Chronik | Wien
10/02/2014

Ausweichstrecke könnte Flaniermeile werden

Anrainer fordern Verkehrsberuhigung in der Lange Gasse. Eine Bürgerbefragung soll Abhilfe schaffen.

Wien dürfte bald um eine Begegnungszone reicher sein. Denn Anfang November will die Bezirksvorstehung der Josefstadt Anrainer und Geschäftsleute über die Zukunft der Lange Gasse entscheiden lassen. Das Ergebnis der Befragung sei verbindlich, betont Bezirkschefin Veronika Mickel-Göttfert (ÖVP).

Geht es nach ihrer Fraktion, werden zwei Varianten zur Auswahl stehen: Entweder eine Begegnungszone zwischen Josefstädter Straße und Josefsgasse samt Grünfläche und Neugestaltung des Hugo-Bettauer-Platzes. Oder bloß eine Eingangsschwelle von der Josefstädter Straße in die Lange Gasse (plus Grünfläche und Bettauer-Platz "neu").

Durch die neu gestaltete Begegnungszone würden in der Lange Gasse 22 Parkplätze wegfallen. Für Verkehrsteilnehmer soll ein Tempolimit von 20 km/h gelten.

Im Büro von Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou würde man die rund 140 Meter lange Begegnungszone begrüßen. So sie den Charakter einer Flaniermeile erfüllt, sei sogar eine Kofinanzierung denkbar. Mickel schätzt die Kosten für die Umgestaltung auf 400.000 Euro.

Uneingeschränkte Zustimmung erntet die VP mit ihrem Plan für die Befragung aber nicht. Für die Bezirksgrünen ist Variante zwei – also Eingangsschwelle statt Begegnungszone – "eine Null-Variante". Der stellvertretende Bezirksvorsteher Alexander Spritzendorfer (G) sagt: "Wir würden die Begegnungszone auch ohne Befragung realisieren." Die ÖVP sei ahnungslos, weil sie bis dato offenbar nicht wisse, was die Bürger wollen.

Anrainer wollen mehr

Denen wiederum geht die Befragung nicht weit genug. "Variante eins bedeutet bestenfalls eine 20-prozentige Erfüllung unserer Vorstellungen. Und Variante zwei überhaupt nur eine 2-prozentige", erklärt Leo Kuhn von der "Bewohnergemeinschaft Lange Gasse".

Den Anrainern der Biedermeier-Schutzzone schweben nämlich eine großflächigere Begegnungszone zwischen Maria-Treu-Gasse und Josefsgasse sowie eine Totalsperre für den Durchzugsverkehr in der gesamten Lange Gasse (bei Beibehaltung der Parkplätze) vor.

Zumindest Letztere dürfte Wunschdenken bleiben. Denn seitens der MA46 (Verkehrsorganisation) denkt man nicht daran, die als Alternative zur Zweier-Linie beliebte Durchzugsstraße zu sperren.

Mickel-Göttfert schlägt in dieselbe Kerbe: "Wir werden sicher keine Maßnahmen ergreifen, die dann zu einer Mehrbelastung für andere Bezirksteile führen." Sperre man die gesamte Lange Gasse, "bekämen Lederer- und Strozzigasse mehr Verkehr". Zudem würden die Kosten einer Begegnungszone zwischen Maria-Treu- und Josefsgasse mit rund zwei Millionen Euro das Bezirksbudget überschreiten.

An eine Verkehrsberuhigung glaubt die Bezirkschefin dennoch: "Eine Begegnungszone bedeutet auf jeden Fall Entschleunigung."