Chronik | Wien
14.06.2018

Wiener Althangrund: 60-Meter-Terrassenhaus statt Türme

Das mit Spannung erwartete Ergebnis des Architekten-Wettbewerbs für die Neubebauung des Franz-Josefs-Bahnhofs ist da.

Bis zu 126 Meter hohe Türme hätten über dem Franz-Josefs-Bahnhof im neunten Bezirk entstehen können. Der Siegerentwurf des nun abgeschlossenen Architekten-Wettbewerbs will aber weniger hoch hinaus. Der am weitesten aufragende Punkt des neuen, 2,6 Hektar großen Stadtteils Althanquartier soll auf 58 Metern liegen.

Wie berichtet, will der Immobilienentwickler 6B47 das rund 45 Meter hohe Bank-Austria-Gebäude am Julius-Tandler-Platz sanieren und den dahinter liegende Teil neu bebauen. Dazu schrieb 6B47 einen Wettbewerb aus. Schon im Vorfeld war es zu heftigen Debatten um eine mögliche Hochhausbebauung gekommen, da das städtebauliche Leitbild für das Gebiet Bauhöhen von bis zu 126 Metern vorsieht. Daraufhin stoppte Planungsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) mit Verweis auf den Wettbewerb das bereits laufende Widmungsverfahren.

Der neue Althangrund

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Vogelperspektive

Das Althanquartier vom Palais Liechtenstein in Blickrichtung Spittelau betrachtet

Nordbergstraße, Blickrichtung Spittelau

Althanstraße, Blickrichtung Julius-Tandler-Platz

Hochpark im Zentrum des Komplexes

Sockelzone und Hochpark

Das Sieger-Büro Artec aus Wien entwarf allerdings keine Türme, sondern ein Terrassenhaus. Ab einer Höhe von 25 Metern wird der Baukörper gestaffelt in Richtung Mitte des Komplexes zurückgezogen. Dadurch würden die umliegenden Häuser ausreichend Licht ab bekommen, die Höhe des Gebäudes sei von der Straße nicht wahrnehmbar, betont 6B47. Im Zentrum ist eine öffentlich zugängliche, begrünte Freifläche vorgesehen, als neue Ost-West-Querungen sind zwei Durchgänge geplant.

Bezirk erleichtert

„Ich bin froh, dass es das Projekt mit den niedrigsten Bauten wurde“, sagte Saya Ahmad (SPÖ), künftige Bezirksvorsteherin, bei der Präsentation am Donnerstag. Nun gelte es, die Hülle zu füllen – unter anderem mit leistbaren Wohnungen, betonte sie. Wie hoch der  Anteil günstiger Unterkünfte sein soll, wird wohl eine der Fragen sein, die 6B47 und die Stadt  über den Sommer besprechen werden. Denn vor der Umwidmung des Areals im Gemeinderat soll ein städtebaulicher Vertrag ausgehandelt werden.

Konkrete  Bedingungen der Stadt für den Vertrag wollte Planungsdirektor Thomas Madreiter nicht nennen – er verwies auf das städtebauliche Leitbild. Dieses sieht rund 60.000 Quadratmeter Bruttogeschoßfläche zum Wohnen vor,  mindestens die Hälfte davon „sozial gebunden“. Auf den restlichen 90.000 Quadratmetern sollen Büros, ein Hotel und Geschäfte  untergebracht werden.

Sobald die Widmung erfolgt ist, sollen die Arbeiten am Althanquartier starten. „Wir haben alle ein Interesse, das rasch abzuwickeln“, zeige sich Investor Peter Ulm überzeugt. Denn demnächst, gab er zu bedenken, würden die letzten Nutzer ausziehen: „Ein leeres Gebäude ist nie ein Gewinn.“

An dem zweistufigen Wettbewerb haben sich 30 Architekturbüros beteiligt. Pläne, Modelle und Visualisierungen zu allen Einreichungen und zum Sieger-Projekt sind bis 14. Juli in der Althanstraße 4 ausgestellt.