Unternehmer Philipp Pracser (re. im Bild) sieht sein Gesicht nicht gern in der Zeitung.

© KURIER/Gerhard Deutsch

Wien
03/09/2015

Gerangel um exklusiven Beach-Club am Donaukanal

Vorbild ist die Mole West. Bei der SPÖ will man das Projekt, doch Beamte legen sich quer.

von Bernhard Ichner

Einen "hochwertigen Mix aus Bar, Restaurant und Beach-Club – nach dem Vorbild der Mole West am Neusiedler See" stellt sich Eventgastronom Philipp Pracser am Donaukanal vor. Seit eineinhalb Jahren arbeitet er bereits an dem Projekt mit dem Arbeitstitel "Sky & Sand", 150.000 € hat er in diverse Gutachten und Planungsänderungen schon investiert. Doch an dem Vorhaben scheiden sich die Geister. Während der Leopoldstädter SP-Bezirkschef Karlheinz Hora Feuer und Flamme für den Plan ist, meldet die zum Ressort der grünen Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou gehörende MA19 (Architektur und Stadtgestaltung) Bedenken an.

In erster Linie, weil der Betrieb unterhalb des Wilhelm-Kienzl-Parks geplant wäre. "Also in einer Zone, die laut Masterplan für die Attraktivierung des Donaukanals explizit als Grünraum ausgewiesen ist", wie Dienststellenleiter Franz Kobermaier erklärt. Davon abgesehen habe man Bedenken punkto Stadtbild. Ein denkmalschützerisches Gutachten soll nun klären, ob sich Pracsers Lokal, das "maximal bis zu 800 Gästen Platz bieten könnte", in dieser Dimension in das Otto-Wagner-Ensemble beim Schützenhaus integrieren ließe. Die MA19 werde es bei der TU in Auftrag geben.

Vorteile

Den Bezirksvorsteher regt das Prozedere auf. "Das Problem ist, dass sich die MA19 herausnimmt zu bestimmen, was schön ist und was wohin passt. Nicht die Politik bestimmt in Wien, sondern die Raumplaner", poltert Hora. "Stimmt nicht", kontert Kobermaier. Immerhin habe sich die Politik auf besagten Donaukanal-Masterplan geeinigt.

Für den Bezirkschef überwiegen die Vorteile des Projekts – "explizite Grünfläche" hin oder her. Denn im Gegensatz zu anderen "kommerziell nutzbaren Flächen" entlang des Donaukanals befänden sich hinter besagtem Areal keine Wohnbauten. Es gäbe also keine unmittelbaren Anrainer, die sich von der Geräuschkulisse gestört fühlen könnten.

Zudem würde sich Pracser verpflichten, die WC-Anlagen des Lokals für Passanten zu öffnen; in Form eines Personenlifts einen direkten, barrierefreien Zugang vom Kienzl-Park zum Donaukanal zu schaffen; die dringend sanierungsbedürftige Kaimauer auf einer Länge von 130 Metern auf eigene Kosten zu sanieren (und so der Stadt 200.000 Euro ersparen) sowie auf den 500 Quadratmetern zwischen seinem Betrieb und dem Schützenhaus eine allgemein nutzbare Grünfläche instand zu halten.

Davon abgesehen wäre der Gastronom bereit, sozusagen als Ersatz für "seine" Projektfläche, zwischen Schweden- und Marienbrücke einen neuen attraktiven Grünraum aufzuforsten.

Glaspavillon

Ansonsten hält sich Pracser, der den Ocean-Park in der Millennium-City, die Brunswick-Bowlinghallen im Prater und in Hernals sowie sechs weitere Bars und Restaurants betreibt, mit Details zu seinem Vorhaben dezent zurück: Entwürfe will der 31-Jährige dem KURIER noch nicht zeigen. Er verrät bloß, dass "ein hochwertiger, aber nicht hochpreisiger Beach-Club mit Bar und Restaurant" geplant ist. Das kulinarische Angebot orientiere sich an den "Rochus"-Lokalen seines Partners Mario Minar. Zielgruppe seien "Studenten, Familien und die breite Mittelschicht".

Optisch möge man sich einen eingeschoßigen Pavillon auf 450 vorstellen – eine Kombination aus einer Holzkonstruktion und Glas-Elementen, die sich per Knopfdruck je nach Witterung öffnen und schließen lassen – und somit einen Ganzjahresbetrieb ermöglichen. Dazu käme auf weiteren 450 eine Terrassenlandschaft mit Liegebetten und Lounge-Bereichen, die man in der kälteren Jahreszeit "für ein Oktoberfest, einen alternativen Christkindlmarkt oder als Eislauffläche" nützen könne. Insgesamt sei man damit nicht größer als andere bereits existierende Projekte am Donaukanal.

Die Investitionssumme beziffert Pracser mit rund 3,2 Millionen Euro. Er stellt 65 Ganzjahres- und 110 saisonale Arbeitsplätze in Aussicht.

Bleibt die Frage nach den Sitzplätzen. Durch sämtliche Medienberichte geistert die Zahl 800 – was Pracser ärgert: "Ich habe bloß gesagt, an einem 30 Grad heißen Sommertag könnten wir maximal bis zu 800 Plätze anbieten – alle Stehbereiche und die Bar mitgerechnet." Im Normalbetrieb seien aber 600 sogenannte Verabreichungsplätze geplant.

Was das von der MA19 geforderte Gutachten betrifft, zeigt sich Pracser optimistisch. Er strebt weiter eine Eröffnung im April 2016 an.

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