Chronik | Wien
01.12.2016

Wien: Zusatztafeln für 14 historisch problematische Straßennamen

Lueger-Platz in der Innenstadt © Bild: KURIER/Stephan Boroviczeny

Erklärende Texte zu historisch umstrittenen Persönlichkeiten wie etwa Karl Lueger.

Drei Jahre ist es her, dass eine Historikerkommission unter der Leitung von Oliver Rathkolb einen Bericht zu historisch problematischen Wiener Straßennamen veröffentlichte. Von den 4300 untersuchten Bezeichnungen stuften die Experten 28 als Fälle mit intensivem Diskussionsbedarf ein. Vielfach handelt es sich dabei um namensgebende Persönlichkeiten mit Nähe zum Antisemitismus oder zum NS-Regime.

Die betroffenen Straßennamen bekommen jetzt erklärende Zusatztafeln. Die erste Tranche umfasst 14, die in den Bezirken 1, 3, 10, 14, 21 und 23 angebracht werden. Dazu zählen zum Beispiel der Dr.-Karl-Lueger-Platz (Innere Stadt) und die Lueger-Brücke (Penzing). Der Text für die Zusatztafel lautet: „Dr. Karl Lueger (1844-1910), Gründer der Christlich-Sozialen Partei. 1897-1910 Bürgermeister. Mitgestalter Wiens zu einer modernen Großstadt. Kritisch bewertet werden muß sein populistischer Antisemitismus, der ein politisches Klima förderte, welches die Verbreitung des Nationalsozialismus begünstigte.” Weiteres prominentes Beispiel ist die Porschestraße in Liesing, benannt nach Ferdinand Porsche (1875-1951). "Vater des Volkswagens und des Porsche. Er beeinflusste durch zahlreiche Erfindungen die Geschichte des Autos. Problematisch in seiner Biografie sind seine Mitgliedschaft bei NSDAP und SS, die Beschäftigung von ZwangsarbeiterInnen sowie seine Tätigkeit in der NS-Rüstungsindustrie“, wird auf der Tafel zu lesen sein.

Bewusst habe man sich dazu entschieden, die betroffenen Straßennamen nicht umzubenennen, betont Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny gegenüber dem KURIER. „Ich bin der Meinung, dass die Zusatztafeln die Geschichte stärker in Erinnerung rufen als Umbenennungen, die die Geschichte gleichsam auslöschen.“ Im Text der Zusatztafeln habe man versucht, zwei Aspekte zu verpacken. Zunächst die historischen Verdienste der Person, welche zu der Ehrung mit einen Straßennamen geführt haben. Dann aber eben auch die dunklen Seiten in der Biographie. „Als Basis dafür dienten die Erkenntnisse der Historikerkommission, sagt Mailath.

Bei der Gestaltung der Zusatztafeln seien auch die betroffenen Bezirke involviert gewesen. Von keinem habe es negative Rückmeldungen gegeben, so der Stadtrat. Im nächsten Jahr sollen die restlichen 14 problematischen Straßennamen eine Zusatztafel bekommen.