Vom Leerstand zum Museum: Villa Beer eröffnet im März
Die Villa Beer, eine Ikone der Architekturgeschichte, war bereits dem Verfall preisgegeben. „Durch einen glücklichen Zufall habe ich vor fünf Jahren in einem Inserat entdeckt, dass die Villa zum Verkauf steht“, so Lothar Trierenberg, der 20 Jahre „Das Möbel“ in der Gumpendorfer Straße geführt hat. Mit dem Eigentümerwechsel begann die Rettung der Villa Beer in der Wenzgasse 12 in Wien-Hietzing.
1929/30 wurde sie als Wohnhaus für die Unternehmerfamilie Julius und Margarete Beer von den Architekten Josef Frank und Oskar Wlach erbaut. Sie gilt als Schlüsselwerk der zweiten Wiener Moderne und steht seit 1987 unter Denkmalschutz. Nach umfassender, mehrjähriger Restaurierung unter Leitung von Hausherr Trierenberg und der Villa Beer Foundation in Zusammenarbeit mit Architekt Christian Prasser und dem Bundesdenkmalamt wird sie ab 8. März erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich sein.
So sah die Villa Beer kurz nach der Fertigstellung im Jahr 1930 aus.
Offene Räume
Ziel war es, das Haus vor dem Verfall zu bewahren und langfristig zu sichern. „Wir wollten den einzigartigen Charakter des Hauses mit rund 900 Quadratmeter Nutzfläche wieder herstellen und zugleich an die geplante Nutzung anpassen“, erklärt Trierenberg. Vieles konnte im Original erhalten werden.
Das Haus war im Laufe seiner Geschichte mehrfach umgebaut worden, eine grundlegende Sanierung hatte jedoch nicht stattgefunden. Im Zuge der Renovierung wurde die ursprüngliche Raumabfolge wieder erlebbar gemacht. Dazu wurden beispielsweise nachträglich eingefügte Fenster geschlossen und zusätzlich eingezogene Wände entfernt. „Die offene Raumfolge, die lichtdurchfluteten Innenräume und die außergewöhnliche Materialität prägen das Haus heute wieder so, wie sie gedacht waren", so Architekt Christian Prasser.
Der Schachbrett-Parkettboden wurde neu verlegt.
Original-Lampen von Josef Frank
Besucher können nicht nur die architektonischen Besonderheiten erleben, sondern auch die Innenausstattung lässt sich sehen wie etwa Lampen von Josef Frank. Erhaltene Einbauelemente wurden mit großer Sorgfalt restauriert, fehlende Teile auch ergänzt. Fußböden, Kamine, Scherengitter und Radiatoren wurden instand gesetzt und, wo erforderlich, mit hohem handwerklichem und historischem Anspruch nachgebaut, teilweise unter Einbeziehung der ursprünglich ausführenden Betriebe. So wird zum Beispiel der Speiseaufzug in den nächsten Tagen wieder eingebaut. Die Lichtschalter wurden im 3D-Drucker nachgebaut.
Hohe, offene Räume sind das Markenzeichen der Villa.
Die Villa Beer soll kein klassisches Museum sein. "Besucher sollen sich wie Gäste fühlen", so der Hausherr. Sie können das Haus mit und ohne Führung erkunden, hier Abendessen oder in einem der drei Gästezimmer (ab 350 Euro) übernachten. Darüber hinaus wird es kulturelle Veranstaltungen geben.
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