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Chronik Wien
10/20/2020

Wiener Grüne feilschten bei Veganem und Bier um Verbleib in Koalition

Das Team rund um Birgit Hebein war dreieinviertel Stunden bei Bürgermeister Ludwig. "Rot-Grün mit Ludwig-Hebein ist spürbar“, sagte die Grünen-Chefin im Anschluss.

von Christoph Schwarz, Stefanie Rachbauer

Bei keiner Partei ist der Erwartungsdruck so hoch wie bei den Grünen: Für Parteichefin Birgit Hebein und ihr Sondierungsteam ging es heute, Dienstag, bei ihrem Termin mit Bürgermeister Michael  Ludwig (SPÖ) um nichts Geringeres als die Fortsetzung der rot-grünen Regierungsarbeit.

Die Grünen haben sich bereits im Wahlkampf festgelegt: Der Verbleib in der Koalition war eines der beiden Wahlziele von Parteichefin und Vizebürgermeisterin  Hebein.

Das andere – nämlich das historisch beste Wahlergebnis auf Wiener Ebene zu erreichen – hat sie knapp geschafft (14,8 Prozent der Stimmen waren es letztendlich) .

Drei grüne Sondierer

Im Feilschen um eine Koalition gelten die Neos als größter Konkurrent der Grünen: Die SPÖ hat gestern, Montag, mit den Pinken sondiert. Über die Inhalte wurde Vertraulichkeit vereinbart.

Nach dem Treffen sprachen beide Seiten aber von „sehr guten, konstruktiven Gesprächen“ und einer "intensiven Arbeitssitzung".

Hebein wurde am Dienstag vom grünen Klubchef und Bildungssprecher David Ellensohn (der Rot-Grün I und II ausgedealt hat) sowie von Planungssprecher Peter Kraus zum Erstgespräch ins Bürgermeister-Büro begleitet.

Dreieinviertel Stunden

Sie gehe mit Zuversicht in den Termin, sagte Hebein vor dem Aufeinandertreffen um 16 Uhr vor Journalisten. Als Argumente für Rot-Grün III führte sie Erfahrung, aber auch „Offenheit für Neues“ ins Treffen: „Wer, wenn nicht Rot-Grün, schafft die Gesundheits-, Arbeitsmarkt- und Klimakrise“. 

Als Gastgeber hatte sich Ludwig – mit seinen Co-Sondierern Landesparteisekretärin Barbara Novak und Klubobmann Josef Taucher – wieder ins Zeug gelegt: Wurden die Pinken am Montag  mit Punschkrapferln bedacht, servierte man den Grünen Süßes aus einer veganen Bio-Bäckerei sowie Green Smoothies.

Hebein und ihre Kollegen wollten sich offenbar nicht nachsagen lassen, schlechte Gäste zu sein: Die Vizebürgermeisterin brachte ein Körbchen mit je zwei Flaschen „Michl“- und „Birgit“-Bier zu dem Treffen mit.

Die Verpflegung war auch nötig: Rund dreieinviertel Stunden hat das Aufeinandertreffen letztlich gedauert - es war damit etwa 15 Minuten kürzer als jenes am Montag mit den Neos. Hebein gab sich im Anschluss recht zuversichtlich, was eine Neuauflage der rot-grünen Koalition anbelangt.

"Ludwig-Hebein ist spürbar"

SPÖ und Grüne seien motiviert, für die Stadt zu arbeiten, sagte sie: „Man spürt die Kraft. Rot-Grün mit Ludwig-Hebein ist spürbar“.

Die Parteichefin sprach Weiters noch von einem „konstruktiven Gespräch untereinander, aber auch für Wien“. Näheres ließ sie sich nicht entlocken. Man habe Stillschweigen über alles Inhaltliche vereinbart.

Bürgermeister Ludwig äußerte sich auf Facebook. "Das heutige Sondierungsgespräch verlief in sehr sachlicher und vertrauter Atmosphäre", ließ er wissen.

Druck auf Grünen-Chefin

Sollten auf die Sondierungsgespräche echte Koalitionsverhandlungen folgen, dann wird das grüne Verhandlerteam übrigens erweitert. Mit dabei wären dann auch Budgetsprecher Martin Margulies. Er gehört wie Hebein und Ellensohn zum linken Parteiflügel.

Hinzu kommen außerdem Vize-Klubchefin Jennifer Kickert, die – wie Kraus – zum Realo-Lager zählt, und Arbeitsmarkt-Expertin Judith Pühringer.

Nicht nur für die Partei, sondern auch für Hebein geht es bei den Gesprächen um viel: Wenn Hebein scheitert, wird es für sie parteiintern wohl schwierig.

Am Mittwoch trifft Ludwig den ÖVP-Landesparteichef Gernot Blümel mit seinem Team zu Sondierungen (siehe Artikel unten).

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