Karlskirche und Heumarkt

© /Entwurf: I. Weinfeld u. Sebastian Murr/Rendering: Nightnurse

Panoramafotos
09/05/2017

Wien: Keine Bilder mehr aus der Luft

Eine Gesetznovelle verbietet de facto Panoramafotos aus der Adlerperspektive.

von Dominik Schreiber, Kid Möchel

Wer nach Australien, Neuseeland oder in die USA f√§hrt, sieht es. Ein modernes Hotel ohne ansprechende Fotos aus der Luft gibt es nicht mehr. Auch in Wien w√ľrde es einen entsprechenden Markt geben. "Jede zweite Anfrage bekomme ich aus Wien", sagt Andreas Tischler, der professionelle Drohnen-Fotos aus der Luft anbietet. √úber der Bundeshauptstadt sei ihm das aber verboten. "Ausnahmen bekommt man nur im √∂ffentlichen Interresse ‚Äď zum Beispiel der Hannes Jagerhofer f√ľr die heurige Beachvolleyball-WM".

Doch bisher gab es noch eine weitere M√∂glichkeit: Interessierte konnten sich von einem Hubschrauberunternehmen solche Fotos anfertigen lassen. Damit ist es allerdings seit M√§rz ebenfalls vorbei, denn da wurden die Luftverkehrsregeln ge√§ndert. Demnach sind solche Fl√ľge nur mehr m√∂glich, wenn sie "nicht dem blo√üen Privatinteresse einzelner Personen dienen". √úber Details entscheidet die Austro Control.

Prominente Kunden

Der Grazer Fotograf Peter Redl versteht mittlerweile die Welt nicht mehr, wie er sagt. F√ľnf Mal im Jahr machte er bisher in Wien Luftbilder aus einem tieffliegenden Hubschrauber heraus. Zu seinen Kunden z√§hlen laut eigenen Angaben die Entsorgungsbetriebe Simmering, die √ĖBB, die Bundesimmobilien-Gesellschaft (BIG), die Wiener Linien, sowie die Baukonzerne Strabag und Porr.

Bisher ging das so: "Ich habe den Piloten angerufen, wir haben uns am Flugplatz getroffen, haben dann einen Flugplan abgegeben und mit dem Tower den Flug koordiniert. "Das war √ľberhaupt nicht problematisch", sagt Redl. "Wenn wir dem Tower mitgeteilt haben, n√§chstes Ziel Hauptbahnhof, erhielten wir das Okay."

Einzelansuchen

Seit der Novelle der Luftverkehrsregeln darf der Flug den √∂ffentlichen Interessen nicht entgegen stehen. "Auf diese √Ąnderung beziehen sich die Austro-Control-Mitarbeiter und sie meinen, ich muss f√ľr jedes einzelne Objekt, das ich fotografieren will, einzeln ansuchen", sagt Redl. "Sie sagten mir, sie entscheiden dann dar√ľber, ob ein √∂ffentliches Interesse besteht, das steht aber so nicht im Gesetz. Sie sagten mir auch, ein gewerblicher Fotoflug sei das Privatinteresse des Fotografen oder seines Auftraggebers. Das ist doch absurd."

Der Spezialist f√ľhlt sich von der Luftfahrtbeh√∂rde schikaniert. "Die wollen mir anscheinend meine unternehmerische Gesch√§ftst√§tigkeit verbieten", sagt Redl.

"Ich habe der Austro Control sogar eine entsprechende Liste der Objekte samt den Namen der Auftraggeber geschickt", sagt der Fotograf zum KURIER. Nun hat Redl als letzte M√∂glichkeit die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft und das Bundesamt f√ľr Korruptionsbek√§mpfung im Innenministerium eingeschaltet. Er wirft der Austro Control Amtsmissbrauch vor.

"Neue Bestimmungen"

Diese widerspricht dem und teilt schriftlich mit: "Seit der j√ľngsten Novelle gelten f√ľr den Einflug in das Flugbeschr√§nkungsgebiet Wien neue Bestimmungen. Eine Bewilligung durch die zust√§ndige Beh√∂rde Austro Control kann immer nur projektbezogen erteilt werden, weil im Gesetzestext dezidiert auf den Zweck des Fluges abgestellt wird. Zu pr√ľfen ist dabei, ob der Flug im √∂ffentlichen Interesse erfolgt bzw. keine √∂ffentlichen Interessen wie die Sicherheit der Luftfahrt oder L√§rmschutz dem entgegenstehen. (...) Gerade weil es sich bei Fl√ľgen √ľber dem Wiener Stadtgebiet um den Einflug in ein Flugbeschr√§nkungsgebiet handelt, k√∂nnen Genehmigungen im Hinblick auf die Vermeidung von unn√∂tiger L√§rmentwicklung und auf die Sicherheit im Sinne der Bev√∂lkerung nur in Ausnahmef√§llen erteilt werden."

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