Rekord beim Online-Shopping: Wiener geben so viel Geld aus wie noch nie
Der Onlinehandel ist gekommen, um zu bleiben. Diese – wenig überraschende – Erkenntnis bringt eine jüngst durchgeführte Studie des Instituts für Österreichs Wirtschaft (iföw). Und der Umsatz in diesem Segment steigt weiter.
Im Jahr 2025 haben die Wiener 2,3 Millionen Euro online ausgegeben. Das ist der höchste Wert bisher – eine Steigerung von 17 Prozent im Vergleich zum Jahr 2024. Ähnlich hoch waren die Ausgaben nur im Jahr 2021 – Corona-getrieben landeten 2,225 Millionen Euro bei diversen Online-Händlern.
Umsätze steigen auch im stationären Handel
Allerdings – und das ist dann doch eine gute Nachricht für den stationären Handel – steigen die Umsätze auch dort. Denn der Online-Ausgabenrekord von 2,3 Millionen Euro macht nur 12 Prozent der Gesamtausgaben der Wienerinnen und Wiener im Handel aus. Dieser Anteil ist zwar von 10,4 auf eben 12 Prozent gestiegen, der Anteil am Gesamtumsatz ist allerdings noch geringer als etwa 2020 (13,2 Prozent) und 2021 (13,6 Prozent).
Diese Zahlen stimmen auch Margarete Gumprecht, Obfrau der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Wien, optimistisch: „Der stationäre Handel bleibt stark, vor allem dort, wo Beratung, Vertrauen und ein persönliches Einkaufserlebnis gefragt sind.“
„Sinnvolle Ergänzung“
Nichtsdestotrotz hätten viele Wiener Handelsbetriebe in den vergangenen Jahren in Digitalisierung, Webshops und moderne Vertriebskanäle investiert, weiß Gumprecht: „Für viele Betriebe ist der Online-Handel kein Gegenmodell zum stationären Geschäft, sondern eine sinnvolle Ergänzung – vom Geschäftslokal im Grätzel über den eigenen Webshop bis zu Click & Collect und Zustellung.“
Bekleidung auf Nummer 1
Darüber hinaus ergibt die Analyse der Daten des Vorjahres ein weiteres Bild: Je nach Branche fällt das Online-Einkaufsverhalten unterschiedlich aus. Spitzenreiter im Internet sind demnach Bekleidung und Schuhe (46 Prozent), Bücher und Zeitungen (24 Prozent), Möbel und Gartenartikel (22 Prozent) sowie Kosmetik (22 Prozent).
Dahinter erst folgen Sportartikel (18 Prozent), Computer und Mobiltelefone (15 Prozent), Spielzeug (15 Prozent) sowie Unterhaltungselektronik (13 Prozent). Österreichweit weist Wien zudem den höchsten Anteil bei Online-Bestellungen von Lebensmitteln auf (19 Prozent), analysiert die Wirtschaftskammer sozusagen auch ein Stadt-Land-Gefälle in diesem Bereich.
Problematischer ist aber ein anderes Detail aus der Studie – und zwar für den Wirtschaftsstandort Österreich. Denn die Studie zeigt auch, dass sich das Wachstum im Online-Handel zunehmend zugunsten internationaler Plattformen verschiebt. Gumprecht betont: „Nur noch 35 Prozent der Online-Ausgaben entfallen auf österreichische Online-Händlerinnen und -Händler, während bereits 65 Prozent ins Ausland abfließen.“
Geld fließt ins Ausland
Der Wachstumssprung bei den Online-Ausgaben müsse deshalb differenziert betrachtet werden: „Asiatische Plattformen wie Temu, Shein und AliExpress konnten ihre Reichweite im vergangenen Jahr weiter ausbauen.“ Bereits 36 Prozent der Wienerinnen und Wiener haben bei Temu eingekauft, 25 Prozent bei Shein. Auch AliExpress legte weiter zu (17 Prozent).
Wer in Europa verkauft, muss sich auch an europäische Standards halten.
Hndels-Obfrau, Wirtschaftskammer Wien
Vor diesem Hintergrund fordert der Wiener Handel gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Anbieter, wie Gumprecht erläutert: „Wer in Europa verkauft, muss sich auch an europäische Standards halten. Umwelt-, Sicherheits-, Steuer- und Sozialstandards müssen für alle Marktteilnehmer gleichermaßen gelten.“
Der Wiener Handel unterstütze das Ziel, Wettbewerbsverzerrungen durch Billigplattformen und Drittstaatenimporte einzudämmen: Seit 1. Juli gilt ein Pauschalzoll von drei Euro pro Paket unter 150 Euro Warenwert, ab 1. November kommt zusätzlich eine EU-Bearbeitungsgebühr hinzu.
„Jeder Einkauf ist eine Entscheidung“
Entscheidend sei laut Gumprecht, dass die EU-Regeln durchgesetzt werden und internationale Anbieter ihre Wettbewerbsvorteile nicht länger zulasten heimischer Betriebe ausspielen können. Was Gumprecht noch betont: „Jeder Einkauf ist auch eine Entscheidung für den Wirtschaftsstandort. Wer bei heimischen Händlerinnen und Händlern einkauft, stärkt regionale Wertschöpfung, Arbeitsplätze und beim Einkauf vor Ort auch lebendige Einkaufsstraßen.“
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