Abschied von „Debohra“: Tunnel für U2-Ausbau fertig gegraben
Abschiede hinterlassen immer Lücken. Dieser Abschied aber hinterlässt sogar ein Loch. Beziehungsweise eigentlich sogar zwei – und das mitten im Herzen Wiens, wenn man so will. Der Abschied, um den es sich hierbei handelt, ist jener von „Debohra“, der Tunnelvortriebsmaschine der Wiener Linien.
Seit September 2024 gräbt sich die 1.300 Tonnen schwere Maschine durch den Wiener Untergrund. Mit dem Ziel, die zwei neuen Tunnel für die Verlängerung der U2 zu graben. Und das hat sie nun erreicht: Insgesamt 4,2 Kilometer – also zwei Mal 2,1 Kilometer – Tunnel hat „Debohra“ zwischen Matzleinsdorfer Platz und Augustinerplatz gegraben (siehe Grafik).
Komplexester Abschnitt
Und das mitten im dicht besiedelten Gebiet, 35 Meter unter der Erde. Nicht umsonst spricht Gudrun Senk, die technische Geschäftsführerin der Wiener Linien, im Zusammenhang mit dem Tunnelvortrieb vom „technisch komplexesten Abschnitt“ des U-Bahn-Neubaus. „Froh“, zeigte sich auch Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ), dass die bisherigen Bauarbeiten bisher unfallfrei verlaufen seien. „Das ist keine Selbstverständlichkeit bei solchen Großprojekten“, sagt er.
"Debohra" hat zwei neue U2-Tunnel gegraben - vom Matzleinsdorfer Platz bis zum Augustinplatz
Beschädigte Gebäude
Zu vermelden gab es bisher tatsächlich nur Schäden an einigen Häusern, der KURIER hat berichtet. Dazu würden auch bereits intensiv Gespräche laufen, sagt Wiener-Linien-Chefin Senk. „Durch die Zustandsfeststellungen vor Baubeginn, wissen wir ganz genau, wie der ursprüngliche Zustand der Gebäude war. Wir können also vergleichen, was sich verändert hat und ob es einen kausalen Zusammenhang mit unseren Tunnelbauarbeiten gibt.“
Derzeit würden diese Schäden begutachtet. „In den nächsten Monaten werden auch die letzten Setzungen im Gebirge abgeklungen sein“, sagt Senk. Und sobald die „erschütterungsintensiveren Phasen“ vorbei seien, gehe es auch an die Behebung der Schäden.
Sowohl die Erderschütterungen als auch die Anzahl der betroffenen Häuser befinden sich im für diese Art von Bauarbeiten „normalen Rahmen“, berichten die Wiener Linien. Eine konkrete Zahl der beschädigten Häuser könne allerdings erst genannt werden, wenn die Bauarbeiten abgeschlossen seien. Betroffene könnten sich für zusätzliche Informationen aber jederzeit an die Grätzlbetreuer der Wiener Linien wenden, wird berichtet.
Aber zurück zum U-Bahn-Bau: Die Tunnelvortriebe der ersten Baustufe für die U2xU5 sind nun also abgeschlossen. Während die Tunnel zwischen Matzleinsdorfer Platz und Augustinerplatz (hier entsteht eine Gleiswechselanlage) mit „Debohra“ errichtet wurden, wurde der Abschnitt bis zum Rathaus mit Baggern gegraben.
Wie es weiter geht
Abgeschlossen ist der U-Bahn-Ausbau damit aber noch nicht. Jetzt geht es an den Innenausbau der Stationen und den Gleisbau, berichten die Wiener Linien. In Betrieb gehen soll das neue Linienkreuz U2/U5 im Jahr 2030. An diesem Zeitplan wird auch nach wie vor festgehalten: „Es ist noch viel zu tun, wir sind aber gut im Zeitplan“, sagt Verkehrsstadträtin Ulli Sima (SPÖ).
Die Tunnelvortriebsmaschine "Debohra"
„Debohras“ Aufgabe ist aber erledigt. Von ihr wird nun Abschied genommen. Die Tunnelvortriebsmaschine wird abgebaut und geht zurück zum Hersteller, wo Teile davon weiterverwendet werden. „Debohra“ ist nämlich eine Maßanfertigung. Für die weiteren Ausbaustufen der U2 (bis Wienerberg) und die U5 (bis Hernals) ab 2028 braucht es also neue Tunnelvortriebsmaschinen – deren Abschiede dann wieder Lücken hinterlassen werden.
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