Univ.-Prof. Michael Radda hat 22 Jahre lang die Augenabteilung im Donauspital geleitet.

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Gemeindespitäler
10/03/2016

Wiener Arzt: "Sind hier nicht in Nordkorea"

Ex-Primar Michael Radda kritisiert die Verlegung der Augenabteilung des Donauspitals.

von Josef Gebhard

22 Jahre lang hat Univ.-Prof. Michael Radda die Augenabteilung im Donauspital geleitet. Seit Kurzem ist der 64-Jährige Arzt in Pension. Den Konflikt rund um die Ärzte-Arbeitszeiten in den Gemeindespitälern verfolgt er dennoch aufmerksam.

"Hut ab vor dem Kollegen Thomas Szekeres", streut er dem Wiener Ärztekammer-Präsidenten, der an der Spitze der Proteste steht, Rosen. "Er hatte den Mut, die Fehlentwicklungen in der Patientenversorgung aufzuzeigen." Davon sei auch seine ehemalige Abteilung massiv betroffen. Denn trotz der Verkürzung der Ärzte-Arbeitszeit von 60 auf 40 Stunden pro Woche sei keine Stellenvermehrung geplant.

Zusätzlich stand zuletzt auch noch eine Streichung von Nachtdiensten im Raum. "Das würde dazu führen, dass gewisse Notoperationen – etwa bei einer Netzhautabhebung – nicht wie bisher in der Nacht operiert werden können, sondern erst am nächsten Morgen", warnt der Augenspezialist. "Am nächsten Tag müssten dann andere geplante Operationen verschoben werden."

Raddas früherer Abteilung droht aber noch viel weiter reichendes Ungemach: Wie berichtet, soll sie im Zuge der Wiener Spitalsreform in den nächsten Jahren in die Rudolfstiftung (Landstraße) übersiedeln, wo ein Auge-Schwerpunkt-Zentrum für die gesamte Wiener Bevölkerung entstehen soll.

Verschlechterung

"Für die Bürger des 21. und 22. Bezirks bedeutet das eine deutliche Verschlechterung der augenärztlichen Versorgung", ist Radda besorgt und fühlt sich um die Früchte seiner Aufbauarbeit gebracht. "Es ist doch allgemein bekannt, wie wichtig eine wohnortnahe medizinische Betreuung ist, besonders bei alten, gebrechlichen Patienten."

Zudem verfüge das Donauspital über eine große Kinderabteilung, in der auch viele Frühgeborene behandelt werden, die oft unter Augenproblemen leiden. "In Zukunft sollen die nur wenige 100 Gramm schweren Säuglinge mit der Rettung in die Rudolfstiftung zur Behandlung gefahren werden, die zudem gar keine Kinder-Anästhesisten hat. Hier sind Probleme vorprogrammiert." Auch für die Unfallabteilung sei es wichtig, dass es im Haus eine Augenabteilung gibt.

All diese Bedenken hat Radda bereits im Dezember 2015 Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) in einem Mail mitgeteilt. "Sie hat mir nicht einmal geantwortet."

Bei einer Kernteam-Sitzung im März, bei der auch KAV-Generaldirektor Udo Janßen anwesend war, wagte Radda einen erneuten Anlauf. "Doch Janßen hat es abgelehnt, meine Stellungnahme zu protokollieren." Nach dem Einwand des Arztes, dass man hier in Wien und nicht in Nordkorea sei, wurde er von Janßen zu einem Vier-Augen-Gespräch zitiert. "Er hat mich darauf hingewiesen, dass ich froh sein könne, dass ich pragmatisiert sei. Sonst hätte ich mit Konsequenzen rechnen müssen."

KAV beschwichtigt

Seitens des KAV weist man dies zurück und verteidigt die Umstrukturierung: "Im Fall der Augenheilkunde macht die Bündelung der Kompetenzen und Ressourcen in einem großen Zentrum am meisten Sinn ", sagt eine Sprecherin. "In den übrigen Spitälern werden die Patienten vom ärztlichen Konsiliardienst betreut – so auch im Donauspital." In einigen Fächern werde das bereits jetzt so gehandhabt und die Erfahrung zeigt, dass dieses Vorgehen bestens funktioniert.

Weiters verweist man auf ein Augen-Ambulatorium, das in Floridsdorf geplant sei. "Die Ärztekammer hat es beeinsprucht – mit dem Hinweis, es gibt keinen Bedarf."

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