Chronik | Wien 16.01.2012

Wien: Kirche denkt über Hausverkauf nach

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In Favoriten könnten Kirchen geschlossen werden. Erstmals wird auch eine kommerzielle Nutzung nicht ausgeschlossen.

Den 15 katholischen Pfarren im Dekanat Favoriten laufen die Schäfchen davon. Lebten vor 20 Jahren noch 88.000 Katholiken im 10. Bezirk, waren es 2010 nur mehr knapp über 60.000. An einem durchschnittlichen Sonntag besuchen gerade einmal 2160 Personen die Messe. In kaum einem anderen Wiener Bezirk gibt es einen derartig starken Rückgang, der vor allem durch den Zuzug von Migranten und dem Wegziehen der einheimischen Bevölkerung verursacht wird.

Die eine oder andere Kirche in Favoriten könnte daher künftig – wie zuletzt in Neulerchenfeld – einer anderen Konfession übergeben werden oder überhaupt anderweitig genutzt werden. Welche Kirchen betroffen sein könnten und wie die Nachnutzung genau aussehen könnte, ist noch völlig offen. "Ich vertraue auf die Kreativität der Leute im Bezirk", betont Pfarrer Franz Herz, Moderator der Pfarre St. Anton von Padua.

Erstmals wird eine kommerzielle Nachnutzung von Kirchen nicht mehr völlig ausgeschlossen: "Sie ist zwar nicht geplant. Aber es gibt kein Denkverbot", sagt Pastoralamtsleiterin Veronika Prüller-Jagenteufel.

Diese Überlegungen sind Teil eines Pilotprojekts in Favoriten, das Vorbild für umfassende Reformen in der gesamten Diözese werden soll. Angesichts der sinkenden Zahl an Katholiken sind die Strukturen viel zu groß. "Die Kirche in Wien wird weiter ein flächendeckendes Pfarrnetz haben", betont Kardinal Christoph Schönborn. "Aber die Pfarren werden teilweise größer sein."

Zusammenlegungen

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Konkret für den 10. Bezirk bedeutet das: Eine Pfarre muss in Zukunft mindestens 4000 Katholiken mit Hauptwohnsitz im Pfarrgebiet haben. Derzeit unterschreiten neun der 15 Pfarren diese Grenze. "Es ist aber nicht so, dass genau diese jetzt zittern müssen", sagt Prüller-Jagenteufel. "Es ist auch denkbar, dass größere Pfarren zusammengelegt werden."

Künftig dürfen die Kosten für den Betrieb des Pfarrheims und -hofes 20 Prozent der dort erwirtschafteten Einnahmen nicht überschreiten. Die Instandhaltungsarbeiten an den Sakralbauten müssen ohne Zuschüsse der Diözese finanziert werden können.

Kirchen und andere Gebäude, die nicht nach diesen Grundsätzen erhalten werden können, werden von der Diözese in Absprache mit der Pfarre einer anderen Nutzung zugeführt.

Die Rahmenvorgaben gingen an alle Pfarren des Bezirks. Das Dekanatsteam steuert den Prozess. Ende des Jahres soll ein Endbericht vorliegen. Spätestens am 31. August 2013 soll die Neustrukturierung des Dekanats abgeschlossen sein.

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( Kurier ) Erstellt am 16.01.2012