© Ulrike Botzenhart

Chronik Wien
11/04/2020

Wenn sich niemand meldet: Endloses Warten für Corona-Patienten

Nach wie vor passiert es, dass Betroffene und Angehörige nicht informiert werden, ob und wie lange sie in Quarantäne gehen müssen, wie ein konkreter Fall zeigt.

von Laura Schrettl

Schon mehr als ein halbes Jahr dauert nun die Corona-Pandemie. Doch immer noch gibt es in Wien Probleme bei den Tests, beim Contact-Tracing und der Information von Kontaktpersonen Infizierter, die in Quarantäne müssen.

Das erlebte auch die Familie von KURIER-Redakteurin Ulrike Botzenhart. Am 24. Oktober hatte ihr Mann erste Symptome, die auf eine Coronavirus-Infektion hindeuten – Fieber, Kopf- und Rückenschmerzen.

Zwei Tage später ließ er sich in einem privaten Labor testen. Gleich am nächsten Tag lag das Ergebnis vor: positiv. Herr B. und seine Familie begaben sich umgehend auf eigene Faust in Quarantäne und informierten von sich aus Kontaktpersonen.

Um auf Nummer sicher zu gehen, rief die Familie eigenständig bei der Coronavirus-Hotline 1450 an. Ein Test seiner Frau und der beiden Kinder wurde veranlasst.

Vergebliches Warten auf Infos 

Auf den Bescheid, in dem die Länge der nötigen Quarantäne festgelegt wird, wartete die Familie allerdings vergeblich. Bei der Bezirksgesundheitsbehörde war auf Nachfrage telefonisch niemand erreichbar. Erst am 30. Oktober kam per Mail eine Antwort: Herr B. scheine nicht im System auf.

Die Familie solle das Testergebnis der Behörde zusenden, was diese auch erledigte.

 

3. November: Acht Tage nach dem positiven Testergebnis von Herrn B. haben seine Angehörigen immer noch keine Information, ob bzw. wie lange sie in Quarantäne gehen müssen. Weder telefonisch, per Mail oder per Post.

„Glücklicherweise haben wir uns selbstständig in Quarantäne begeben. Jedoch macht das nicht jeder, wenn es keine Anweisung seitens der Behörde gibt“, sagt Botzenhart. „Wie soll so ein Contact-Tracing funktionieren?“, fragt sie sich.

Kein Einzelfall 

Ihr Problem scheint kein Einzelfall zu sein: Botzenhart erzählt von einigen Fällen, wo die so wichtige Information der Behörde ausblieb.

Der KURIER hat nachgefragt, wie es im konkreten Fall zu dieser Panne kommen konnte.

Fehler des Labors

Die Erklärung des Corona-Krisenstabes der Stadt Wien: Der PCR-Test sei in einem Labor gemacht worden, welches nicht als Covid-Labor angemeldet sei und nicht in der Liste des Bundesministeriums aufscheint.

Laut dem Krisenstab wurde das Testergebnis nicht an die Behörde weitergeleitet (obwohl alle Labore gesetzlich dazu verpflichtet sind), somit schien B.s Befund nicht im System auf. „Die Info, dass er positiv ist, ist nicht zu uns durchgedrungen“, heißt es seitens des Krisenstabes. Somit konnte B. auch nicht verständigt werden bzw. nicht mit dem Contact-Tracing begonnen werden.

Überlastete Behörden 

Für B. ist diese Erklärung ein Armutszeugnis: „Auch wenn ursprünglich der Fehler beim Labor liegen mag: Wenn ich, trotz aller Bemühungen, innerhalb einer Woche nicht in der Lage bin, die Gesundheitsbehörde von meiner Infektion zu informieren, dann stimmt im System etwas nicht.“

Aufgrund der KURIER-Nachfrage beim Krisenstab hat sich nun endlich eine Ärztin der Wiener Gesundheitsbehörde MA 15 bei ihm gemeldet: Er möge ihr noch mal den Coronabefund mailen. Sie werde sich nun um den Fall kümmern. Nebenbei erwähnt sie, wie überlastet die Behörde in Wien aktuell ist: Sie müsse aktuell noch 5.000 Corona-Bescheide ausstellen.

Am Dienstag, den 3. November, dann endlich Klarheit: Herr B. kann laut der Ärztin am nächsten Tag seine Quarantäne beenden. Die Familie muss noch bis Samstag in der Selbstisolation ausharren.

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