Wien will KI-Metropole werden und errichtet Zentrum in Neu Marx
2024 war es wie ein Paukenschlag in der Welt der Wissenschaft. Wien erhielt den Zuschlag von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Boehringer-Ingelheim-Stiftung für ein Institut für Künstliche Intelligenz und Biomedizin.
Die Stiftung fördert die Gründung und den Betrieb mit 150 Millionen Euro in den ersten zwölf Jahren, die größte private Forschungsförderung, die es in Österreich je gab.
Das „Aithyra“ genannte Institut ist aber nur der Anfang, wie die rot-pinke Stadtregierung heute bekannt gab. In Neu Marx soll auf 14.000 m² das „Life Science Center Vienna“ von der Wirtschaftsagentur Wien errichtet werden - mit dem Fokus auf Innovation und KI. Besonders im Fokus stehen soll dabei die Gesundheit der Menschen.
Erster Schlüsselmieter ist darum eben „Aithyra“ selbst. Dort setzt man auf KI-gestützte Forschungsansätze, mit dem Ziel, Erkrankungen besser zu verstehen, schnellere und zuverlässigere Diagnosen zu ermöglichen und neue Therapien voranzutreiben; vor allem auch für bisher unheilbare Krankheiten, unter anderem Krebs.
Das Institut wird 7.000 Quadratmeter und damit 50 Prozent der Fläche belegen und soll 2029 dort einziehen. Die Stadt Wien gab bekannt, dass sie „Aithyra“ unterstützen werde, indem sie ein Drittel der Miete unternimmt.
Motto: "Starke Wirtschaft. Stakes Wien"
Das „Life Science Center Vienna“ soll damit das große Leuchtturmprojekt der aktuellen Regierungsperiode sein. Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) hat gemeinsam mit den Vizebürgermeisterinnen Bettina Emmerling (Neos) und Kathrin Gaál sowie Wirtschaftsstadträtin Barbara Novak (beide SPÖ) die Parole für die kommenden Jahre ausgegeben: „Starke Wirtschaft. Starkes Wien.“
SPÖ und Neos versuchen also den selbst auferlegten Namen „Aufschwungskoalition“ auch mit Leben zu erfüllen. Investieren muss die Stadtregierung trotz Sparkurs, auch um „das zarte Konjunkturpflänzchen nicht abzuwürgen“, wie es Ludwig ausdrückte.
Mit dem neuen „Life Science Center Vienna“ will man im Wettbewerb um Talente, Innovation und Investitionen führend werden und sich als Life-Science- und KI-Metropole Europas etablieren, wie es hieß.
Visualisierung des geplanten Life Science Center Vienna in Neu Marx mit moderner Glasfassade und begrüntem Außenbereich.
Die Fokussierung auf diese Branche erklärt sich durch die Zahlen. Der Life-Sciences-Sektor wächst seit Jahren. Der Jahresumsatz stieg zuletzt um 22 Prozent auf rund 22,7 Milliarden Euro. Mehr als 49.000 Beschäftigte arbeiten in Wien im Life-Science-Sektor.
Arbeitsplätze in der Baubranche
Das nun angekündigte Projekt stärke „nicht nur den Forschungs- und Innovationsstandort Neu Marx, sondern schafft nachhaltige Wertschöpfung und sichert Arbeitsplätze – von der Bauwirtschaft bis hin zu hochqualifizierten Jobs in Forschung, Technologie und künstlicher Intelligenz“, sagt Novak. Sie rechnet nach Fertigstellung mit einer jährlichen Wertschöpfung von 90 Mio. Euro.
Allein durch die Bautätigkeit sollen rund 1.000 Arbeitsplätze in der Baubranche gesichert werden. In das Projekt investiert die Stadt Wien rund 170 Millionen Euro. Alle Infos zum Projekt: www.lifesciencecentervienna.at
Zwei neue Stadtentwicklungsgebiete
Angekündigt wurden auch zwei neue Stadtentwicklungsgebiete, deren Entwicklung heuer starten soll: Ein Gebiet in Simmering (Gasometer-Vorfeld) sowie in der Donaustadt (Wagramer Straße). Hier sollen 650 zusätzliche geförderte Wohnungen geschaffen werden.
Geplant sind gemeinsame Konzepte über mehrere Baugründe hinweg, mit Schwerpunkten wie Wohnmodelle für Alleinerziehende oder generationenübergreifendes Wohnen.
Parallel dazu baut Wien sein Stadterneuerungsprogramm WieNEU+ aus. Damit sollen Grätzel wiederbelebt werden, der Fokus liegt auf der Belebung von Erdgeschosszonen. Als neues Zielgebiet wurde der Bereich rund um den Schlingermarkt in Floridsdorf verlautbart.
6 Millionen Euro für Medienförderung
Massiv wird auch die Medienförderung aufgestockt: Ludwig hatte bereits im Herbst angekündigt, dass die Wiener Medieninitiative im März 2026 mit 600.000 Euro weitergeführt wird. Am Freitag gab er bekannt, dass die Initiative mit 6 Millionen Euro ausgestattet wird.
Verkündet wurde außerdem ein neuer Tourismusrekord von über 20 Millionen Nächtigungen (plus sechs Prozent zum Vorjahr). Eine finale Bilanz inklusive Dezember gibt es zwar noch nicht, bis November setzte der Sektor laut Novak jedoch 1,25 Milliarden Euro um.
Projekte sind für Opposition "heiße Luft"
Wenig beeindruckt zeigte sich die Opposition von den Plänen: Als „heiße Luft“ bezeichneten sowohl die Grünen als auch die ÖVP die Klausurergebnisse. Erstere kritisierten, Rot-Pink schwäche durch ihre Kürzungspolitik und Gebührenerhöhung Wirtschaft und Bevölkerung.
„Das ist mehr als nur enttäuschend für alle Leistungsträger in unserer Stadt“, kommentierte ÖVP-Obmann Markus Figl. FPÖ-Chef Dominik Nepp warf der Stadt Schönfärberei von Zahlen vor und forderte einen Kurswechsel.
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