Grüne Wien: Erste Bäume für umstrittenen „Grätzlmistplatz“ gefällt
Laut Wiener Grünen wurden für den Gärtzlmistplatz bereits erste Bäume gefällt.
In der Leopoldstadt gibt es seit langem Widerstand gegen den geplanten „Grätzlmistplatz“ an der Innstraße. Die Stadt will am Rande der sogenannten Freien Mitte, einem Grün- und Freiraum, einen modernen Mistplatz samt Mannschaftsunterkünften für geschätzt 40 Mio. Euro errichten.
Unter SPÖ-Bezirkschef Alexander Nikolai sprach sich der Bezirk sowie Bürgerinitiativen wiederholt einstimmig gegen den Neubau und für eine Modernisierung des Mistplatzes Zwischenbrücken in der Dresdner Straße aus. Der wurde 2020 jedoch ersatzlos geschlossen.
Am Vorgehen der Stadt gibt es vor allem seitens der Grünen immer wieder Kritik und den Vorwurf der Intransparenz. Nun sollen in Vorbereitung auf das Projekt bereits die ersten Bäume gefällt worden sein - obwohl es bisher weder eine gültige Flächenwidmung noch Baugenehmigungen gibt.
Laut Wiener Grünen wurden für den Gärtzlmistplatz bereits erste Bäume gefällt.
Laut Grünen sind die Bäume nicht im öffentlichen Baumkataster eingezeichnet: „Ob bei ihrer Entfernung alle Regeln eingehalten werden oder ob sie einfach verschwinden, können wir nicht nachvollziehen“, sagt Bernhard Seitz, Grüner Bezirksvorsteher-Stellvertreter.
„Die Stadtregierung agiert beim Mega-Mistplatz völlig intransparent. Die Chuzpe, mit der sie die Wünsche der Bewohner bei diesem Projekt ignoriert, sucht ihresgleichen“, findet Seitz. Mit den Baumfällungen wolle die Stadt Wien Tatsachen schaffen.
Viel Versiegelung und hohe Kosten
Laut dem vor elf Jahren beschlossenen Leitbild waren für das betroffene Grundstück ursprünglich Wohnhäuser und Büros angedacht. Die rot-pinke Koalition beschloss in ihrem zweiten gemeinsamen Regierungsprogramm dann jedoch den neuen „Grätzlmistplatz“. Laut Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) und MA 48 sei der alte Mistplatz zu klein und unsicher.
Veröffentlicht wurde inzwischen der Flächenwidmungsplan des Projekts, beschlossen wird er voraussichtlich im Herbst im Gemeinderat. Mit 1,2 Hektar Fläche verursache der Neubau laut Grünen eine Versiegelung größer als der Stephansplatz. Was die Kosten angeht, würde eine Modernisierung des alten Standorts einen Bruchteil kosten, so geschehen für vier Mio. Euro am Mistplatz in Stammersdorf im 21. Bezirk.
Stellungnahmen zum Flächenwidmungsplan sind ab dem 13. August online oder direkt bei der MA 21 (Stadtteilplanung und Flächenwidmung) möglich. Die Grünen rufen Bezirksbewohner nun dazu auf, die Möglichkeit zu nutzen. „Jetzt ist der Moment, Druck zu machen: Jede Stellungnahme kann dazu beitragen, diesen Planungsfehler für Jahrzehnte zu verhindern“, ruft der Grüne Planungssprecher Kilian Stark auf.
Jede einzelne Stellungnahme muss von der Stadt berücksichtigt und beantwortet werden, bevor der Gemeinderat über die Flächenwidmung entscheidet. „Wir haben uns in den letzten zehn Jahren gemeinsam mit den Bewohnern dafür eingesetzt, den alten Mistplatz auszubauen und zu modernisieren. Stattdessen wollen SPÖ und NEOS einen der größten und teuersten Mistplätze Wiens direkt an einen Park bauen – das versteht im Bezirk wirklich niemand“, ergänzt Seitz.
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