Im Wien 2026 wird die Wirtschaft zum Liebkind der Parteien

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Die Stärkung der Wirtschaft wird auch aus ungewöhnlichen Bereichen gefordert. Ein Auftrag für Bürgermeister Ludwig.
Agnes Preusser

Agnes Preusser

Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut. Der vor rund 20 Jahren von der Wirtschaftskammer ins Leben gerufene Slogan hat seither für viel Häme gesorgt und wurde oft synonym dafür verwendet, dass die Interessen der Reichen und Mächtigen wichtiger sind als die aller anderen. 

Schon in den vergangenen Monaten war diesbezüglich ein Paradigmenwechsel in Wien spürbar, der sich auch 2026 noch auswirken wird.

Denn wackelnde Arbeitsplätze, steigende Arbeitslosigkeit, Unternehmensschließungen und Sparmaßnahmen an allen Ecken und Enden haben dazu geführt, dass auch aus überraschenden Bereichen die Stärkung der Wirtschaft herbeigesehnt wurde, zuletzt hat etwa Wiens Caritasdirektor Klaus Schwertner das als einen seiner größten Wünsche für das neue Jahr angegeben.

Auch die Politik, und eben nicht nur die ÖVP, treibt dieses Begehren an. Die Wiener SPÖ arbeitet seit der geschlagenen Wahl im April intensiv am Imagewechsel hin zur Wirtschaftspartei. Angesichts des Schuldenstands in der Bundeshauptstadt – der für die Opposition sehr viel Angriffsfläche bietet – kein leichtes Unterfangen. 

Eine Schlüsselrolle spielt Bürgermeister Michael Ludwig selbst, der sich über die Grenzen Wiens hinweg als progressiver Wirtschaftsauskenner inszeniert – mit Warnungen vor dem demografischen Wandel, indem er sich bei Intiativen gegen Frauenarbeitslosigkeit zeigt oder seiner Positionierung für das Handelsabkommen Mercosur

Für Letzteres wurde er übrigens eigens vom ehemaligen WKÖ-Präsidenten Christoph Leitl gelobt, der eng mit dem eingangs erwähnten Spruch verknüpft ist.

Damit die Wählerinnen und Wähler Ludwig die Wirtschaftskompetenz auch abkaufen, muss der von der rot-pinken Regierung angekündigte Aufschwung in Wien tatsächlich angekurbelt werden. Wer Staatsmann sein will, muss dafür sorgen, dass die Bürgerinnen und Bürger den Gürtel nicht immer enger schnallen müssen.

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