Neues Zentrum in Wien bringt Präzisionsmedizin ans Krankenbett
Das "Center for Translational Medicine" am MedUni Campus AKH wurde fertiggestellt.
Es ist ein Ansatz, der rapide Fortschritte verspricht: die Präzisionsmedizin, also die Entwicklung von personalisierten, auf den Patienten abgestimmte Therapien. Was im Labor oder in einer Studie entdeckt wird, soll so rasch wie möglich am Krankenbett nebenan angewendet werden können – alles unter einem Dach.
Die Übersetzung von neuen Erkenntnissen in konkrete Anwendungen in Kliniken ist auch die Vision des neuen „Center of Translational Medicine“, kurz CTM. Das Forschungszentrum wurde nach drei Jahren Bauzeit am Standort von AKH und Medizinischer Universität Wien fertiggestellt.
Investiert wurden in den Bau von der Stadt Wien und dem Bund 120 Millionen Euro, die laut AKH-Direktor Herwig Wetzlinger nicht nur eingehalten, sondern leicht unterschritten werden.
Das CTM umfasst rund 14.000 Quadratmeter Nutzfläche und eine hochmoderne Infrastruktur, um neue Therapien und Arzneimittel zu entwickeln und klinisch zu testen. Neben Forschungsgruppen gibt es Laborflächen, eine Biobank, Einrichtungen für Bioinformatik und präklinische Forschung sowie einen Hörsaal. In den kommenden Monaten werden die Abteilungen bezogen und ab 1. Oktober in Betrieb gehen.
Patienten-Avatare
Einer, der hier einzieht, ist Krebsforscher Walter Berger. Die Anwendungen, die er beschreibt, klingen für Laien absolut fantastisch: Individuelle Zelltherapien oder das Anzüchten sogenannter Organoide, um Therapien an Patienten-Avataren zu entwickeln, wenn alte Therapien nicht mehr anschlagen, wie bei wiederkehrenden Hirntumoren bei Kleinkindern.
Dafür werden Tumorzellen in Brutschränken am Leben gehalten. Aus Stammzellen lässt man dreidimensionale hirnartige Strukturen wachsen, in denen auch der Krebs wieder wachsen darf, um Therapien auszutesten.
Ich darf Ihnen sagen: Es funktioniert, wir leben in dieser Revolution.
Krebsforscher
„Sollte der Krebs beim Patienten wiederkommen, wissen wir schon, wie wir wahrscheinlich helfen können“, erklärt Berger. „Heute mangelt es bei sehr vielen leider am Glauben an den Fortschritten der Präzisionsmedizin. Ich darf Ihnen sagen: Es funktioniert, wir leben in dieser Revolution.“
Revolutionäre Fortschritte erwartet er auch bei der Anwendung Künstlicher Intelligenz (KI): „Wir wollen hier ganz besonders ein Teil davon sein.“
Medizin für alle, statt einem Privatspital
Als Zäsur, Meilenstein und keine Selbstverständlichkeit bezeichnet Markus Müller, Rektor der MedUni Wien, das Zentrum. Denn eigentlich sei hier einst ein Privatspital geplant gewesen.
Dass vom Zentrum stattdessen künftig die gesamte Bevölkerung profitieren werde, unterstreichen auch Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner und Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (beide SPÖ). „Das Zentrum ist ein gutes Beispiel, wie Bund und Stadt gemeinsam Dinge vorantreiben; wo man keine ewig lange Diskussion über Zuständigkeiten geführt hat. Letztlich ist es eine Frage des politischen Wollens. Wir wollen die beste medizinische Versorgung für unsere Bevölkerung.“
Davon ist auch Berger überzeugt: „Diese Medizin wird tatsächlich der gesamten Bevölkerung zugänglich gemacht und nicht nur den Eliten.“
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