Wiener G'schichten: Ein Königreich für zwei Pfauen
Ich habe mich kürzlich bei einem erschreckenden Gedanken erwischt. Es geschah bei einem Spaziergang im Stadtpark. Auf Höhe der nicht enden wollenden Baustelle des Kursalons Hübner hab’ ich mir dieses gedankliche Hoppala eingetreten wie Kaugummi: „Früher war alles besser.“ Oje, dachte ich erschrocken vor dem verwahrlosten Pavillon, auf dem einmal Streichorchester spielten. Ich bin doch nicht auch so eine, oder? Aber der grausige Gedanke ist picken geblieben.
Natürlich ist diese Aussage stumpfsinnig, wenn man die Dinge rational betrachtet ... aber ... für eine bestimmte Zeitzone und in meinem Stadtpark hätte sie wahrer nicht sein können. Mit diesem früher ist Kindheit gemeint – bevor Schicksal die Sorglosigkeit trübt. Die Zeit habe ich mit meiner Schwester und unserer Uroma, Nonna genannt, bei Wind und Wetter im Stadtpark verbracht. Diese 6,5 Hektar große Grünfläche mitten in Wien war meine Welt. Und mit all den Gerüchten über Heroin-Spritzen in der Sandkiste (ja, die Gerüchte gab es oft und nein, ich habe nie eine gefunden) war sie perfekt. Denn sie hatte eine Königin und zwei Pfauen.
Das Nonna-Regiment
Meine Nonna war diese Königin. Mit eingedrehten Locken und beigem Trenchcoat hat sie Park und Spielplatz matriarchal regiert. Mit erhobenem elfenbeinverzierten Gehstock wurden zu lange besetzte Schaukeln und Parkbänke frei gemacht. Wie es ihr gebührte, wurde die vom Spazieren mit den Ur-Enkelinnen müde Königin nicht nur einmal von den befreundeten Stadtgärtnern mit dem Gartenwagen zum Ausgang chauffiert. Der Höhepunkt aber war immer der Stopp bei den Pfauen, die bis Ende der 1990er-Jahre hier lebten. Erinnern Sie sich? Ein Stampfen mit Nonnas Gehstock und sie schlugen ein Rad für sie – und uns.
Und dann waren sie plötzlich weg. Zuerst die Pfauen und dann meine Nonna. Früher war doch einiges besser. Können wir uns nicht ein paar wenige Dinge aus diesem früher behalten? Etwa die Pfauen im Stadtpark?
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