Gab es schon Schildkröten im Wiener Stadtpark?

Bis Ende der 1990er-Jahre gab es Pfaue im Stadtpark, das steht fest. Gab es aber auch Schildkröten?
Anna Perazzolo
Eine Landschildkröte sitzt im Gras und frisst einen Halm.

Eigentlich war der Vorschlag ein Scherz. Schildkröten im Stadtpark, wieso sollte man das wirklich fordern? Aus dem Scherz wurde aber bitterer Ernst. Als Antwort auf diese Kolumne kamen zahlreiche Mails von Leserinnen und Lesern, die dem Stadtpark der 50er-Jahre ein gewisses Tiergarten-Flair attestieren. Neben einem Pfauenpaar (dessen Verschwinden bereits beleuchtet wurde) habe es Flamingos, Pelikane Schafe, Hasen und – ja – Schildkröten gegeben. Es ist sogar von einem Terrarium die Rede. Aber stimmt das?

Auf der Suche nach der Antwort geht es zurück zum Anfang, sprich: den Wiener Stadtgärten (MA 42). Auf Anfrage wird erklärt, dass nicht bekannt sei, „dass im Stadtpark verschiedene Tierarten im Sinne einer gezielten Haltung gelebt haben“. Sollte es sich dabei aber um „einen sehr weit zurückliegenden Zeitraum handeln, sind dazu keine näheren Angaben möglich“, heißt es. Ob die 50er ein „sehr weit zurückliegender Zeitraum“ sind, ist wohl Definitionssache. Aber wie dem auch sei: Eine Bestätigung für die Existenz der Schildkröten gibt es von den Stadtgärten nicht.

Mehrere Wochen bis Monate Recherche

Das Stadt- und Landesarchiv dagegen bietet mehrere Lektürevorschläge und eine Recherche im Archiv an. Allerdings, so der Sprecher, würden derartige Forschungsvorhaben „mehrere Wochen bis Monate“ in Anspruch nehmen. Auch das ist wohl Definitionssache, aber im Tagezeitungsalltag ist das viel Zeit.

Da bleibt nur die Recherche in alten Zeitungen. Dass es Schafe im Stadtpark gegeben hat, lässt sich schnell bestätigen. Sogar ein Bild von Flamingos (Jahr 1966) gibt es im KURIER-Archiv. Die Schildkröten aber verstecken sich besser. Erst ANNO, der virtuelle Lesesaal der Nationalbibliothek, gibt einschlägige Treffer her. Von dreißig Schildkröten in einem Terrarium ist in der „Arbeiterzeitung“ die Rede. „Neues Österreich“ berichtet außerdem von einer Voliere (Jahr 1955). Ihre Erinnerungen, liebe Leserinnen und Leser sind also akkurat – auch wenn es sich dabei um einen „sehr weit zurückliegenden Zeitraum“ handeln sollte. Das ist aber Definitionssache.

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