U-Bahn-Kostensteigerung: Bund steht auf der Bremse

Um die Aufteilung der 300 Millionen Euro an Mehrkosten wird in Wien gefeilscht.
Tunneldurchschlag Tunnelvortriebsmaschine

Im Wiener U-Bahn-Bau klafft ein gewaltiges Loch: Gemeint sind nicht die neuen U2- und U5-Tunnel der aktuellen Ausbaustufe, sondern das im Zuge der Bauarbeiten aufgetauchte Budget-Loch aufgrund deutlicher Mehrkosten. 300 Millionen Euro „tief“ ist dieses laut aktuellem Stand, weshalb die Stadt Wien den Bund um Hilfe ersucht hat, dieses gemeinsam zu stopfen. Doch die bekanntlich selbst in Finanznöten befindliche Republik ziert sich.

Konkret geht es um das U2xU5-Linienkreuz mit der U2-Südverlängerung zum Matzleinsdorfer Platz und dem U5-Mini-Ast vom Rathaus bis zum Frankhplatz. Nach diversen bautechnischen Schwierigkeiten und Sparnöten sollen beide Strecken erst 2030 in Betrieb gehen (der KURIER berichtete). Die Kosten für das Großprojekt wurden 2022 mit dem Bund in einer sogenannten 15a-Vereinbarung abgesteckt: 2,019 Milliarden Euro sollen investiert werden – wobei an der traditionellen 50:50-Finanzierung festgehalten wird.

Und noch etwas wurde festgehalten: Liegt der Baupreis-Index in drei aufeinanderfolgenden Jahren über 2,5 Prozent, wird nachverhandelt: Im sogenannten Lenkungsausschuss – beschickt mit Vertretern der Stadt, des Verkehrs- und Finanzministeriums – soll dann eine Lösung gefunden werden. Im Zuge der Inflationskrise trat dieser Fall dann tatsächlich auch ein.

Als der KURIER im Herbst 2025 über die bevorstehenden Verschiebungen im U-Bahn-Ausbau berichtete, verkündete SP-Verkehrsstadträtin Ulli Sima, dass die Gespräche nun beginnen sollen – das, nachdem sich Türkis-Grün dazu nicht verhandlungsbereit gezeigt habe.

„So nicht spielen“

Über den Stand der Gespräche herrscht derzeit auf allen Seiten Stillschweigen. Laut Wiener Linien gebe es unter den Mitgliedern des Lenkungsausschusses aber Konsens darüber, dass die Bedingungen „für Verhandlungen zur Frage der Risiko- und Kostentragung erfüllt sind“. Und auch die Größenordnung ist festgezurrt: Die Wiener Linien führen „rund 300 Mio. € inflationsbedingten Mehrfinanzierungsbedarf“ an.

Damit wäre es ja relativ einfach, sich zu einigen: Macht man wie gehabt Halbe-Halbe, steuert der Bund 150 Millionen Euro bei. Doch das werde es „so sicher nicht spielen“, heißt es dazu aus Finanzkreisen. Auch von anderer Stelle ist hören, dass die Basis nicht die 300 Millionen sein können, sondern nur alles, „das wirklich der Inflation geschuldet ist“.

Alle Posten, die im eigenen Verantwortungsbereich liegen – Stichwort Bauverzögerungen, Hochwasser, Probleme mit der U2-Stammstrecke – seien vollständig selbst zu tragen. Außerdem wird angeführt, dass im 2-Milliarden-Paket ja schon Risikozuschläge in Höhe von zehn Prozent enthalten seien (und diese nicht ausgereicht hätten). Und: Mit der Verschiebung der neuen U5 von 2026 auf 2030 müssten auch die geplanten fünf fahrerlosen Züge (noch) nicht angekauft werden – weshalb Spielraum auf Wiener Seite wäre.

Teil des neuen Budgets

Allerdings ist für die Stadt von Vorteil, dass auf der anderen Seite des Tisches mit Vertretern von Peter Hanke (Verkehr) und Markus Marterbauer (Finanz) lauter Sozialdemokraten sitzen.

Da die U-Bahn-Causa auch Teil der „laufenden Budgetverhandlungen“ sei, werde diese „nicht kommentiert“, heißt es dazu aus dem Marterbauer-Büro. Kein Geheimnis ist freilich, dass auch der Bund nichts (mehr) zu verschenken hat.

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