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Verkehrswende in Wien: Stadt droht Klimaziele zu verfehlen

Dem Ziel, Autofahrten bis 2030 auf 15 Prozent zu senken, ist Wien in den letzten Jahren keinen Schritt näher gekommen. 2025 waren die Wiener sogar öfter im Pkw unterwegs.
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Besser wird’s nicht. Seit über einem Jahrzehnt bleibt die Zahl der täglichen Autofahrten in Wien nahezu gleich hoch. Das zeigt der Modal Split, eine jährliche Erhebung, die die Alltagswege der Wienerinnen und Wiener anteilsmäßig erfasst. Um die 26 Prozent hat sich der Anteil des motorisierten Individualverkehrs eingependelt.

Das erklärte Ziel der Stadt ist aber eigentlich, die Autofahrten drastisch zu senken. Das scheint Wien derzeit aber zu scheitern. Grund für diese Annahme liefern die neuesten Modal-Split-Daten: Der Anteil des motorisierten Individualverkehrs ist im Vergleich zum vergangenen Jahr leicht angestiegen (siehe Grafik unten). Von 25 Prozent im Jahr 2024 auf insgesamt 25,9 Prozent im Jahr 2025.

Modal Split in Wien

Anteil an Autofahrten beim Modal-Split in Wien.

Insgesamt deshalb, weil die Stadt Wien heuer erstmals die motorisierten Vierräder (also Autos) und die motorisierten Zweiräder (also Mopeds) getrennt voneinander ausgewiesen hat. Die Aufschlüsselung sieht folgendermaßen aus: Von den insgesamt 25,9 Prozent, die den motorisierten Individualverkehr betreffen, entfielen 24,9 Prozent auf die Autos und 1 Prozent auf Mopeds.

Zweiräder nehmen auf Straßen zu

In den vergangenen Jahren wurden die beiden Transportmittel in nur einer Kategorie erhoben. Die Begründung der MA 18 (Stadtentwicklung und Stadtplanung) für die separate Ausweisung: „Die motorisierten Zweiräder nehmen an Bedeutung zu und daher werden sie ab nun gesondert erfasst.“

Ebenfalls neu ist, dass in der heurigen Auswertung des Modal Split erstmals die Kommastellen publiziert wurden – bisher wurde immer gerundet. „Dadurch (also durch die Ausweisung der Kommastellen, Anm.) werden auch sehr kleine Veränderungen sichtbar gemacht, die bei gerundeten Werten nicht erkennbar sind“, heißt es von der MA 18.

Kommastellen und getrennte Erhebung zwischen Auto und Pkw aber hin oder her: Der motorisierte Individualverkehr ist in den vergangenen Jahren nahezu gleich hoch geblieben, 2025 sogar leicht angestiegen. Die Stadt entfernt sich also von ihren Zielen. Nämlich einem Autoanteil von nur noch 15 Prozent im Jahr 2030 und einem Autoanteil von unter 15 Prozent im Jahr 2050. (Eine genauere Zielvorgabe für das Jahr 2050 gibt es übrigens nicht. Nur eben unter 15 Prozent.)

Ziel „außer Kraft gesetzt“ 

Ein erstes Zwischenziel hat der Gemeinderat schon 2019 bei der ersten Überarbeitung der Smart-City-Strategie „durch neue Beschlüsse außer Kraft gesetzt“, berichtet die MA 18. Das Ziel wären 20 Prozent Autoanteil im Jahr 2025 gewesen. Aus heutiger Sicht weiß man: Dieses Ziel wäre deutlich verfehlt worden.

Seit der Überarbeitung der Strategie im Jahr 2019 konzentriert sich die Stadt also auf 2030. Und bleibt optimistisch: Man setzt auf die Jungen. Die Auswertung des Modal Split habe ergeben, dass die 21- bis 30-Jährigen in der Erhebungsperiode 2020–2024 nur selten Autos und Mopeds nutzen, nämlich nur 13 Prozent. 

Es ist völlig ausgeschlossen, dass das Ziel für 2030 erreicht werden kann.

von Ulrich Leth

Verkehrsforscher

Bei der Generation 40+ liege der Anteil bei 31 bis 34 Prozent. Jüngere besäßen heute auch deutlich seltener ein Auto als früher. Die MA 18 dazu: „Nachkommende Generationen prägen das Verkehrsgeschehen somit zunehmend mehr, lassen daher auch deutliche Änderungen des künftigen Modal Split erwarten.“

Drastischere Maßnahmen gefordert

Verkehrsforscher Ulrich Leth von der TU Wien ist da deutlich pessimistischer: „Es ist völlig ausgeschlossen, dass das Ziel für 2030 erreicht werden kann.“ Die Maßnahmen, die in den vergangenen Jahren gesetzt worden sind, seien „deutlich zu wenig, um sichtbare Veränderungen zu bewirken.“

Öffi-Ausbau, Projekte zur Verkehrsberuhigung und die Ausweitung des Parkpickerls hätten nicht gereicht, sagt Leth. Wobei Letzteres eine Gelegenheit geboten habe, die nicht genutzt worden sei: „In der Stadt sind wieder Parkplätze frei geworden, weil die Pendler weggeblieben sind. Das hatte aber die Wirkung, dass die Wiener wieder mehr im Bezirk herumfahren.“

Um die Autofahrten wirklich zu senken, brauche es viel drastischere Maßnahmen. Leth schlägt die Verkleinerung der Parkzonen vor, etwa einen 300 Meter Radius um den eigenen Wohnsitz, in dem das Parkpickerl gültig ist. Vorstellbar sei aber auch eine preisliche Staffelung des Parkpickerls: Teurer im Zentrum, billiger in den Außenbezirken. Oder die Deckelung der ausgegebenen Parkpickerl.

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Vorzeigebeispiel Argentinierstraße: So geht Radweg.  

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Vielerorts ist aber auch in Wien der Radverkehr ausbaufähig.

Solch große Eingriffe seien natürlich schwierig zu kommunizieren, sagt Leth. Allerdings: „Die Hälfte der Haushalte in Wien hat kein Auto. Die juckt das gar nicht. So gesehen könnte sich die Stadt das schon trauen, wenn sie offensichtlich den Rückhalt der Bevölkerung hat.“ Schließlich finden 87 Prozent der Wiener, dass man in Wien gut ohne Auto leben kann.

Radverkehr nimmt leicht zu

Für die Nicht-Einhaltung der selbst gesteckten Ziele gibt es übrigens keine Konsequenzen. Sollte es der Stadt also nicht gelingen, bis 2030 nur noch 15 Prozent Auto-Anteil im Modal Split zu erreichen, passiert einfach nichts. Erneut festgeschrieben wurde dieses Ziel übrigens im vergangenen Jahr im Wien-Plan 2035. „Es wäre aber auch ein ziemliches Eingeständnis gewesen, wenn man das verändert hätte“, sagt Leth.

Eine Art, die neuen Modal-Split-Zahlen „wohlwollend zu lesen“ gibt es aber auch, sagt der Experte. Der Radverkehr scheint – trotz des leichten Rückgangs – langsam aber stetig zuzunehmen. „Und ich gehe davon aus, dass er weiter steigt“, sagt Leth. Neben dem allgemeinen Trend zum Fahrrad sei das sicher auch dem Ausbau des Radnetzes zu verdanken. Vielleicht wird einiges also doch ein bisschen besser.

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