Hype um "Pescobar": Lohnt sich der Oktopus-Döner wirklich?
Gründer Paul Nicolau baut sein Franchise "Pescobar" am deutschen Markt aus. Auch in Wien hat die erste Filiale eröffnet.
Wer nicht Ferhat heißt, erregt mit der Eröffnung eines Dönerlokals in der Regel keine Aufmerksamkeit, nicht in Wien und schon gar nicht in Favoriten. Der „Pescobar“ auf der Favoritenstraße 118 gelingt aber genau das durch den Oktopus-Döner.
Es ist der erste Ableger der rumänischen Restaurantkette von Gründer Paul Nicolau in Österreich, ein zweiter Standort steht in der ehemaligen Schwing Kitchen-Filiale im 1. Bezirk am Universitätsring 10 bereits vor der Eröffnung. Auch in London, Brüssel und Karlsruhe sorgten die ersten Filialen 2025 für Aufsehen und einen medialen Hype.
Aushängeschild ist der Tintenfisch, geworben wird mit Meeresfrüchten zu besonders günstigen Preisen und einem Schildkröten-Maskottchen, das beim Lokalbesuch jedoch nicht in Sicht ist. Es ist später Nachmittag und der Gastgarten voll, auch beim Take-away-Schalter geht ein Oktopus-Kebab (14 Euro) nach dem anderen weg.
Das Lokal im Domenig-Haus hat 300 Sitzplätze, im Gastgarten sind es noch einmal 80.
Laut Kellner ist es eines der meistverkauften Gerichte, besonders beliebt seien aber auch die Meeresfrüchte-Platten um 120 bzw. 159 Euro inklusive Getränke für vier bis sechs Personen. Die Betreiber rechnen ganz offenbar mit einer enormen Nachfrage nach dem Tintenfisch-Kebab. Das Lokal ist riesig, auf vier Stockwerken verteilen sich 300 Sitzplätze.
Gefroren und aufgetaut
Die Weichtiere importiert man nach eigenen Angaben aus Fanggebieten in Mauretanien, Marokko und dem Senegal. Auf schriftliche Nachfrage, wo und von wem die Spieße genau produziert und geliefert werden, antwortet man ausweichend, es sollen jedenfalls „spezialisierte Produzenten“ sein.
Zubereitung beziehungsweise durchgebraten wird der Pulpo am Dönerspieß nicht, sondern der gefrorene Spieß dort aufgetaut. Fertig gebraten wird das Fleisch auf einer Grillplatte kurz mit Gewürzen, bevor es mit Salat, Tomate, Gurke und Aioli ins Brot kommt.
Ihren ersten Oktopus-Kebab haben zwei Freundinnen probiert. Ihr Fazit fällt positiv aus, man werde bestimmt wiederkommen. Zufrieden ist auch Sorina P, die jedoch den gegrillten Oktopus im Brot geordert hat. Der sei schön weich und saftiger als der Pulpo vom Döner-Spieß gewesen, den ihr Mann probiert hat.
Licht und Schatten
Das bewahrheitet sich auch beim späteren Selbsttest. Der Oktopus ist tatsächlich kein Stück zäh – hat aber auch keinen Biss. Dasselbe gilt für die drei gegrillten Tintenfischarme für 27 Euro. Das Fleisch ist zu weich, fast schon matschig. Beschweren kann man sich bei den Preisen nicht wirklich, zufrieden fühlt man sich nach dem Essen aber auch nicht.
Was das Ambiente angeht: Von der Decke hängen reichlich Plastikpflanzen, die Housemusik ist störend und der Geruch nach altem Fett gegen Ende des Abends recht stark. Wer mit zu hohen Ansprüchen kommt, wird enttäuscht sein. Aber wer mit Vorbehalten kommt, wird positiv überrascht.
Ausdrücklich empfehlen kann man den Besuch nicht, auch weil die Werbung des Lokals für Garnelen, Calamari, Muscheln, Hummer und Oktopus zu Kampfpreisen angesichts überfischter Meere und der Zerstörung des Meeresbodens durch riesige, tonnenschwere Schleppnetze einen schlechten Beigeschmack hat. Doch das muss jeder mit sich selbst ausmachen.
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