durch mehrere Schüsse lebensgefährlich verletzt. Dieser soll ein Sohn des einstigen Bosses der montenegrinischen Mafia in der Vojvodina-Hauptstadt Novi Sad sein. Sein Vater und ein älterer Bruder sind bei Mordanschlägen 1999 in Novi Sad bzw. 2015 in Belgrad ums Leben gekommen.
Blutige Rache
Das in Wien getötete Opfer wird dem sogenannten "Kavac-Clan" zugerechnet. Die Tat wird den seit Jahren andauernden gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den montenegrinischen Clanstrukturen "Kavac" und "Skaljari" zugeordnet.
Die eine Bande soll der anderen Ende 2014 rund 200 Kilo Kokain gestohlen haben, das in einer Wohnung im spanischen Valencia gebunkert war. Blutige Abrechnungen, zuerst in Valencia, danach in Montenegro und in Serbien waren die Folge. Dutzende Personen sind seither eines gewaltsamen Todes gestorben.
Mittäter war mit Männern befreundet
Der zunächst als Mittäter verdächtigte 29-jährige Serbe wurde im Sommer 2019 zu 24 Monaten wegen schwerer Körperverletzung, falscher Beweisaussage und Gebrauchs fremder Ausweise verurteilt.
Er soll in der U-Haft in der Justizanstalt Josefstadt auf einen Mithäftling eingeschlagen und diesen schwer verletzt haben. Gegenüber der Polizei hatte er zunächst angegeben, die beiden Männer, denen das Attentat beim Durchgang beim Lugeck Richtung Wollzeile gegolten hat, nicht zu kennen. Denn in seiner Heimat wurde er wegen einer offenen Haftstrafe und weiterer Ermittlungen bereits gesucht. Darum wies er sich gegenüber der Wiener Polizei auch mit falschen Papieren aus. Vor Gericht gestand er schließlich, dass er mit den Männern befreundet war.
Kommentare