Chronik | Wien
02.02.2018

Wiener Gemeindespitäler wollen Zahl der Gangbetten halbieren

Gesundheitsstadträtin Frauenberger (SPÖ) kündigt nach Gesundheitsdialog Maßnahmenpaket an.

Genau sieben Patienten der Wiener Gemeindespitäler waren Freitagfrüh auf dem Gang untergebracht – zwei davon bereits mehr als zwölf Stunden. Dass diese Zahlen vorliegen, ist dem im Vorjahr beim Krankenanstaltenverbund (KAV) eingeführten Betten-Monitoring zu verdanken. Die Überwachung der Auslastung ist Teil eines Maßnahmenpakets, mit dem Gesundheitsstadrätin Sandra Frauenberger (SPÖ) in der Debatte um Gangbetten in die Offensive ging.

Rathaus-Opposition, Volksanwaltschaft und Stadtrechnungshof hatten die Stadt wiederholt wegen der Unterbringung von Patienten in Notbetten kritisiert. Wie berichtet, lud Frauenberger daher am Freitag die Gesundheitssprecher aller Parteien, das KAV-Management, die Direktoren der einzelnen Häuser und die Patientenanwältin zum Gespräch.

Das Betten-Monitoring soll helfen, überfüllte Stationen besser zu erkennen und Patienten im Bedarfsfall künftig verstärkt auf andere Abteilungen zu verlegen. Um die Stationen zu entlasten, sollen zudem die zentralen Notaufnahmen ausgebaut werden. Ziel ist , die Zahl der Gangbetten bis Juni im Vergleich zum ersten Halbjahr 2017 zu halbieren.

Neue Statistik

Zur Kritik von Volksanwalt Günther Kräuter, der im KURIER ein klares politisches Bekenntnis gegen Gangbetten einforderte, sagt Frauenberger: "Wir haben in der Vergangenheit Maßnahmen gesetzt, und wir setzen nun zusätzliche." Um zu belegen, dass die Problematik überschaubar ist, lieferte KAV-Direktor Michael Binder Zahlen aus dem zweiten Halbjahr 2017. Pro Tag musste durchschnittlich einer von 696 stationären Patienten mehr als zwölf Stunden in einem Gangbett liegen. Das sind 0,14 Prozent.

Die geringsten Werte verzeichneten das Kaiser-Franz-Josef-Spital und das Krankenhaus Hietzing (je 0,01 Prozent), am höchsten war der Anteil im Donauspital (0,40 Prozent). Dass – wie immer wieder behauptet – ganze Abteilungen und damit Betten wegen Personalmangels gesperrt werden, sei nicht der Fall, betonte Binder. Bettensperren kämen zwar vor, aber vorrangig aus medizinischen Gründen.

Nicht aussagekräftig

Heinrich Schneider, Personalvertreter im Wilhelminenspital, sieht die präsentierte Statistik kritisch. Aus seiner Sicht ist nur die Betrachtung der einzelnen Abteilungen aussagekräftig. "Auf der Unfallabteilung gibt es viele Gangbetten, weil durch Leistungsreduktionen der AUVA-Häuser und des Hanusch-Krankenhauses dort die unfallchirurgische Versorgung zurückgefahren wurde", sagt er. Auch dass Betten vorrangig aus medizinischen Gründen gesperrt werden, will Schneider nicht so stehen lassen: "Im Wilhelminenspital sind derzeit elf Betten gesperrt, weil wir kein Pflegepersonal haben." Im Maßnahmen-Paket vermisst er zudem die Einführung eines Bettenmanagers.

Rückendeckung bekommt Schneider von den Neos. "Das Problem sind nicht mangelnde Betten, sondern primär der Personalmangel in den Spitälern", sagt Gesundheitssprecher Stefan Gara. Das Gesprächsangebot der Stadträtin sehen die Rathaus-Pinken – wie auch die ÖVP – positiv.

Patientenanwältin Sigrid Pilz zeigt sich ebenfalls zufrieden. "Der KAV hat gezeigt, dass er sich anstrengt", befand sie. "Jeder Beschwerde wird nachgegangen."