Schicke Erdäpfel-Fans: Bürgermeister Michael Ludwig und Stadträtin Ulli Sima.

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Chronik Wien
07/09/2019

Wiener Erdäpfel schonen das Klima - zumindest ein bisserl

Das Bio-Gemüse für die Pensionistenwohnhäuser wird nicht mehr über Wieselburg ausgeliefert. Das spart jährlich rund 40 Tonnen CO2.

von Bernhard Ichner

Fast fachgerecht adjustiert - also mit Sakko bzw. Jeansjackerl und Halbschuhen - griffen Wiens Bürgermeister Michael Ludwig und Umweltstadträtin Ulli Sima (beide SPÖ) am Dienstagvormittag medienwirksam zur Schaufel. Für die anwesenden Pressevertreter gruben sie auf einem Acker des stadteigenen Bio-Zentrums Lobau eine Handvoll Erdäpfel aus.

Die tragen (in etwas größerer Menge) nämlich ein bisserl zum Klimaschutz bei. Decken die Bio-Kartoffeln aus stadteigener Produktion doch den jährlichen Bedarf aller Wiener Pensionistenwohnhäuser. Und weil jetzt die Erntemenge von 500 Tonnen im Gegensatz zu früher nicht mehr mit Lkws nach Wieselburg gekarrt, dort gereinigt und sortiert und dann wieder nach Wien zurückgeführt wird, um hier ausgeliefert zu werden, spart man pro Jahr 40 Tonnen CO2 ein.

Pensionisten gehen Erdäpfel-schauen

Um die gesamte Wertschöpfungskette in Wien aufzubauen und die Verteilung des Bio-Gemüses mit möglichst kurzen Transportwegen umzusetzen, werden die Erdäpfel neuerdings in Simmering gereinigt und sortiert, berichtet Thomas Podsednik, Leiter des landwirtschaftlichen Stadt-Betriebs (und Chef des Weinguts Cobenzl). Der lokale Bio-Gartenbau Auer lagert die gesamte Menge und liefert sie bedarfsorientiert aus. 350 Tonnen gehen an die Wiener Pensionistenwohnhäuser und 150 Tonnen kommen in den Handel.

Kultiviert werden nicht nur handelsübliche Kartoffeln, sondern auch alte, im Zuge der Industrialisierung von den Äckern verschwundene Sorten wie Violetta, Pinki und Salad Blue. Und falls die Pensionisten wissen möchten, wo ihre Pommes Frittes ganz genau herkommen, können sie Erdäpfel-schauen gehen. Im Rahmen spezieller Exkursionen können sie das stadteigene Bio-Zentrum Lobau besichtigen.

Zweite Chance für Makrophyten

Gedüngt werden die Erdäpfel in der Lobau übrigens mit Hilfe anderer Pflanzen, die aus der sommerlichen Lokalberichterstattung nicht mehr wegzudenken sind: Die Makrophyten, also die Wasserpflanzen, die mittels Mähbooten alljährlich aus der Alten Donau entfernt werden, erfüllen hier in kompostierter Form einen Nutzen.

Apropos Kompost. Der ist in Wien nicht der letzte Mist, sondern von A+-Qualität - also für die Biolandwirtschaft geeignet, erklärt Sima. "Im Kompostwerk in der Lobau verarbeiten weltweit gefragte Experten unter anderem den Inhalt unserer Biotonnen."

Grünschnitt schlägt Kaffeesud

Wobei Biotonne nicht Biotonne sei, wie Podsednik erläutert. "In außerstädtischen Gebieten, wo die Leute Gärten haben, ist die Qualität besser - da finden wir viel Grünschnitt vor. Innerstädtisch ist es hauptsächlich Kaffeesud." Aber auch diese Biotonnen werden punkto Kreislaufwirtschaft einer sinnvollen Verwertung zugeführt - sie kommen in die Biogasanlage.

Insgesamt werden in Wien jährlich etwa 70.000 Tonnen Gemüse geerntet. Neben Getreide baut der landwirtschaftliche Betrieb auch Paradeiser, Gurken, Salate, Paprika, Erbsen, Karotten und Fisolen an.