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Chronik Wien Wien intern
02/19/2020

Wie Michael Ludwig seine Partei verschweigt

Der Bürgermeister präsentiert seinen neuen Web-Auftritt – fast ohne SPÖ und „ohne Emotionen“. Der Plan könnte aufgehen.

von Christoph Schwarz

Selbst für nicht sonderlich versierte Beobachter war es augenscheinlich: Als der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig am Dienstag zum – inoffiziellen – Wahlkampfauftakt lud, war in der einstündigen Rede Platz für vieles. Nur für eines nicht: die SPÖ. Als der rote Stadtchef vor sein Publikum trat, war vom Logo seiner Partei weit und breit nichts zu sehen.

Jetzt hat Michael Ludwig seine neue Homepage veröffentlicht – ludwig2020.wien. Und auch in seinem Webauftritt geht er auf Distanz zu seiner eigenen Partei: „Dr. Michael Ludwig – Bürgermeister“, steht auf der Website, garniert mit einem Adler mit Wiener Wappen. Und: „verlässlich. entschlossen. progressiv“. Wer sich durch die Seite klickt, merkt rasch: Auch sonst findet sich kein Verweis auf die SPÖ. Weder bei den aktuellen Meldungen noch unter der Rubrik „Meine Themen“.

Mehr noch: Nicht einmal in Ludwigs Lebenslauf kommt die Partei wirklich vor. „Mit 33 Jahren wurde ich Floridsdorfer Bezirksrat, später Bundesrat im Parlament“, schreibt er. „Es folgte das Mandat als Gemeinderat bzw. Landtagsabgeordneter, ehe ich im Jahr 2007 das Amt des Wohnbaustadtrats übernehmen durfte.“

Erst im Eintrag zum Jahr 2018 findet die SPÖ Erwähnung. Da gesteht Ludwig ein, dass er „zum Vorsitzenden der Wiener SPÖ“ gewählt wurde.

In Parteikreisen gibt man sich gelassen – und stützt den Kurs. Man weiß: Der Bürgermeister selbst hat höhere Zustimmungswerte als die Partei. Mehr als 40 Prozent würden ihm bei einer Direktwahl ihre Stimme geben, heißt es. Die Wiener SPÖ liegt derzeit bei maximal 36 Prozent. Ludwigs Strategie passt auch zu einem Trend, auf den man in der SPÖ gerne verweist: Bei Landeswahlen wurden zuletzt – etwa in der Steiermark und dem Burgenland – immer die Amtsinhaber gestärkt. Ludwig setzt auf den „Bürgermeister-Bonus“.

Wie ist die Homepage handwerklich gemacht? „Sie wirkt in ihrer Anmutung aristokratisch und nüchtern. Sie zeigt nicht die soziale Wärme, für die die SPÖ stehen will, sondern ist emotionslos“, sagt der Wiener Social-Media-Experte Philipp Ploner zum KURIER. „Aber Wahlen gewinnt man mit Emotionen.“

Auch der Social-Media-Auftritt des Bürgermeisters sei bisher „zu brav“: Egal ob Facebook oder Instagram – alles wirke, „als wolle man keinen Fehler machen und nirgends anecken“, sagt Ploner. „So etwas sieht sich online doch niemand an.“

Ein Beispiel? Jenes Youtube-Video, das Ludwig anlässlich seiner großen Rede am Dienstag online stellte, hatte 24 Stunden nach Veröffentlichung gerade einmal 297 Aufrufe.

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