Die private konfessionelle NMS in Simmering kämpft mit Startschwierigkeiten.

© Kurier/Franz Gruber

Chronik Wien
08/21/2019

Wiener Islamschule vor ungewisser Zukunft

Private NMS könnte wegen Zweifel am Unterrichtserfolg Öffentlichkeitsrecht nicht bekommen – und Hälfte der Schüler verlieren.

von Bernhard Ichner

Unter keinem guten Stern scheint die NMS in der Florian-Hedorfer-Straße 21 zu stehen. Die islamische Privatschule muss bereits nach dem ersten Jahr ihres Bestehens um das Öffentlichkeitsrecht zittern. Grund dürften Zweifel am Unterrichtserfolg sein. Denn bei Externistenprüfungen am Ende des Schuljahres schnitt rund die Hälfte der etwa 40 Schüler negativ ab. Nun entscheidet das Bildungsministerium, ob das Öffentlichkeitsrecht doch noch erteilt wird.

Vorgeschichte

KURIER-Lesern ist die Adresse nicht unbekannt: Vor fünf Jahren kam das Gebäude in Simmering erstmals in die Schlagzeilen, als die zur Gemeinschaft der Millî Görüs gehörende Islamische Föderation Wien (IFW) darin eine „Imam Hatip“-Schule mit Unterricht in Türkisch einrichten wollte. Dagegen stieg vor allem die FPÖ auf die Barrikaden.

Im Zuge eines Vorstandswechsels überdachte man das Projekt bei der IFW dann aber. Und statt eines theologischen Gymnasiums entstanden in der Florian-Hedorfer-Straße eine private Volksschule sowie eine NMS. Schulerhalter ist der der IFW nahe stehende Trägerverein Solmit (Solidarisch miteinander), der seit 1999 auch ein islamisches Realgymnasium im 15. Bezirk betreibt. Eine inhaltliche Einflussnahme durch die IFW gebe es nicht, wird betont.

Kleine Moschee und halal Verpflegung

Religiöse Symbole oder arabische Schriftzeichen sucht man in den Simmeringer Privatschulen jedenfalls vergeblich. Nichts im Erscheinungsbild weist darauf hin, dass die Schule von Muslimen betrieben wird: Die insgesamt etwa 75 Kinder werden nach dem österreichischen Lehrplan unterrichtet, Unterrichtssprache ist Deutsch und nur ein Teil des Lehrerkollegiums besteht aus Muslimen.

Der islamische Aspekt ist nur an Details zu erkennen: An zwei Stunden Religionsunterricht pro Woche, einer kleinen Moschee auf dem Dachboden sowie an der halal Verpflegung.

„Kein Hoppala“

Für die beiden Privatschulen wurde das Öffentlichkeitsrecht beantragt (das rückwirkend erteilt werden sollte). Die Volksschule bekam es bereits – die NMS bis dato nicht.

Mutmaßlich, weil anders als in der Volksschule, wo fast alle Kinder die Externistenprüfungen positiv abschlossen, rund die Hälfte der Mittelschüler durchfielen. Das sei „kein einmaliges Hoppala, sondern in der Tat sehr schlecht“, heißt es aus der Wiener Bildungsdirektion.

Schulerhalter gesteht Fehler ein

Ursache für die hohe Durchfallsrate könnte laut Solmit die Nervosität der Schüler sein, die vor neuen Lehrern und in ungewohnter Umgebung ihre Wissen unter Beweis stellen mussten. Zudem habe man bewusst auch leistungsschwache Schüler aufgenommen.

Der Schulerhalter gesteht aber auch Fehler ein: So habe man zwar den österreichischen Lehrplan eingehalten, den Stoff aber bis inklusive Juni vermittelt. Externistenprüfungen finden allerdings schon im April und Mai statt.

Zwar wollen weder Ministerium noch Solmit das noch offene Verfahren kommentieren. Worum es geht, ist aber klar: Sollte das Öffentlichkeitsrecht rückwirkend verwehrt bleiben, müssten alle Mittelschüler, die bei den Externistenprüfungen durchfielen, in öffentliche Schulen wechseln. Die private NMS könnte also auf einen Schlag die Hälfte ihrer Schüler verlieren.

NMS wird nicht geschlossen

Im nächsten Schuljahr werde die Schule jedenfalls weitergeführt und man werde auch wieder um das Öffentlichkeitsrecht ansuchen, heißt es bei Solmit.

Sollte das Öffentlichkeitsrecht doch erteilt werden, wären die Externistenprüfungen gegenstandslos – und die Tests und Schularbeiten, die während des Schuljahrs an der NMS stattfanden, würden für die Leistungsfeststellung herangezogen.

Inhaltliche Mängel konnten an den beiden Privatschulen, denen von der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) der konfessionelle Status verliehen worden war, bis dato übrigens keine festgestellt werden. Bei Inspektionen durch die Wiener Bildungsdirektion gab es keinerlei Beanstandungen.