Krankenhaus Nord, Visualisierung Jänner 2012

© Architekturbüro Albert Wimmer

Debatte
08/16/2013

Wer braucht das Krankenhaus Nord?

Im AKH fehlt Personal, im 21. Bezirk entsteht ein neues Spital. Manchen missfällt das.

von Josef Gebhard

Es ist eine der größten Baustellen Wiens: In Floridsdorf entsteht gerade das Krankenhaus Nord. Mit seinen 785 Betten soll es 2016 in Vollbetrieb gehen. Zahlreiche Abteilungen aus bestehenden Wiener Spitälern werden in die neue Klinik übersiedeln.

Doch nicht alle finden Gefallen an dem Mega-Bau, der voraussichtlich 825 Millionen Euro kosten wird: „Das AKH wird bewusst abgewirtschaftet, damit in Floridsdorf das Krankenhaus Nord als politisches Prestigeprojekt errichtet werden kann“, wetterte AKH-Gynäkologe Peter Husslein zuletzt im KURIER. Anlass war die abermals aufgeflammte Spar-Debatte rund um Österreichs größtes Spital. Gäbe es genug Geld und Personal, um die bestehenden AKH-Kapazitäten voll auszunutzen, bräuchte es den Neubau in Floridsdorf gar nicht, ist Husslein überzeugt.

Umstritten

Eine These, die freilich selbst unter Kollegen nicht unumstritten ist. „Das Krankenhaus Nord hat sicher seine Berechtigung“, sagt Wiens Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres, der selbst am AKH tätig ist. „Der 21. und 22. Bezirk haben ein enormes Bevölkerungswachstum.“ Deshalb bemühe man sich auch, die Arztpraxen in diesem Teil der Stadt auszubauen.

Auch seitens der Rathaus-Opposition will man das Projekt nicht grundsätzlich in Frage stellen. „Es geht ja auch um die Versorgung der umliegenden Gebiete in Niederösterreich“, betont FPÖ-Stadtrat David Lasar. „Die Frage ist aber, ob das Spital so groß sein muss. Vermutlich würde die Hälfte der Betten ausreichen.“ Offen sei auch, ob man überhaupt genügend Personal rekrutieren könne. Schon jetzt gebe es etwa im AKH nicht einmal genügend Hebammen. „Viele werden bei uns ausgebildet und gehen dann nach Niederösterreich.“

Sorge um Kosten

„Wenn das KH Nord ordentlich gemacht wird, hat es sicherlich Sinn“, sagt Ingrid Korosec, Gesundheitssprecherin der Wiener ÖVP. Massive Bedenken hat sie allerdings bei der Kostenentwicklung: „Es wird ein sehr teures Spital. Ursprünglich ist man von 500 bis 600 Millionen Euro ausgegangen. Jetzt ist man bereits bei über 800 Millionen. Ich gehe davon aus, dass es letztendlich 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro kosten wird.“

Für die chronische Misere des AKH sind für Korosec aber ganz andere Faktoren entscheidend. „Die Situation dort ist so verfahren, weil man seit vielen Jahren nicht bereit ist, eine klare Linie im Management zu schaffen.“ Für das Spital sei einerseits die Stadt Wien und andererseits das Wissenschaftsministerium zuständig, weil das AKH gleichzeitig auch Standort der Wiener MedUni ist. „Seit vielen Jahren wird über eine gemeinsame Betriebsgesellschaft geredet, passiert ist bisher nichts.“

Unzulässiger Vergleich?

Für Wiens Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) ist ohnehin nicht nachvollziehbar, warum Husslein sein AKH gegen das Krankenhaus Nord ausspielt. Auch ein völlig ausgelastetes AKH könne das neue Spital nicht ersetzen, das zu 90 Prozent aus Übersiedlungen von anderen Spitälern bestehe. „Das Krankenhaus Nord ist also eine Optimierung der Regelversorgung des Wiener Krankenanstaltenverbunds und hat nichts mit der Sonderstellung des AKH als Uniklinik zu tun.“ Nachsatz: „Die Rechnungsabschlüsse des AKH zeigen, dass es dort keine Kürzungen gibt.“

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