Chronik | Wien
29.09.2017

Was Favoritens neuer Bezirksvorsteher vorhat

Marcus Franz (SPÖ) setzt auf stärkere Bürgernähe

Es ist eine schwierige Aufgabe, die auf Marcus Franz, den neuen Bezirksvorsteher in Favoriten, wartet: Bei der Bezirkswahl 2015 verlor die SPÖ im bevölkerungsreichsten Bezirk Wiens (rund 200.000 Einwohner) sieben Prozent und lag mit 40,4 Prozent nur noch knapp vor der FPÖ.

"Die FPÖ wurde bisher so wahrgenommen, dass sich ihre Vertreter die Sorgen der Menschen anhören", sagt der 45-Jährige, der am Mittwoch zum Nachfolger von Hermine Mospointner gewählt wurde, zum KURIER. "Unsere Funktionäre wurden nicht so stark wahrgenommen. Ich will daher durch den Bezirk gehen, in den Beiseln Kontakt mit den Menschen aufnehmen, um gewisse Probleme auszuräumen", betont der gebürtige Favoritner und gelernte Großhandelskaufmann. So will er es bei der nächsten Wahl schaffen, fünf bis sechs Mandate dazuzugewinnen. Derzeit hat die SPÖ 25 Sitze im Bezirksparlament.

Manche Gebiete des zehnten Bezirks gelten als soziale Bennpunkte. "Hier geht es vor allem um Innerfavoriten, wo die Besiedlungsdichte sehr hoch ist. Es handelt sich vor allem um ein Bildungs- und Sozialproblem. Meine Aufgabe wird es sein, gewisse Vorurteile abzubauen. Die Ausländer sind genauso Bewohner des Bezirks, die mit ihren Geschäften auch Arbeitsplätze schaffen und dem Sozialsystem nicht auf der Tasche liegen."

Franz will gemeinsam mit der Stadt in bestimmten Vierteln Projekte initiieren, die für ein besseres Miteinander sorgen. Handlungsbedarf sieht er beim Thema Integration: "Man darf die Integrationsarbeit nicht den Moscheevereinen überlassen." Daher müsste es für Jugendliche mehr Freizeit-Angebote geben.

Mehr Polizei

Dass jetzt Innenminister Wolfgang Sobotka ( ÖVP) in Favoriten zwei Polizei-Standorte neu errichten lassen will, begrüßt Franz. "Aber in Favoriten leben zehn Prozent der Wiener Bevölkerung. Daher würde ich mir auch zehn Prozent der Polizisten für den Bezirk wünschen. Dann hätten wir immer noch nicht so viel wie Linz, das in etwa gleich viele Bewohner hat."

Ein Nein kommt von Franz zum Fernbus-Terminal, den Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou am Verteilerkreis errichten möchte. "Das bringt nichts und schafft keine Arbeitsplätze." Dafür wird die obere Favoritenstraße nach dem jetzt abgeschlossen U1-Bau bis 2020 revitalisiert – mit breiteren Gehsteigen, Bäumen und Schänigärten.

Zuletzt hatten einige SP-Vertreter kritisiert, die rot-grüne Regierung unternehme zu wenig für die Flächenbezirke. Diese Kritik teilt Franz nicht: "Als ehemaliger Vorsitzender der Kulturkommission würde ich mir aber eine Stärkung der Kultur in den Außenbezirken wünschen. So haben wir etwa keinen Theater-Standort. Hier werde ich mehr Druck machen."