Chronik | Wien
19.04.2017

Wiener Diskothek "systematisch geplündert"

Masseverwalter mit Millionenklage gegen Ex-Gastronom - Dieser bestreitet alles.

Roland R. hat die Wiener Clubszene in den vergangenen Jahren aufgemischt. Seine Großraum-Disco "Club Couture", vormals Nachtschicht, im Wiener Donauzentrum mauserte sich zu einem der angesagtesten Lokale – und angeblich auch zu einem lukrativen Selbstbedienungsladen. Der frühere Eigentümer steht im Verdacht, "ein äußerst geschicktes Schwarzgeld-System" betrieben" und die Disco "systematisch ausgeplündert" haben – angeblich bis zur Pleite im März 2015. Das behauptet jedenfalls Masseverwalter Bernhard Astner. Bei der Staatsanwaltschaft Wien sind Ermittlungen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und betrügerischer Krida anhängig. R. bestreitet alle Vorwürfe.

Vor Kurzem hat Astner eine umfangreiche Klage gegen Roland R. und dessen angebliche Ex-Lebensgefährtin eingebracht. Er fordert in einem ersten Schritt rund 1,13 Millionen Euro zurück. Den mutmaßlichen Gesamtschaden schätzt der Masseverwalter auf 4,7 Millionen Euro.

Happy-Hour in Kassa

Laut Klage soll R. jeden Monat "wenigstens 50.000 Euro" schwarz abgezweigt haben. Dabei sollen vom Eintrittsgeld (zehn Euro) bloß zwei Euro verbucht worden sein. Auch von Garderobeneinnahmen (zwei Euro) soll ein Viertel abgezweigt worden sein.

Doch den großen Schnitt soll der Discobesitzer bei den Getränken gemacht haben. Er soll "Happy-Hour-Aktionen" nur für die Kasse angeordnet haben. Ein Getränke-Rabatt von 50 Prozent soll zwar boniert, aber von den Gästen dennoch 100 Prozent kassiert worden sein.

"Die Differenz hat R. privatisiert", behauptet der Masseverwalter. "Das abgezählte Bargeld legte eine Mitarbeiterin in eine Schublade, von wo es nach Schließen der Lade in den darunter liegenden Tresor fiel." Zugang zum Tresor soll nur Roland R. gehabt haben. An guten Tagen spielte der Club 50.000 bis 70.000 Euro Umsatz ein. R. soll aber nur die bonierten Einnahmen auf ein Firmenkonto eingezahlt haben, für das er allein zeichnungsberechtigt war.

"Roland R. hat seiner Lebensgefährtin im Laufe der Zeit praktisch das gesamte im Inland befindlich Vermögen übertragen", heißt es in der Klage. Der Gastronom gab bei der Polizei an, dass er ihr etwa 300 Sparbücher mit Einlagen von drei bis vier Millionen Euro schenkte. Ganz genau wisse er den Betrag nicht mehr. Er habe das Geld nämlich nie gezählt.

Den Großteil seines Vermögens, behauptet R., habe ihm sein Opa in den 1980er-Jahren vermacht, den Rest habe er sich "erspart". Und von der Erbtante Wilma habe er Möbel und Bilder erhalten und gewinnbringend verkauft, sagte seine Mutter aus.

Kein Wunder also, dass er seiner Ex-Lebensgefährtin auch seine Immobilien übertragen hat. "Als Voraussetzung, dass sie ihm ein Kind schenke", sagte die Ex-Tänzerin aus. Das Kind kam 2013 auf die Welt. Und sie hat finanziell ausgesorgt, kassiert sie doch jeden Monat 25.000 Euro Mieteinnahmen. Auch die Autoverleihfirma der Familie R. gehört mittlerweile der Ex-Tänzerin. Zum noblen Fuhrpark gehören laut Aktenlage ein Lamborghini LP 700 und ein Ferrari 458. Die Sportwagen wurden laut R. "zu Werbezwecken" vor der Disco abgestellt.

Vorwürfe bestritten

"Alle in der Klage erhobenen Anschuldigungen werde ich im Gerichtsverfahren entkräften können", sagt Roland R. "Ich habe meinem Unternehmen nicht vorsätzlich geschadet und kein Geld entnommen. Jede Tageslosung wurde von mir aus dem Safe genommen und zur Bank gebracht. Es gab dabei keine anderen Geldflüsse, außer das Bezahlen von Rechnungen oder das Wechseln in Kleingeld." R. will sogar Geld in den Club eingeschossen haben.