Chronik | Wien
20.12.2017

Wiener Arzt drohte Mutter mit Köpfen: Einweisung

Wiener Mediziner leidet an paranoider Schizophrenie: "Ich war verrückt. Ich war wahnsinnig." Bedingte Einweisung in Anstalt.

Weil er seiner Mutter mit dem Köpfen drohte, ist ein Wiener Arzt am Mittwoch vom Landesgericht für Strafsachen in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen worden. Die Maßnahme wurde - in Verbindung mit einigen Weisungen - allerdings bedingt ausgesprochen, der 36-Jährige bleibt damit bis auf Weiteres auf freiem Fuß. Das Urteil ist rechtskräftig.

Psychische Erkrankung

Der Mann stammt aus einer Mediziner-Familie und hat nach Abschluss seines Studiums in mehreren Krankenhäusern gearbeitet. Dann brach jedoch eine psychische Erkrankung aus, die dem Arzt eine weitere berufliche Tätigkeit unmöglich machte. Er leidet an paranoider Schizophrenie. Im Dezember 2016 manifestierte sich erstmals eine mit der Krankheit in ursächlicher Verbindung stehende Gewaltbereitschaft. Im Zuge eines Disputs schlug der 36-Jährige seinem Bruder mehrmals eine Glasflasche auf den Kopf.

Am 12. März ärgerte sich der Mann über seine Mutter. Er wollte, dass diese Kontakt zu einem Pfarrer aufnimmt, von dem sich der Mediziner einen Job erhoffte. Als die Mutter das ablehnte, griff der Sohn zum Telefon und erklärte ihr, er werde "in deine Wohnung kommen und dich umbringen". Er wurde noch konkreter: "Ich werde dich köpfen. Ich werde jeden köpfen, der sich gegen mich stellt." Die Mutter verständigte die Polizei.

"Damals stand ich unter einem Wahn. Ich war verrückt. Ich war wahnsinnig"

"Damals stand ich unter einem Wahn. Ich war verrückt. Ich war wahnsinnig", erklärte der psychisch Kranke nun einem Schöffensenat (Vorsitz: Christian Böhm). Als seine Mutter seine Bitte ablehnte, "habe ich nur schwarz gesehen". Er habe sie "fertig machen" und "ein bisschen schrecken wollen". Wie er da ausgerechnet auf das Kopfabschlagen gekommen sei, wollte der Richter wissen. "Wir Araber sind sehr heißblütig", verwies der in Wien geborene 36-Jährige auf seine Wurzeln.

Der psychiatrische Sachverständige Peter Hofmann stufte den Mann als zurechnungsunfähig und grundsätzlich gefährlich ein. Nach seiner Festnahme und vorübergehenden Anhaltung hätte sich dessen Zustand jedoch erheblich gebessert. Der 36-Jährige wird seither medikamentös behandelt, geht regelmäßig zur Psychotherapie und konsumiert auch kein Cannabis mehr. Im Hinblick darauf hielt es der Gutachter für vertretbar, den Mediziner unter bestimmten Voraussetzungen nicht stationär in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher unterzubringen.

Bedingte Einweisung

Das Gericht schloss sich den Empfehlungen Hofmanns an und verfügte eine bedingte Einweisung. Der Patient muss aber seine psychopharmazeutische Behandlung mit Neuroleptika fortsetzen, jedwede Drogen und Alkohol meiden und auch seine Termine beim Psychotherapeuten wahren. Ob er sich an die entsprechenden Weisungen hält, wird regelmäßig kontrolliert. Zudem wurde Bewährungshilfe angeordnet. Der 36-Jährige und seine Verteidigerin Liane Hirschbrich waren damit eben so einverstanden wie Staatsanwalt Günther Lattacher.