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Chronik Wien
09/21/2012

Wien hat Appetit auf Bundesheer-Kasernen

Wohnbaustadtrat Michael Ludwig hofft auf ein Berufsheer, um zusätzlichen Wohnraum für die Wiener zu erhalten.

von Michael Jäger

Die Wiener Wohnbevölkerung wächst. Laut aktuellen Prognosen bewegt sich die Stadt bis zum Jahr 2035 auf die Zwei-Millionen-Einwohner-Marke zu. Gleichzeitig werden die Wiener in Sachen Wohnen immer mobiler. Bereits elf Prozent befinden sich auf der Suche nach einem neuen Wohnraum.

Die Gründe dafür sind, so Wohnbaustadtrat Michael Ludwig, der ungebremste Zuzug in die Stadt. Jedes Jahr müssen 15.000 neue Wiener in Wohnungen untergebracht werden. Dazu kommen hohe Scheidungsraten, aber auch der Wunsch älterer Menschen, noch ein Mal umzuziehen.

Obwohl die Stadt seit 2007 die Bauprogramme verstärkt hat, werden jetzt neue Strategien entwickelt. Um Wohnraum nicht nur am Stadtrand – wie beim Projekt Seestadt Aspern – zu schaffen, schielt Ludwig auf zentrumsnahe Grundstücke.

Besonders angetan haben es dem Wohnbaustadtrat die Heereskasernen. Politisch unterstützt er dabei die Reform von Verteidigungsminister Norbert Darabos. Kommt das Berufsheer, braucht es weniger Kasernen in der Stadt, um Präsenzdiener unterzubringen, erklärt der Stadtrat.

Ludwig: „Mein Hunger nach Kasernen in Wien ist ungestillt“, signalisiert er seine Kaufbereitschaft in Richtung Bundesebene. Interesse besteht etwa an der Biedermann-Huth-Raschke-Kaserne, der Vega-Payer-Weyprecht-Kaserne aber auch an der General-Körner-Kaserne. „Mir ist es lieber, wenn junge Menschen zusätzlichen Wohnraum erhalten, als dass sie dort sechs Monate abdienen“, legt der Stadtrat ein Schäuferl nach.

Ob es aber zu größeren Kasernendeals kommt, hänge vom Ausgang der Volksbefragung im Jänner ab. „Erst danach können wir konkrete Gespräche führen.“ Vorzeigemodelle gibt es bereits. So wurden die ehemalige Karls- und Wilhelmskaserne bereits zu Wohnraum umfunktioniert.

Steigende Mieten

Die höhere Mobilität der Wiener in Kombination mit einer stärkeren Nachfrage nach Immobilien hat am privaten Wohnungsmarkt zu deutlich steigenden Mieten geführt: „Etwa 25 Prozent in fünf Jahren“, sagt Ludwig. Von dieser Entwicklung ist aber nur ein Bruchteil der Wiener betroffen. Denn 60 Prozent leben in Gemeindebauten oder in Objekten des geförderten Wohnbaus. Und nur fünf Prozent der Wohnungen unterliegen keinen mietrechtlichen Beschränkungen.

Trotzdem sieht Ludwig am privaten Wohnungsmarkt Handlungsbedarf. Vermieter würden sich ständig neue Zuschläge – etwa für die Nähe zur U-Bahn – einfallen lassen. „Das Zuschlagssystem muss transparenter werden“, wünscht sich Ludwig von der Bundesregierung eine Gesetzesänderung.

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