Chronik | Wien
23.08.2017

Wien macht die Musik für Hollywood

In den Rosenhügel-Studios spielt ein Orchester aus Wiener Musikern die Musik für einen Blockbuster ein – nicht zum ersten Mal.

Pünktlich um 9.50 Uhr müssen die Musiker auf der Synchron Stage in den Rosenhügel-Studios ihre Plätze eingenommen haben. Aber viele beginnen schon kurz nach 9.30 Uhr mit dem Einspielen ihrer Instrumente. Schließlich geht es um eine Hollywood-Produktion – und in einer solchen wirkt man als Musiker ja nicht täglich mit.

Seit Montag wird in den Rosenhügel-Studios, die seit 2016 von der "Vienna Symphonic Library" betrieben wird, die Filmmusik zu Jon Turteltaubs neuem Film MEG ( Turteltaub führte unter anderem auch bei "Cool Runnings", oder "Das Vermächtnis der Tempelritter" Regie, Anm.) eingespielt. 70 Musiker – 54 Streicher und 16 Bläser – sind drei Tage lang im Einsatz. Katarzyna Karcz spielt die Bratsche – ihre erste Produktion für das Kino ist es nicht, aber ihre größte. "Warner Bros kennt einfach jeder", sagt die 27-Jährige. "Und es wird sicher lustig, wenn wir uns den Film dann im Kino ansehen und wissen, an welchen Szenen wir mitgewirkt haben."

Preisfrage

Aber warum kommt ein Hollywood-Regisseur ausgerechnet nach Wien, um die Musik für seinen Film aufzunehmen? "Die Antwort ist – wie auf alle Fragen, bei denen man denkt, dass etwas keinen Sinn ergibt – Geld", sagt Turteltaub. Es koste weniger, die Crew nach Wien einzufliegen und sie im " Ritz-Carlton" unterzubringen, als die Musik in Los Angeles oder London aufzunehmen. Aber "natürlich" komme man auch wegen der Qualität der Musiker hierher. "Wir reden ja hier von Wien", sagt Turteltaub.

Die Vienna Synchron Stage habe sich in Hollywood bereits einen Namen gemacht: In Wien wurde auch schon die Filmmusik für "Inferno" (nach dem gleichnamigen Roman von Dan Brown) oder die Netflix-Serie "The Crown" aufgenommen. Damit sich Wien etablieren konnte, hat die Vienna Symphonic Library unter der Leitung von Herbert Tucmandl zehn Millionen Euro in die Renovierung der Studios gesteckt. Sie stammen aus dem Jahr 1923; unter dem Nazi-Regime wurde der Synchronhallenkomplex errichtet, der bis heute im Einsatz ist.

Keine Gewerkschaft

Aber die Qualität des Studios und der Musiker ist es nicht ausschließlich, warum Hollywood-Produzenten nach Wien kommen: "Die starken Gewerkschaften der Filmschaffenden und Musiker haben sich in L.A. Rechte erkämpft, die nicht mehr zeitgemäß sind", sagt Tucmandl.

So dürften in L.A. aus dreistündigen Aufnahmen nur maximal 20 Minuten Filmmusik entstehen. Würde mehr Musik in weniger Zeit eingespielt, wäre das Ausbeutung der Musiker. Außerdem würden am Film Mitwirkende in den USA oft in Anteilen am Erfolg bezahlt, in Wien werden die Musiker pro geleisteter Stunden bezahlt. Und: "In Wien haben Musiker keine Gewerkschaft", sagt Tucmandl.