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Marktamt: Besucherzahlen für angeblichen Besucher-Boom gefälscht?

Wie gut laufen Wiens Märkte wirklich? Nach schweren Vorwürfen stehen gefälschte Besucherzahlen im Raum. Auslöser ist eine Wurstschneidemaschine.
Floridsdorfer Markt

Die Affäre rund um das Wiener Marktamt ist um eine Episode reicher. Nach den Vorwürfen zu Rassismus, Sexismus und Mobbing, die zum Rücktritt von MA59-Leiter Andreas Kutheil und seinem Stellvertreter und Pressesprecher Alexander Hengl führten, steht nun auch ein strafrechtlich relevanter Verdacht im Raum: die Fälschung von Unterlagen. Das berichtete die Presse am Donnerstag.

Kurios: Auslöser ist eine historische Wurstschneidemaschine, die Hengl um 25.080 Euro für das Marktamtsmuseum beim Floridsdorfer Markt (alias Schlingermarkt) ankaufte. Als der Stadtrechnungshof 2024 eine Prüfung des Museums ankündigte, sei Hengl nervös geworden, berichten Marktamt-Mitarbeiter.

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Alexander Hengl soll als Marktamtssprecher Fake-Profile betrieben haben. Nun stehen auch Vorwürfe der Urkundenfälschung im Raum.

Den teuren Ankauf hatte Hengl unter anderem mit hohen Besucherzahlen und der Notwendigkeit von Hygieneschulungen begründet.

Erfundene Zahlen und Strichlisten

Das Problem: „Es gab keine Besucherzahlen, die waren erfunden“, erklärt ein Mitarbeiter. Laut übereinstimmenden Aussagen mehrerer Beschäftigter habe Hengl deshalb Mitarbeiter angewiesen, nachträglich Strichlisten anzufertigen, um eine Besucherzählung vorzutäuschen. Hengl habe auch selbst Listen angefertigt. Diese sollen dem Stadtrechnungshof übermittelt worden sein.

Das weckt freilich auch Zweifel an den Jubelmeldungen des Marktamtes über steigende Besucherzahlen auf Wiens Märkten, die das Bild eines regelrechten Booms zeichneten und entsprechend auch medial aufgegriffen wurden.

Es gab keine Besucherzahlen, die waren erfunden.

von Marktamt-Mitarbeiter

Anonym

Fragwürdiges Wirtschaftswunder Schlingermarkt

Speziell der Schlingermarkt galt einst als verwahrlost und „tot“. 2011 sollen es nur 5.100 Besucher pro Woche gewesen sein. Nach Reformen der Marktordnung und Aufwertungsmaßnahmen verdoppelten sich die Zahlen innerhalb eines Jahres – und das gleich zweimal.

Laut einer Excel-Tabelle der Frequenzzählungen von 2008 bis 2025, die dem KURIER vorliegt, stiegen die Besucherzahlen von 5.330 (2022) auf 10.486 (2023) und nochmals auf 22.096 (2024). Der Floridsdorfer Markt ist aber kein Einzelfall, wenn auch der drastischste.

Enorme Zuwächse werden auch für den Viktor-Adler-Markt ausgewiesen: von 39.265 (2023) auf 60.455 (2024) und 86.248 (2025). Am Karmelitermarkt sind es 17.182 Besuchern (2023), dann 29.101 (2024) und später 33.245 (2025). Und auf Wiens angeblich beliebtesten Markt, den Brunnenmarkt, stieg die Zahl von 85.691 (2023) auf 101.274 (2024) und 123.544 (2025).

Schlingermarkt ist klimafit

Der Schlingermarkt in Floridsdorf galt 2018 noch als wirtschaftliches Sorgenkind.

Auch bei der Stadt Wien stehen die möglicherweise geschönten Zahlen auf dem Prüfstand, wie eine KURIER-Anfrage an das Büro von Neos-Stadträtin Bettina Emmerling zeigt. Die Interne Revision der Magistratsdirektion prüft derzeit alle laut gewordenen Vorwürfe.

Teil dessen sei auch die Echtheit der Besucherbilanzen und ob das gesamte Zählverfahren neu aufgestellt werden muss. Weitere Auskunft gibt man nicht: „Zu laufenden Erhebungen werden seitens der Magistratsdirektion der Stadt Wien keine Informationen gegeben.“

Welche Strafen drohen

Was die Anfertigung von Strichlisten betrifft: Rechtswissenschaftler Bernd-Christian Funk sieht gegenüber der Presse darin den Tatbestand der Urkundenfälschung erfüllt. Denn: Eine Urkunde sei „alles, was verschriftlicht wird“ – auch eine händisch angefertigte Strichliste. Die Konsequenz: Bei Urkundenfälschung drohe laut Funk eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe von bis zu 720 Tagessätzen.

Der Stadtrechnungshof hatte den Ankauf der historischen Wurstschneidemaschine damals auch hinterfragt. Dieser erkannte „Verbesserungspotenzial in der sparsamen, wirtschaftlichen und zweckmäßigen Umsetzung“. Auch das Argument, dass die Wurstschneidemaschine zur Weiterbildung diene, überzeugte nicht: Sinnvoller wäre eine moderne Maschine gewesen.

Wie lange die Untersuchungen in der Causa dauern werden, ist unklar. Hengl selbst war für den KURIER nicht erreichbar. Die Nummer des ehemaligen Pressesprechers wurde stillgelegt. Die Leitung der Abteilung hat vorübergehend Abteilungsleiter-Stellvertreter Christian Seiringer übernommen.

Das Marktamtmuseum eröffnete übrigens im Jahr 2012 und verzeichnete laut Homepage seither 4.000 Besucher. Geöffnet ist das Museum nur nach telefonischer Vereinbarung.

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