Chronik | Wien
09.06.2014

Häupls Arbeitstiere

Die Stadtverwaltung beschäftigt nicht nur menschliche Mitarbeiter. Ein Überblick.

Biber Flummi erfüllt seinen Bildungsauftrag vorbildlich und lässt sich hin und wieder in der Lobau beobachten. Auf der Deponie Rautenweg und am Bisamberg "mähen" Ziegen den Rasen. Und im Wasserwerk Nussdorf prüfen Zierfische die Qualität des Trinkwassers. Wie der Stadtrechnungshof aufzeigt, sind tierische Mitarbeiter in Wien keine Seltenheit.

Die mit Abstand meisten davon hat Forstdirektor Andreas Januskovecz. Zu den aktivsten zählen natürlich die Jagdhunde im Auftrag der MA 49. Die gehören zwar den Jägern und nicht der Stadt. Die Besitzer werden aber bei Kauf und Ausbildung finanziell unterstützt. Und außerdem sind die Hunde versichert – falls sie sich im Dienst verletzen.

Auch nicht faul sind die Ziegen, die im Nationalpark Donau-Auen und am Bisamberg Teil eines EU-Projektes sind. "Dabei geht es darum, Flächen für Orchideen und andere besondere Pflanzen freizuhalten", erklärt Januskovecz. "Die Ziegen entfernen also das Gestrüpp und die Dornen. Sie sind quasi so was wie Landschaftsgestalter."

Als Rasenmäher auf vier Beinen setzt auch die MA 48 seltene Pinzgauer Ziegen ein. Auf der schwer zugänglichen Deponie Rautenweg beweiden sie das Gelände.

Aber zurück zur Forstdirektion: Dort erfüllen sogar Dam- und Muffelwild eine Doppelfunktion. Zum einen gelten sie im Lainzer Tiergarten als Besucherattraktion und kommen einem gewissen Bildungsauftrag nach. Zum anderen dienen sie als Wildbret-Lieferanten.

So jäh enden allerdings nicht alle tierischen Karrieren in Wien. Für die vier Noriker Lucy, Luna, Vera und Vroni, die jahrelang am Wienerberg Heu und Holz transportierten, sucht die MA 49 zurzeit eine neue Unterkunft. "Sie sind für die Arbeit einfach zu alt", erklärt der Forstdirektor. Nachbesetzt werden sie aus wirtschaftlichen Gründen nicht.

Biomonitoring

Nicht Jahre, sondern jeweils nur fünf Tage sind die Goldorfe für die MA 31 im Einsatz. Im Wasserwerk Nussdorf prüfen die Zierfische die Wasserqualität. Biomonitoring heißt das.

Dafür schwimmen die Tiere in einem sogenannten Fischtoximeter, das mit Donauwasser gespeist wird. "Aus der Änderung ihres Bewegungsverhaltens können wir dann auf den Schadstoffgehalt schließen", erläutert Kurt Schlesinger von den Wasserwerken. Wäre der Alarm Rot dürfte das Wasser nicht mehr in den Verbrauch abgegeben werden.

Schlesinger gibt allerdings postwendend Entwarnung. "So etwas ist noch nie vorgekommen." Zudem gebe es Jahre, in denen das Wasserwerk überhaupt nicht in Betrieb ist. "Bei uns ist ja die Versorgung der Bevölkerung mit Quellwasser die Prämisse. Nur im Notfall würde auf das Grundwasser zugegriffen."

Den Zierfischen geschieht also kein Leid. Nachdem die rund 1 Euro teuren Mitarbeiter ihren Dienst quittiert haben, werden sie in einem Teich am Hackenberg ausgesetzt.

Psychohygiene

Häupls Arbeitstiere erfüllen aber nicht nur ihre eigenen Funktionen. Laut der Magistratsabteilung 3 (Bedienstetenschutz und berufliche Gesundheitsförderung) erleichtern sie auch ihren menschlichen Kollegen die Arbeit. Die MA 3 teilte dem Stadtrechnungshof mit, dass Kleintiere am Arbeitsplatz die Arbeitsumgebung produktiver gestalten und die Kommunikationskompetenz der Mitarbeiter steigern würden. Diesen Zweck erfüllt wahrscheinlich auch der Kanarienvogel, der laut Rechnungshofbericht für "Wien Kanal" arbeitet.