Seltene Bilder: Fotograf zeigt die Wildnis vor Wiens Haustüren
Wildtierfotograf Alexander Längauer dokumentiert die Tierwelt am Stadtrand im Norden Wiens. Wie Stieglitze über eine Wiese am kleinen Wagram mit der Donauplatte im Hintergrund.
Alexander Längauer sitzt viel am Computer. Die Wildtierfotografie ist ein starker Kontrast zu seinem Job als IT-Projektleiter. Vielleicht hat er sich auch gerade deshalb den Regionalpark „DreiAnger“ im Norden Wiens als Revier ausgesucht.
Der Regionalpark wurde 2017 gegründet und verbindet die ehemaligen Angerdörfer Stammersdorf (21. Bezirk), Süßenbrunn (22. Bezirk) und Gerasdorf. Hier gehen Beton- und Agrarwüsten in Naturlandschaften über – manchmal sanft, wie am Marchfeldkanal. Anderorts ist der Übergang hart, fast schon brutal, wie bei der Deponie Rautenweg oder rund um die Seestadt Aspern in der Donaustadt.
Heimisch sind dort nicht nur (immer mehr) Menschen, auch die oft übersehene Tierwelt hat hier ihr Zuhause. Genau die fängt Längauer für seinen Blog „3Anger.at“ ein. Seit Mai teilt er dort seine Sichtungen und klärt über die verschiedenen Arten auf: „Ich will den Menschen die Natur wieder näherbringen und sie motivieren, selbst raus zu gehen – immer mit dem nötigen Respekt vor den Tieren und den Feldern der Bauern.“
Wie ein Lotto-Sechser
Angetan hat es Längauer vor allem der Norbert-Scheed-Wald zwischen Breitenlee und Essling. Es ist ein Wald, der in die Steppe gepflanzt wurde, eine punktuelle Aufforstung zwischen Äckern, Schotterteichen und alten Schienenresten des stillgelegten Verschiebebahnhofs Breitenlee. Der Wald ist Teil der größeren Vision des Regionalparks: den Grüngürtel um Wien zu schließen.
Jüngst gelang Längauer eine besonders seltene Sichtung: eine „weiße“ Hirschkuh im Maisfeld im Gebiet Breitenlee, der KURIER berichtete. „Das ist wie ein Lotto-Sechser“, sagt der Fotograf. Mehrere Experten bestätigten ihm, dass es sich dabei mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit um ein Rotwild-Schmaltier mit Leuzismus gehandelt hat.
Ein schmaler Grat
Wo genau er die junge Hirschkuh gesichtet hat, verrät Längauer nicht – aus Sorge vor einem Menschenauflauf. Für ihn steht der Schutz der Natur im Vordergrund, Parolen schlägt er aber nicht an: „Es ist ein schmaler Grat. Einerseits muss die Bevölkerung aus dem Marchfeld versorgt werden, und auch die Stadterweiterung ist sinnvoll. Gleichzeitig ist schon vieles aus dem Gleichgewicht.“
So etwas vergisst man nicht. Rohrweihen krallen sich bei der Balz in der Luft zusammen, trudeln hinunter und lösen sich – im besten Fall – rechtzeitig vor dem Boden.
Wildtierfotograf
Stattdessen will er die Tierwelt direkt vor unseren Haustüren sichtbar machen, und zeigen, wie schützenswert sie ist. Sein persönliches Highlight und Anstoß für den Blog waren zwei Rohrweihen bei der Balz. Die Tiere sind stark gefährdet, laut „BirdLife“ gibt es nur 350 bis 500 Brutpaare in ganz Österreich.
„So etwas vergisst man nicht. Rohrweihen krallen sich bei der Balz in der Luft zusammen, trudeln hinunter und lösen sich – im besten Fall – rechtzeitig vor dem Boden“, beschreibt Längauer. Auch einen Zwergadler konnte er mit der Kamera einfangen. Die Tiere gelten in Österreich als ausgestorben bzw. als verschollen.
Bei dem Exemplar handelte es sich daher um einen „Durchzügler“ auf dem Weg nach Norden. Und auch wenn Längauer kein bestimmtes Tier auf seiner Wunschliste hat, hofft er, demnächst die Jungtiere des Rohrweihen-Paars sichten zu können. Die Fotos davon und allen anderen künftigen Sichtungen gibt es auf seinem Blog.
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