SALZBURG: PROZESS ?VORWURF DES SUCHTGIFTHANDELS MIT 13,8 MILLIONEN CAPTAGON-TABLETTEN?

© APA/BARBARA GINDL / BARBARA GINDL

Chronik Österreich
12/14/2021

Prozess: Salzburger Pizzeria als Drehkreuz von „Dschihadisten-Droge“

Verfahren am Dienstag gestartet, spießt sich zum Auftakt aber an Liebesverhältnis.

von Michael Chudik

Was eine Pizzeria in der kleinen Flachgauer Gemeinde Bürmoos mit Drogen aus dem Libanon zu tun hat? Auf den ersten Blick nichts. Geht es nach der Staatsanwältin am Salzburger Landesgericht, aber so einiges. 13,8 Millionen Captagon-Aufputschtabletten im Wert von rund 40 Millionen Euro sollen aus dem Libanon ins belgische Gent geschifft und von dort aus nach Österreich gebracht worden sein.

Hierzulande soll eine Pizzeria als Dreh- und Angelpunkt gedient haben. Von hier aus dürften die Tabletten – in der Vergangenheit häufig als „Dschihadisten-Droge“ bezeichnet – die Route nach Saudi-Arabien eingeschlagen haben. Warum der Umweg? Weil im Wüstenstaat Importe aus der EU offenbar deutlich weniger kontrolliert werden.

Verwirrung um Dolmetscherin

Zum Prozessauftakt am Salzburger Landesgericht mussten sich insgesamt 14 Beschuldigte verantworten. Die Verteidiger behaupten, es sei „keine einzige Tablette“, kein Abnehmer und kein Bargeld gefunden worden.

Am ersten von 15 angesetzten Prozesstagen standen aber nicht unbedingt die Beschuldigten im Mittelpunkt, sondern die Hauptdolmetscherin und der Kronzeuge. Diese sollen seit Juni 2019 liiert gewesen sein. Die Anklage basiert aber zu einem Gutteil auf den Angaben, des aus dem Irak stammenden Kronzeugen, der in Salzburg lebt. Die Dolmetscherin habe die Beziehung geheim gehalten, wurde vor rund zwei Wochen aus der hausinternen Dolmetscherliste gestrichen.

Wie Drehbuch einer Netflixserie

Aufgrund des Liebesverhältnisses wird nun seitens der Verteidiger eine Neuübersetzung aller polizeilichen Vernehmungsprotokolle und Telefonüberwachungsprotokolle gefordert. „Alles, was sie übersetzt hat, ist mit Nichtigkeit bedroht“, sagte Verteidiger Leopold Hirsch.

Auch für dessen Kollege Kurt Jelinek bestehe der Verdacht, dass nicht alles übersetzt wurde. Ein weiterer Verteidiger sprach von einer fantasievollen Beschreibung von Drogen-Liefervorgängen, die aus dem Drehbuch einer Netflixserie stammen könnten.

Tabletten im Pizzaofen

Sobald sich die Problematik um die Dolmetscherin geklärt hat, wird sich der Prozess wieder dem Kernthema widmen. In der Salzburger Pizzeria wurden die Drogen in Pizzaöfen, Waschmaschinen und anderen Elektrogeräten versteckt und so nach Saudi-Arabien verfrachtet, sagt die Staatsanwältin. Als Chef der Drogenbande gilt ein 60-jähriger Libanese, der untergetaucht ist.

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