Wiener Hanusch-Krankenhaus schließt Geburtenstation

AKH Geburtenstation Weihnachtsbaby…
Foto: KURIER/Martin Gnedt Werdende Mütter müssen ab  Mitte Oktober Alternativen suchen

Patientenanwältin und Ärztekammer-Chef warnen vor Versorgungsengpass.

Rund 900 Babys kommen im Hanusch-Krankenhaus in Penzing jährlich zur Welt. Ab 15. Oktober müssen sich werdende Mütter, die das Spital ebenfalls für die Geburt ihres Nachwuchses aufsuchen wollten, eine Alternative überlegen. Mit diesem Stichtag schließt im Hanusch-Spital die Geburtenstation samt Kreißsaal.

"Aber wo sollen die eingesparten Betten denn untergebracht werden?", fragt sich eine Schwangere, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. "Man hat doch jetzt schon Schwierigkeiten, noch einen Platz zu finden."

Über einen Aushang im Hanusch-Krankenhaus wird werdenden Müttern geraten, sich an das Kaiser-Franz-Josef-Spital oder das Krankenhaus Hietzing zu wenden.

Der Krankenanstaltenverbund (KAV), der diese beiden Spitäler betreibt, sieht kein Problem darin, die zusätzlichen Geburten aus dem Hanusch-Krankenhaus zu übernehmen. Im Kaiser-Franz-Josef-Spital habe auch gerade ein neues Eltern-Kind-Zentrum eröffnet.

Bei der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK), dem Betreiber des Hanusch-Krankenhauses, kann man die Aufregung ebenfalls nicht nachvollziehen. Teil der Spitalsreform sei nun einmal der Ausbau der gynäkologischen Onkologie im Hanusch. Vor diesem Hintergrund habe die Geburtenstation verlagert werden müssen.

Die Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz sieht diese Entwicklung jedoch sehr wohl mit Besorgnis. "Wir bekommen immer öfter Beschwerden, dass es für Schwangere schwierig ist, einen Platz zu finden." Man habe mit dem KAV auch bereits das Gespräch gesucht – und werde das weiterhin tun.

Mehr Geburten

Wien wächst. Seit 2004 steigt die Geburtenrate kontinuierlich an; 2015 war mit 19.892 das geburtenreichste Jahr seit 1968. Dieser Anstieg werde die Geburtenstationen der Stadt zusätzlich vor Herausforderungen stellen, prophezeit Pilz.

Der KAV erwidert, dass die geplanten Maßnahmen – neue Eltern-Kind-Zentren im Wilhelminenspital, in der Rudolfstiftung sowie im Krankenhaus Nord – den Bedarf der Zukunft jedenfalls decken würden.

Aber auch Thomas Szekeres, Präsident der Ärztekammer für Wien, beunruhigt die Situation. Ihm bereitet vor allem die geplante Dienstzeitkürzung der Ärzte Kopfweh. Mit 1. September soll nämlich eine weitere Reduktion in den Nachtstunden in Kraft treten. "Dadurch werden die verfügbaren Ärzte weniger", sagt Szekeres. "Man sollte daher genau darauf achten, die Kapazitäten nicht soweit herunterzufahren, damit es danach zu Schwierigkeiten kommt."

(kurier) Erstellt am
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