Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

"Low Traffic Grätzl" bremst Autos ein

Neue Maßnahmen sollen ab Herbst Verkehr schnell und günstiger beruhigen und Bezirke aufwerten. Meidling ist der Erste.
Eine begrünte, verkehrsberuhigte Straße mit Bäumen, Sitzbänken und Menschen, die entspannt spazieren oder sich unterhalten.

Wer bis jetzt große Hauptstraßen wie den Gürtel durch kleine Seitengassen umfahren hat, wird bis Ende des Jahres umdenken müssen, zumindest in Meidling. Rund um die Wolfganggasse plant die Stadt Wien in Kooperation mit dem Bezirk ihr erstes „Low Traffic Grätzl“  (verkehrsberuhigtes Grätzl) – ein Wohnviertel, in dem Autos zwar noch zufahren dürfen, der klassische Durchzugsverkehr aber ausgebremst werden soll.

„Wir kombinieren Verkehrsberuhigung mit der Schaffung neuer Aufenthaltsbereiche im öffentlichen Raum“, sagt SPÖ-Planungsstadträtin Ulli Sima. Statt großer Umbauten setzt die Stadt auf vergleichsweise einfache Maßnahmen: Einbahnen werden umgedreht, Kreuzungen mit sogenannten Diagonalfiltern versehen. Dabei lenken bepflanzte Sperren den Verkehr um, sodass Autos nicht mehr gerade durchs Grätzl fahren können. 

Low Traffic Grätzel Meidling

So soll der Diagonalfilter an einer Kreuzung in Meidling ausschauen.

Zusätzlich soll es Bodenbemalungen, mobile Bäume in Trögen und Sitzbänke sowie Fußgängerzonen geben. „Es funktioniert wie ein Baukasten, jeder Bezirk kann sich aussuchen, welche Elemente er haben möchte“, so Sima.

Günstiger als "Supergrätzl"

Obwohl erst vor wenigen  Wochen das erste „Supergrätzl“ in Favoriten eröffnete, ein Pilotprojekt an dem die Stadt Wien schon seit Jahren arbeitet und sich am Vorbild Barcelona orientierte,  wird jetzt doch auf das „Low Traffic Grätzl“ gesetzt. Grund dafür: das neue Modell sei günstiger und schneller errichtet. 

Für das „Supergrätzl“ rund um die Herzgasse im 10. Bezirk wurden rund 7,88 Millionen Euro ausgegeben. Das „Low Traffic Grätzl“ soll laut Sima verhältnismäßig günstiger ausfallen, da dabei keine  großen baulichen Maßnahmen getätigt werden. Außerdem spare man sich dadurch auch einiges an bürokratischem Aufwand, wie langwierige Genehmigungsverfahren. 

Für das neue Modell sieht die Stadt Wien  einen Fördertopf von 50.000 Euro pro Bezirk vor. Den Rest müssten die jeweiligen Bezirke aus ihren eigenen Taschen zahlen. Wie viel ein „Low Traffic Grätzl“ konkret kosten wird, kann man laut der Planungsstadträtin noch nicht genau sagen, da sich jeder das Grätzl selbst zusammenstellen kann. „Ein Pflanzentrog mit Wasserspender kostet zum Beispiel 5.000 Euro.“ 

Vorreiter Meidling

Abgekupfert wurde das „Low Traffic Grätzl“ von der britischen Hauptstadt London. Seit 2020 wurden in den dortigen Bezirken über 100 verkehrsberuhigte Quartiere umgesetzt. In Wien kommt das Erste in Meidling und  es soll laut SPÖ-Bezirksvorsteher Wilfried Zankl bis Ende des Jahres fertig sein. 

Ausgesucht habe man sich eine Fußgängerzone in der Wolfganggasse, zwei Diagonalfilter, neue Aufenthaltsräume und das Umdrehen von Einbahnen (siehe Grafik unten). 

Der Plan zeigt Meidling mit Einbahnstraßen, Fußgängerzonen und neuen Aufenthaltsräumen.

Das sollen die neuen Maßnahmen im "Low Traffic Grätzl" in Meidling rund um die Wolfganggasse werden.

„Ich glaube, es wird schon mehrere Hunderttausend Euro kosten, verglichen mit baulichen Änderungen ist es aber sehr günstig“, sagt Zankl. Meidling habe sich für das neue Modell bei der Stadt Wien gemeldet, weil  viele Hauptstraßen  durch den Bezirken führen und Autofahrer oft durch Wohngebiete ausweichen würden. „Und wir möchten natürlich unsere Anrainer vom Durchzugsverkehr schützen“, so Zankl. 

Mit der Umsetzung des Low Traffic Grätzl soll Ende des Sommers begonnen werden. Um Anrainer darauf vorzubereiten, soll mithilfe des Stadtservice die künftigen Veränderungen kommuniziert werden. 

Nach Meidling stehen schon drei weitere Wiener Bezirke in der Pipeline. In Mariahilf soll ein „Low Traffic Grätzl“ nördlich der Gumpendorfer Straße kommen. Am Alsergrund soll es der Bereich des neuen Med-Uni-Campus bei der Mariannengasse werden und in Rudolfsheim-Fünfhaus wird es der Schwendermarkt. Wann die Startschüsse in den drei Bezirken fallen, bleibt noch unklar.

Kommentare