Chronik | Wien
02.10.2017

Wenn der Drahtesel streikt: Pannenhilfe auf zwei Rädern

Pannenhelfer auf dem Fahrrad helfen auch an Orten, die andere Services nicht erreichen.

Die schwarze Box auf Michael Florian Zobls Fahrrad-Gepäckträger ist prall gefüllt. Ein Lithium-Eisen-Phosphat-Akku, ein Sackerl voller Ersatzlämpchen, eine Luftpumpe und viele weitere Reparatur-Utensilien sind sorgfältig hinein geschlichtet. In den seitlichen Gepäcktaschen befinden sich lange Kabel, Warnleuchten und ein Arbeitsscheinwerfer. Seit Jänner ist Zobl mit dieser Ausstattung auf Wiens Straßen unterwegs und repariert liegen gebliebene Räder. Und das fast gratis – er verrechnet lediglich das Material.

"Ich will einfach gerne helfen", sagt der junge Mann. Er sei schon immer technisch begabt gewesen. "Der Radpannendienst ist einfach eine Freizeitbeschäftigung." Zobls Fahrrad, dass er liebevoll seine "Maschine" nennt, ist der Beweis für seine Technik-Obsession. Zum Beispiel hat der HTL-Absolvent eine Hupe montiert, die er per Knopfdruck auslösen kann. Zobl: "Die Leute schauen, wenn sie die hören". Seine mobile Werkstatt ist so gut ausgestattet, dass er sogar bei Autos mit schwachen Batterien Starthilfe leisten kann.

Rund 40 Einsätze hat Zobl bisher absolviert. "Patschen", gerissene Ketten und kaputte Lichter repariert er am häufigsten. Zobl kommt auf telefonische Bestellung angeradelt, viele Aufträge ergeben sich auch zufällig. "Wenn ich auf meinen Radtouren jemanden mit einem Problem sehe, spreche ich ihn an", sagt er. "Die Leute reagieren sehr positiv. Viele fragen, ob ich von der Stadt Wien bin."

Reparierender Kurier

Etwas weniger umfassend ausgestattet ist Günter Heidinger unterwegs. Er ist Fahrradkurier und hat wichtige Werkzeuge ohnehin immer im Rucksack. Seit er sich vor zwei Jahren entschloss, ein mobiles Pannenservice anzubieten, gehören auch ein paar Fahrrad-Schläuche zu seiner Grundausstattung. Heidinger ist rund um die Uhr einsatzbereit. "Wenn es dringend ist, kann ich innerhalb einer Stunde vor Ort sein." Zwei bis drei Mal pro Woche wird er zu einem Einsatz gerufen. Die Anfahrt innerhalb Wiens und 30 Minuten Arbeitszeit kosten rund 25 Euro.

Die bisher am weitesten entfernte Panne führte ihn nach Wiener Neustadt. "Am Wochenende ist es mir wurscht, wie weit ich fahre", erzählt Heidinger. "Hauptsache, ich habe ein Ziel."

Motorisierte Hilfe

Streikende Zweiräder behandeln in ganz Österreich auch die Pannendienste von ÖAMTC und ARBÖ. Hilfe für ihre Mitglieder rollt in der Regel auf vier Rädern an. Zobl und Heidinger haben ihnen gegenüber den Vorteil, auch für Kraftfahrzeuge unzugängliche Orte zu erreichen – etwa die Donauinsel. Zwar sind in Wien seit zwei Jahren ÖAMTC-Techniker auf E-Bikes im Einsatz, sie bedienen aber nur die inneren Bezirke.

Der ÖAMTC verzeichnet pro Jahr rund 250 Hilferufe von Radlern. Beim ARBÖ liegen keine genauen Zahlen vor, die meisten Rad-Einsätze fallen in Wien, Niederösterreich und im Burgenland an.