Chronik | Wien
16.02.2018

Wieder sollen Gaffer Retter behindert haben

Bei einem Arbeitsunfall in Penzing starb ein Bauarbeiter

Obwohl das Thema Gaffer bereits die Behörden beschäftigt und sogar Strafen für Schaulustige gefordert werden, kam es am Donnerstagabend in Penzing wieder zu Problemen.

In der Hütteldorfer Straße wurde gegen 18 Uhr ein 43-jähriger Bauarbeiter zwischen eine Betonschalwand, die an einem Turmkran befestigt war, und eine Betonwanne gedrückt und dabei so schwer verletzt, dass er kurze Zeit später verstarb. Der 24-Jährige Kranführer erlitt einen Nervenzusammenbruch und musste von den Einsatzkräften medizinisch versorgt werden – was sich ob der großen Anzahl Schaulustiger als schwierig erwies.

100 Gaffer filmten mit

Laut Polizei standen etwa 80 bis 100 Gaffer am Unfallort und machten Fotos und Videos vom Einsatz. "Die Kollegen mussten zum Absichern der Unfallstelle Verstärkung anfordern. Drei Funkwagen mit insgesamt 15 Polizisten waren im Einsatz, um den Rettungseinsatz mit einem Sperrkreis abzuschirmen", sagt Polizeisprecher Paul Eidenberger. Einige Personen wurden demnach auch vom Unfallort weggewiesen.

Die bloße Aufforderung seitens der Polizei scheint die Gaffer aber nicht abzuschrecken. Vergangenes Jahr gab es mehr als zehn Vorfälle, bei denen Schaulustige für große Probleme sorgten. Entweder wurden Retter behindert, oder die Gaffer verursachten kilometerlange Staus.Bei einer KURIER-Diskussionsrunde zum Thema (zu sehen am Samstag ab 20.30 Uhr auf schau TV) forderte Patrick Maierhofer von der Wiener Polizei deshalb Strafen: "Wir haben aktuell die Problematik. Der Druck ist da, dass man sich etwas einfallen lässt – und das ein Gesetz in diese Richtung kommt."

Die Grazer Rettung testet derzeit eine faltbare mobile Sichtschutzwand, die im Notarztwagen mitgeführt wird. Die Feuerwehr Wiener Neustadt hat solche Wände schon seit einem Jahr im Einsatz. Sie hätten sich bewehrt und würden "taktisch differenziert" einsetzt, nämlich vor allem bei Unfällen auf der Autobahn, um Staus zu vermeiden.