Wien: "checkit!" untersuchte 2020 fast 1.000 Drogen

Riesige Mengen Drogen aus Südamerika geschmuggelt
Die Infostelle will Drogenkonsumenten mehr Sicherheit verschaffen. Bei 13 Prozent der Untersuchungen wurde vor dem Konsum gewarnt.

Die Wiener Initiative „checkit!“ will Drogenkonsumenten vor den größten Risiken schützen, indem sie anonym die Zusammensetzung von Freizeitdrogen untersucht. 982 solcher Substanzen analysierte die Info-und Beratungsstelle der Suchthilfe Wien im Jahr 2020 und fand dabei heraus, dass nur 56 Prozent wirklich ausschließlich den psychoaktiven Wirkstoff enthielten, den die Käufer erwarten konnten. In weiteren 13 Prozent der Fälle musste eine Warnung ausgegeben werden.

Die Beratungsstelle warnt dann, wenn die Zusammensetzung gesundheitlich bedenklich ist oder das Mittel einen extrem hohen Wirkstoffgehalt hat. In 31 Prozent der Fälle wurde außerdem zumindest zusätzlich ein unerwarteter oder ausschließlich unerwarteter Wirkstoff entdeckt. Im Vergleich: 2019 kam die Infostelle auf 1.050 analysierte Substanzen, die Erwartungen zu den Inhaltsstoffen trafen ein wenig öfter zu - nämlich in 62 Prozent der Fälle. Wie viele Drogen untersucht werden, lasse allerdings keinen Schluss auf die tatsächliche Anzahl der Konsumenten zu, sagte Sprecher Markus Stradner. In den meisten Fällen werde nicht das gesamte Produkt analysiert, sondern nur ein Bruchteil davon.

Viele Streckstoffe in Speed

Streckstoffe fand „checkit!“ besonders häufig bei Speed - in 123 von 203 Proben, also 61 Prozent, wurde Koffein entdeckt. „In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, dass das Aussehen oder der Geruch nichts über die tatsächlichen Inhaltsstoffe aussagt“, so Leiterin Bettina Hölblinger. Weit seltener war das bei Ecstasy der Fall - fast 95 Prozent der Tabletten enthielten ausschließlich den erwarteten Wirkstoff MDMA. Noch vor 15 Jahren hätten die Tabletten kaum MDMA, aber teilweise besonders bedenkliche Gemische enthalten. „Heute ist es in Bezug auf Ecstasy besonders wichtig zu wissen, dass der MDMA Gehalt pro Tablette in den letzten Jahren stark gestiegen ist und es dadurch leichter zu Überdosierungen kommen kann, wenn eine ganze Tablette eingenommen wird“, erklärte Hölblinger.

Auch bei Kokain gab es zuletzt einen starken Anstieg des tatsächlichen Gehalts. Jedoch enthielten immer noch 36 Prozent der Produkte Streckstoffe, häufig Levamisol, „bei dem als Nebenwirkungen von allergischen Reaktionen, wie Schwierigkeiten beim Atmen oder Anschwellen des Gesichts aber auch Beeinträchtigungen des zentralen Nervensystems, wie Verwirrungszustände oder Bewusstlosigkeit berichtet wird“, sagte Hölblinger.

Veränderungen am Drogenmarkt erforscht

Mit dem „drug checking“ will die Beratungsstelle nicht nur Konsumenten Sicherheit verschaffen, sondern auch Veränderungen am Markt der Freizeitdrogen erforschen. Bei Events, beim stationären „drug checking“ in der „homebase“ der Infostelle und bei kooperierenden Apotheken können Proben abgegeben werden. „Dass diese Vorgehensweise und die erfolgreiche Arbeit nicht unbeachtet bleibt, zeigt nicht zuletzt der Umstand, dass 'drug checking' nun auch als Vorhaben in den deutschen Koalitionsvertrag aufgenommen wurde“, meinte Ewald Lochner, Koordinator für Psychiatrie, Drogen- und Suchtfragen der Stadt Wien.

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