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Chronik Wien
10/17/2018

Weitere Österreicher werden in der Türkei festgehalten

Zwei junge Österreicherinnen wurden am Montag verhaftet. Bruder von Unternehmer bestreitet türkische Vorwürfe massiv.

von Wolfgang Atzenhofer, Daniel Melcher

„Die Vorwürfe sind völlig absurd. Mein Bruder hat die PKK niemals finanziell unterstützt.“ Der kurdischstämmige Mustafa T. ist über die Verhaftung des Linzer Geschäftsmannes Halil T. im türkischen Istanbul empört. Mittlerweile werden immer mehr Fälle über österreichische Staatsbürger bekannt, die in der Türkei inhaftiert oder festgehalten werden.

Im Fall des 50-jährigen Linzers Halil T., der mehrere erfolgreiche Unternehmen in Österreich, der Türkei und der Slowakei betreibt, soll laut türkischen Medien ein Foto einer Veranstaltung in Wels eine entscheidende Rolle spielen. Darauf sollen der Beschuldigte und ein Bild des Kurdenführers Abdullah Öcalan zu sehen sein. „Mein Bruder war zu der Veranstaltung eingeladen. Er war dort wie angeblich tausend andere Leute auch. Die Person, die da in den türkischen Medien gezeigt wird, ist er aber hundertprozentig nicht“, erklärt sein Bruder, der ebenfalls in Linz als Geschäftsmann aktiv ist. Dass sein Bruder in sozialen Medien offen gegen das Erdoğan-Regime auftrat, könne ihm jetzt Nachteile bescheren.

Mustafa T. ist überzeugt, dass sein Bruder von Neidern über eine Handy-App, die Erdoğan-Kritiker in die Türkei meldet, denunziert wurde. Kritisch äußert er sich zum Engagement der österreichischen Bundesregierung und des Außenministeriums. Letzteres habe zwar den Besuch des Bruders durch einen Mitarbeiter des Konsulats im Istanbuler Gefängnis angekündigt, doch das ist T. zu wenig. „Mein Bruder ist seit vielen Jahren österreichischer Staatsbürger und beschäftigt viele Menschen. Das Unternehmen ist in Gefahr, da müsste es doch eine viel heftigere offizielle Reaktion gegen diese Vorgänge in der Türkei geben“, fordert er.

Laut der ehemaligen grünen Nationalratsabgeordnete Berîvan Aslan sollen mindestens neun weitere Österreicher betroffen sein. „Bei neun Fällen haben mich die Angehörigen kontaktiert.“ Der aktuellste Fall betreffe laut Aslan eine 48-jährige Frau und ihre beiden Töchter. Das österreichische Außenamt bestätigte jedoch die Verhaftung der 18- und 20-jährigen Frauen am Montag bei der Ausreise ebenfalls an einem Istanbuler Flughafen.

Weitere Fälle

Mediales Aufsehen erregte die Inhaftierung des österreichischen Journalisten Max Zirngast Anfang September, auch ein Tiroler Arbeiter und eine alleinerziehende Mutter aus Wels sollen festgenommen worden sein. Der Großteil der Betroffenen berichtet davon, dass sie auf den beiden Flughäfen Istanbul-Sabiha Gökçen und Istanbul-Atatürk angehalten wurden. Meist hatten die Betroffenen türkischen Migrationshintergrund. Einige Österreicher wurden nach 24 Stunden wieder freigelassen, erhielten zum Beispiel ein Einreiseverbot. So erging es auch einem älteren Ehepaar aus Wien.

Die genaue Zahl, also wie viele österreichische Staatsbürger sich in der Türkei in Haft befinden und in den vergangenen Wochen und Monaten festgenommen wurden, will das Außenministerium nicht kommunizieren. „In der Türkei kommt es immer wieder zu Anhaltungen oder Festnahmen. Es gibt eine ständige Fluktuation“, sagt Sprecher Peter Guschelbauer.

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