Verkehrsplaner Hermann Knoflacher.

© Kurier/Franz Gruber

Chronik Wien
03/15/2021

Weniger oder mehr Verkehr: Expertenstreit wegen Lobautunnel

Verkehrsplaner Hermann Knoflacher und Umweltaktivist Wolfgang Rehm widersprechen Unfallforscher Ernst Pfleger.

von Bernhard Ichner

Die S1 inklusive Lobautunnel beschäftigt nicht nur die Gerichte, die über die Bewilligung des Großprojekts entscheiden – sondern auch Experten. Und die sind alles andere als einer Meinung. Im gestrigen KURIER plädierte etwa Unfallforscher Ernst Pfleger für den Lückenschluss der S1, um die Südosttangente A23 zu entlasten. Ein Zugang, den Tunnelgegner nicht unwidersprochen lassen wollen.

Zumal Pfleger ehemaliger Leiter der MA46 (Verkehr) sowie SPÖ-Gemeinderat und entsprechend befangen sei, wie Wolfgang Rehm von der Umweltorganisation VIRUS hervorhebt. Zudem agiere Pfleger nicht faktenbasiert.

"Mangelnde Projektkenntnis"

Würden die Einreichunterlagen der Asfinag doch belegen, dass die S1 nicht geeignet sei, die Tangente zu entlasten. „Zu der überlastet bleibenden A23 würde noch ein überlasteter Tunnel mit erkennbarem Sicherheitsproblem kommen“, meint Rehm.

Dass Pfleger zudem im KURIER erklärte, die in 60 Metern Tiefe verlaufenden Tunnelröhren würden weder Natur noch Grundwasser beeinträchtigen, bringt für den Umweltschützer das Fass zum Überlaufen.

"Die Aussage zeugt von mangelnder Projektkenntnis", sagt Rehm. "Der Lobautunnel würde zur Gänze in wasserführenden Schichten verlaufen. Die Auswirkungen auf das Grundwasser in verschiedenen Horizonten und die davon abhängige Natur sind unstrittig."

Gesetze der Physik

„Ein Problem kann man nicht lösen, indem man es größer macht“, befindet auch Verkehrsplaner Hermann Knoflacher von der TU. Der erklärte Auto-Kritiker kann Pflegers Argumentation, wonach sich die Verkehrsfreigabe des Lobautunnels positiv auf die Unfallhäufigkeit auf der A23 auswirken würde, nicht nachvollziehen.

Die hohe Unfallzahl – von 2017 bis 2019 gab es auf der Tangente 471 Unfälle mit Personenschaden sowie drei Todesopfer – sei zwar auf die Verkehrsbelastung auf der A23 zurückzuführen, erklärt Knoflacher. Diese würde durch den Lobautunnel aber nicht verschwinden, sondern sogar noch steigen.

Zudem sei die Unfalltodesrate auf der A23 signifikant niedriger als im übrigen Autobahnnetz. „Das deckt sich auch mit den Gesetzen der Physik, weil die Geschwindigkeit niedriger und die Verkehrsdichte höher ist“, so Knoflacher.

Durch den Lobautunnel nehme der Verkehr im System zu – „wie schon bei der S1 im Süden, wo es zwei Jahre nach der Eröffnung auf der A23 genauso viel Verkehr gab wie vorher“.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.