Vorbild Barcelona: So sieht Wiens erstes Supergrätzl aus
Das erste Supergrätzl in Wien-Favoriten.
Viel Asphalt, Lärm und Durchzugsverkehr: Das Viertel in Innerfavoriten zwischen Gudrunstraße, Leebgasse, Quellenstraße und Neilreichgasse war eher trist. Nach zweieinhalb Jahren Bauzeit hat sich das Bild gravierend verändert: Rund um die Schule in der Herzgasse ist Wiens erstes Supergrätzl entstanden. Gekostet hat das Pilotprojekt 7,88 Millionen Euro.
Über 7.000 Quadratmeter wurden entsiegelt und begrünt, unter anderem mit 66 Bäumen, Gemeinschaftsbeeten, Wasserspielen und Nebeldüsen. Baulich fertiggestellt wurde das Areal bereits im Winter 2025, bepflanzt und aufgeblüht ist das Viertel jedoch erst jetzt.
Der Schulvorplatz in der Herzgasse vor und nach der Umgestaltung zum Supergrätzl.
Als großen Wurf bezeichnete Planungsstadträtin Uli Sima (SPÖ) die Umgestaltung bei der offiziellen Eröffnung des Supergrätzls. Gefeiert wurde die Fertigstellung am vergangenen Freitag mit einem Nachbarschaftsfest: „Wir geben das Grätzl den Bewohnerinnen und Bewohnern zurück. Alles ist bereit, um im Sommer von den Menschen in Besitz genommen zu werden“, sagte Sima.
Wien soll Barcelona ablösen
Vorbild der Umgestaltung sind die sogenannten Superblocks in Barcelona. Das Prinzip: Der Durchzugsverkehr wird umgeleitet, im Inneren gibt es eine Zone von Blocks, die vor allem Anwohnern und Radfahrern vorbehalten ist. Zukünftig werde Europa aber von Wiens Supergrätzl sprechen, und nicht mehr von Barcelona, ist Bezirkschef Marcus Franz (SPÖ) sicher.
Dass genau dieses Gebiet zum Supergrätzl gemacht wurde, hat laut Stadt gute Gründe: Das Areal ist dicht besiedelt und eine Hitzeinsel, Durchschnittseinkommen und Wohnfläche pro Person sind vergleichsweise niedrig. Gerade hier profitieren die Menschen also besonders von mehr Freiräumen in ihrem direkten Wohnumfeld.
Herzstück des Projekts ist die begrünte Fußgängerzone rund um die Mittelschule Herzgasse. Für Abkühlung durch Verdunstung sorgen Wasserspiele, Vernebelungsanlagen und eine helle Pflasterung. Niederschlagswasser kann versickern und durch die anschließende Verdunstung zur Kühlung beitragen.
Freie Fahrt auf dem Rad
Vollständig unterbunden wurde der Durchzugsverkehr mit sogenannten Diagonalfiltern an Kreuzungen. Klingt hochtechnisch, ist es aber nicht: Alte Mistkübel bzw. Betonringe der Donauinsel wurden zu Pflanzentrögen umfunktioniert. Sie sind laut Sima hübscher als herkömmliche Poller und erfüllen gleichzeitig den Zweck, Autos zurück auf die Hauptstraße zu leiten.
Geschaffen wurden dazu auch neue Einbahnstraßen. Für Fuß- und Radverkehr, die Rettung, die Feuerwehr oder die Müllabfuhr gibt es keine Einschränkungen. Zufahren bleibt weiterhin möglich, Hauseingänge und Garageneinfahrten bleiben erreichbar. Und auf fast allen Straßen ist das Radfahren gegen die Einbahn möglich.
In den Kreuzungsbereichen wurden zusätzlich 11 kleinere Aufenthaltsräume errichtet. Es gibt überdachte Sitzgelegenheiten, Bankerl und eine Art erhöhte Holzplattform, die um einen Baumstamm herum zum Ausruhen im Schatten dient.
Nicht nur, aber vor allem der Schulvorplatz ist nun sicherer, auf dem keine Autos mehr fahren, sondern zwei kleine Bachläufe plätschern. Statt schwarzem Asphalt gibt es nun eine Klinkerpflasterung in erdigen Rottönen, die an die lange Tradition der Ziegelsteinproduktion in Favoriten erinnert.
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