© Kurier/Juerg Christandl

Ottakring
10/15/2021

Wiener Craftbeer-Brauer will mithilfe der Bierfans expandieren

Craftbeer-Produzent Roland Schalken zieht es in den Öl- bzw. Bierhafen Lobau. Dabei setzt er auf Crowdfunding.

von Bernhard Ichner

Bandscheibenvorfälle sind bei Betreibern von Kleinstbrauereien keine Seltenheit. „Das liegt daran, dass auf engstem Raum alles händisch getragen werden muss – das geht aufs Kreuz“, erklärt Craftbeer-Produzent Roland Schalken (30), der mit Partnerin Anna (29) „die zweitgrößte Brauerei Ottakrings“ führt. Die Bezeichnung ist ironisch gemeint.

Denn viel Platz bietet die „Braumanufaktur Schalken“ in der Neulerchenfelder Straße 57 wirklich nicht. Die 500-Liter-Brauanlage, Gärtanks, Abfüllanlage und Etikettiermaschine füllen den engen Produktionsraum fast vollständig aus. Und im Shop stapeln sich die Malzsäcke bis unter die Decke.

In der 86 Quadratmeter großen Braumanufaktur, über deren Erfolgsweg der KURIER bereits berichtete, reichen die Kapazitäten gerade einmal aus, um monatlich 6.000 Flaschen des Standardsortiments abzufüllen.

Für die bei Craftbeer-Fans begehrten saisonalen Spezialitäten wie etwa für das Kürbisbier, das Schalken aktuell in Angriff nimmt, bleiben aber kaum Kapazitäten übrig. Das soll sich nun ändern – nicht zuletzt mit Hilfe der KURIER-Leser.

Umzug in den Bierhafen

Um noch mehr Craftbeer – das Wiener Lager namens Gemeindebrau, Helles, Bio-Zwickel, East Coast IPA und Ottakring Pale Ale nebst diversen Sonderfüllungen – produzieren zu können (und die Bandscheiben zu schonen), will man in den Ölhafen Lobau übersiedeln.

Nicht nur, weil „Öl“ auf Schwedisch „Bier“ heißt und „Bierhafen“ cool klingt. Sondern in erster Linie, weil dort eine 450 Quadratmeter große Produktionshalle zu einem erschwinglichen Preis zur Verfügung steht.

Finanzieren will Schalken die Expansion mittels Crowdfunding. Interessierte können sich vom 15. Oktober bis 22. November unter www.startnext.com/bierhafen daran beteiligen.

Gärtank-Patenschaft

Das Mindestziel sei, 25.000 Euro zu erreichen, sagt Schalken. Darum würden zusätzliche Maschinen angeschafft, wie etwa eine 1.000-Liter-Brauanlage. Statt 2.000 Liter Gärvolumen stünden dann 10.000 zur Verfügung.

Als Belohnung erwarten die Investoren je nach Höhe der Einlage verschiedene Dankeschöns. Limitierte Bierdeckel gibt’s etwa schon ab 20 Euro. Darüber hinaus stehen Schalken-T-Shirts, Probierpakete, Jahresbierabos und Rabattgutscheine zur Auswahl.

Selbst eine Gärtank-Patenschaft ist möglich. Für 1.900 Euro Einlage ziert forthin der Name des Investors den Tank. Zudem erhält der Geldgeber 20 Prozent Einkaufsrabatt auf Lebenszeit.

Die Ottakringer Niederlassung will Schalken, der eigentlich studierter Jazzpianist ist, als Verkaufsraum zwar behalten. Die Übersiedlung in den Ölhafen ist aber auf jeden Fall geplant. Unabhängig vom Erfolg des Crowdfundings.

Nötigenfalls starte man am neuen Standort mit der bestehenden Anlage, sagt Schalken. „Das Crowdfunding würde uns aber ermöglichen, schneller zu wachsen.“

Und die Brauzutaten in der Halle kreuzschonend mit dem Hubwagen, statt händisch zu transportieren.

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