Chronik | Wien
20.02.2018

Wien und der Streit um Hochhäuser: Danube Flats bleiben zunächst Luftschloss

Erste Beschwerde gegen Baubescheid für Danube Flats liegt vor. Experte erklärt Aufregung um derartige Hochhaus-Projekte.

Eigentlich sollten sie seit zwei Jahren neben der Reichsbrücke in den Himmel ragen: Die Danube Flats – eines von mehreren, zum Teil heftig umstrittenen Hochhaus-Projekten in der Stadt. Mittlerweile hält der Bauherr, ein Konsortium aus der S+B Gruppe und der Soravia Group, einen Baubescheid in den Händen. Doch das bedeutet nicht, dass am Standort des ehemaligen Cineplexx-Centers bald die Baumaschinen auffahren, um rund 660 Wohnungen aus dem Boden zu stampfen.

Denn wie die Baupolizei (MA 37) mitteilt, liegt bereits eine Beschwerde gegen den Bescheid vor. Und diese schiebt den Baustart auf – bis das Verwaltungsgericht als zweite Instanz ein Urteil spricht. In Anbetracht der Geschichte des Projekts ist davon auszugehen, dass noch weitere Parteien von dieser Möglichkeit Gebrauch machen. Denn allen voran die Bewohner des benachbarten Seidler-Towers fürchten seit der Präsentation des Vorhabens im Jahr 2012 eine Verschlechterung ihrer Lebensqualität durch den 167 Meter hohen Wohnturm und haben dagegen mobilisiert.

Politische Unterstützung kam von der FPÖ, die der Stadtregierung eine Flächenwidmung auf Wunsch vorwarf. Letzteres bestätigte im Vorjahr die Volksanwaltschaft. Nichtsdestotrotz beschloss der Gemeinderat 2015 die Hochhaus-Widmung. Im Gegenzug verpflichtete die Stadt das Konsortium zur Schaffung von sozialer Infrastruktur und von Sozialwohnungen.

Mitte 2016 – also in jenem Jahr, für das die Fertigstellung angesetzt war – wurden die Danube Flats bei der Baubehörde eingereicht, sagt eine Soravia-Sprecherin. Umfangreiche Untersuchungen und Abstimmungen mit den vorhandenen Bauwerken – wie Autobahn, Reichsbrücke und Seidler-Tower – seien für den Verzug verantwortlich. Laut Baupolizei zogen Einwendungen und Gutachten zu den Windverhältnissen das Bauverfahren in die Länge.

Aufreger Hochhaus

Ähnliche Diskussionen wie bei den Danube Flats begleiten auch andere Hochhaus-Projekte in Wien – allen voran den Wohnturm am Heumarkt. Im neunten Bezirk versetzt indes ein bis zu 126 Meter hohes Gebäude am Althanquartier die Anrainer in helle Aufregung. Ein weiteres Konfliktfeld tut sich im Nordbahnviertel auf, wo anstelle von acht Türmen nun nur sechs, dafür aber höhere entstehen sollen.

Aus Sicht von Christoph Luchsinger vom Institut für Städtebau an der TU Wien ist diese Polarisierung mit zwei Aspekten erklärbar: Der guten Sichtbarkeit von Hochhäusern im Stadtbild und der Vorstellung, dass sie "Geldmaschinen" für Investoren sind. Dieses Bild treffe vor allem auf Büro-Türme zu – die als reine Anlageobjekte dienen, sagt Luchsinger. Wohn-Hochhäuser seien hingegen sehr teuer und das Korsett, in dem sich Investoren bewegen, eng – nicht zuletzt wegen Auflagen von der Politik. "Das Hochhauskonzept der Stadt legt fest, dass Immobilienentwickler für die Aufzonung einen Gegenwert leisten müssen", erklärt Luchsinger. Ein Beispiel dafür ist ein bestimmter Anteil sozial gebundener Wohnungen.

Eine zentrale Frage in den Debatten sei zudem, wie groß die Basis des Widerstands sei. "Wenn wir eine Volksbefragung unter allen Stadtbewohnern über die Wahrnehmung der Höhenentwicklung in Wien machen würden, wüsste ich nicht, was dabei herauskommt", sagt Luchsinger. Von einem ist er aber überzeugt: Ein probates Mittel gegen die Wohnungsknappheit sind Hochhäuser nicht. "Die Flächenentwicklung unter 35 Metern (Marke für Hochhäuser) ist wesentlich effizienter für die Bereitstellung von Wohnraum."