Wo man in Wien die Wohnungen berühmter Personen besuchen kann

Von Margarete Schütte-Lihotzkys Wohnung bis zu Künstler- und Architektenvillen öffnen sich neue historische Räume und erzählen Geschichte.
Wohnzimmer mit großen Fenstern, bunten Möbeln und Vorhängen, grünem Boden und Blick auf Häuser und Bäume draußen.

Margarete Schütte-Lihotzky war in so vielen Dingen eine Vorreiterin. Sie studierte als eine der ersten Frauen in Österreich Architektur und ist vermutlich auch die erste, die den Beruf hierzulande auch wirklich ausübte.

Vor exakt 100 Jahren entwarf sie die Frankfurter Küche, den Urtyp aller Einbauküchen. Funktionalität statt im Vordergrund, gepaart mit einem hohen Designanspruch – immer im Blick, das vor allem Frauen durch die praktische Ausführung Arbeitszeitersparnis zugutekommt.

Es ist also mehr als passend, dass ihre Wohnung die erste zugängliche Museumswohnung in Wien einer weiblichen historischen Persönlichkeit ist. Ihre ehemaligen Räumlichkeiten finden sich in der Franzensgasse in Margareten. Wie Männer gewohnt haben, kann man hingegen an mehreren Stellen begutachten, aber dazu später.

Mehr als eine Küche

Wenn man durch die unscheinbare Tür der Wohnung tritt (diese ziert übrigens auch das Cover dieser Ausgabe), tritt man ein in die Welt der 1960er-und 1970er-Jahre. Neben Plänen und Konstruktionszeichnungen finden sich sogar Abrechnungen für die von Schütte-Lihotzky selbst konzipierte Einrichtung der 55 Quadratmeter großen Wohnung.

Die Wohnung kann jeden Dienstag und Freitag (außer am heutigen Karfreitag) besichtigt werden. Ein Highlight ist naturgemäß die erst im Sommer 2024 rekonstruierte Küche Schütte-Lihotzkys.

PK FRANKFURTER KÜCHE

Margarete Schütte-Lihotzky ist eine Ikone – nicht nur wegen der Frankfurter Küche.

Erst seit März ist die Villa Beer in der Hietzinger Wenzgasse für Interessierte geöffnet. Sie wurde 1929/30 als Wohnhaus für die Unternehmerfamilie Julius und Margarete Beer von den Architekten Josef Frank und Oskar Wlach erbaut.

Wie in der Wohnung Schütte-Lihotzkys befindet man sich auch, wenn man die Villa Beer betritt, sofort in einem anderen Jahrzehnt. Auf 800 Quadratmetern kann man sich selbst ein Bild von den 1930er-Jahren machen.

Im Dachgeschoß befinden sich zudem drei Gästezimmer, die man – je nach Größe für 150 bis 450 Euro pro Nacht – mieten kann. Hier stechen besonders die farbenfrohen Stoffe hervor, sie sind mit Möbeln von Svenskt Tenn nach Entwürfen von Josef Frank ausgestattet.

Mitten im Atelier

Eine andere Villa, die ebenso seit Neuestem zugänglich ist, findet sich im Cottageviertel: jene des Wiener Künstlers Arik Brauer. Das Museum und der Skulpturenpark wurden bereits 2003 für die Öffentlichkeit zugänglich. Nun sind auch weitere, einst private Räume zu besichtigen. Im Mittelpunkt steht die Kunst: Arik Brauers eigene Werke finden sich im ganzen Haus, aber auch die Bilder und Skulpturen seiner Töchter Timna und Ruth sind ausgestellt.

Aus Kostengründen habe Timna Brauer entschieden, die Räumlichkeiten für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wie sie kürzlich im KURIER erzählte. Es sei teuer, ein so großes Haus zu erhalten. Das Persönliche kommt bei der Monetarisierung aber nicht zu kurz – im Gegenteil. „Jeder, der hier hereinkommt, sagt, er hat das Gefühl, meine Eltern kommen auch gleich.“

Wohnzimmer mit großen Fenstern, bunten Möbeln und Vorhängen, grünem Boden und Blick auf Häuser und Bäume draußen.

In der von Josef Frank und Oskar Wlach erbauten Villa Beer kann man übernachten.

Ernst Fuchs Museum

Die Fuchs-Villa in Penzing ist einen Besuch wert.

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In Arik Brauers Gedankenwelt kann man auch eintauchen

Schon seit 1988 sind die Pforten der Fuchs-Villa in Penzing geöffnet. Ernst Fuchs, Begründer der Wiener Schule des Phantastischen Realismus, hatte die verlassene Villa Ende der Dreißigerjahre entdeckt. Wie auf der Website des heutigen Museums zu lesen ist, versprach er, selbst aus ärmlichen Verhältnissen, seiner Mutter, ihr das Haus zu schenken, wenn er einmal ein reicher Maler geworden ist.

Jahre später, 1972, rettete er die Villa schließlich tatsächlich. Vieles an der Villa wurde im Sinne Otto Wagners restauriert und saniert, im Interieur wurde aber einiges nach Entwürfen von Ernst Fuchs gestaltet. Bis 1986 diente ihm die Villa selbst als Atelier.

Wie Musiker lebten

Und natürlich sind in Wien, oft als Musik-Hauptstadt der Welt bezeichnet, die Räumlichkeiten von Komponisten zu besichtigen – Pianos und knarzende Holzböden inklusive. Exemplarisch sei das „Beethoven Pasqualatihaus“ in der Mölker Bastei 5 erwähnt, hier komponierte Ludwig van Beethoven unter anderem die Oper „Fidelio“ und sein berühmtestes Klavierwerk „Für Elise“ .

Ein Besuch ist schon allein deswegen interessant, weil sich der Häuserblock auf Resten der Wiener Stadtbefestigung aus dem 16. Jahrhundert befindet, die im Zuge des Ringstraßenbaus fast vollständig abgebrochen wurde.

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