Statt UNO-City, DC-Tower sehen die Mieter künftig... nichts.

© Kurier/Juerg Christandl

Chronik Wien
11/30/2019

Wenn aus einer Wiener Dachterrasse plötzlich ein Innenhof wird

Die Mieter der Millennium-City sind entsetzt: Statt der Donauinsel sehen die Brigittenauer künftig eine Mauer.

von Bernhard Ichner

So viel Pech muss man erst einmal haben. Da mietet man am Handelskai direkt bei der Millennium-City eine helle Genossenschaftswohnung, investiert ins neue Eigenheim und freut sich über die begrünte Gemeinschaftsdachterrasse mit Ausblick auf Donau und Donauinsel. Doch dann wird auf dem Nachbargrund eine riesige Wohnanlage errichtet. Und statt über Wien sieht man auf einmal nur noch eine 28 Meter hohe Feuerwand.

„Man nimmt uns jede Sicht und das Licht“, klagt Mieter Heinz Radl. „Das ist dann keine Dachterrasse mehr, sondern ein Lichthof.“ „Da fühlt man sich ja wie im Gefängnis“, ärgert sich auch Nachbar Massoud Kia. Doch das ist nicht der einzige Grund für die getrübte Stimmung unter den rund 30 Millennium-City-Mietparteien.

„Alle Türen sind zu“

„Wir bekommen auch keine Informationen – weder vom Bauträger, noch von der Baupolizei. Für uns sind alle Türen zu, weil wir keine Eigentümer, sondern ,nur’ Mieter sind“, erzählt Bewohnerin Roswitha Habda.

Darum stellt sich nun der Brigittenauer Bezirksvorsteher Hannes Derfler (SPÖ) als Vermittler zur Verfügung. Der Einfluss der Politik auf das Bauprojekt sei aber beschränkt, stellt er klar. „Der Bauträger ,Premium’ hat das Recht, im Bestand zu bauen. Dafür braucht er keine Genehmigung.“

Da die Widmung auf dem Betriebsgelände am Handelskai 100, auf dem bis vor wenigen Jahren Ofenrohre produziert wurden, schon seit Langem Bauklasse 4 bzw. 5 (also 21 bzw. 28 Meter hohe Gebäude) zulässt, stehe der Errichtung einer Anlage dieser Dimension auch nichts im Wege. 400 frei finanzierte Wohnungen sollen hier entstehen, dazu Geschäfte und Büros.

Die Terrasse gab es nie

Dazu kommt: Die Dachterrasse, an der die Mieter so hängen, gab es de facto nie. „Das war nie als Terrasse konzipiert, sondern immer als Innenhof“, betont Derfler. Mit einem unmittelbaren Anbau rechneten die Planer also von Beginn an.

„Das hat uns aber niemand gesagt“, behaupten die Mieter – und meinen ihre eigene Genossenschaft, die „Bauhilfe“. Von dort war bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu bekommen.

Um den Ärger der Mieter zumindest ein bisschen zu mindern, will Derfler nun das Gespräch mit dem Bauträger suchen und etwaige Gestaltungsoptionen für die gefürchtete Feuerwand ausloten, sagt er. „Vielleicht ist ja zumindest eine Fassadenbegrünung möglich.“