So sieht das Portal des Hauptbahnhofs aus.

© KURIER/Gilbert Novy

Wien
10/10/2014

Was der neue Hauptbahnhof kann

Über 90 Geschäfte beherbergt die neue Verkehrsstation. Ab Mitte Dezember fahren dann auch Fernzüge.

In Wien hat am Freitag der neue Hauptbahnhof eröffnet. Als Nachfolger des Südbahnhofes wurde ein imposantes Verkehrsgebäude mit großem Einkaufszentrum errichtet. Künftig sollen dort täglich rund 1.100 Züge halten. Vorerst dient die Station mit dem prägnanten Rautendach allerdings nur dem Regionalverkehr, das soll sich aber ab 14. Dezember ändern.

Regionalrouten

Wien-Hirschstetten, Wulkaprodersdorf, Raasdorf, Pamhagen und - als internationales Highlight - Bratislava-Petrzalka. Die Anzahl und die Entfernung der Destinationen, die am Eröffnungstag auf den Anzeigetafeln prangten, waren noch überschaubar. ÖBB-Vorstandschef Christian Kern bat die Besucher des Eröffnungsfestes trotzdem, einen Blick auf die Anzeige zu werfen: "Sie sehen, alle Züge sind pünktlich."

Der neue Fahrplan - Fernverkehr

Derzeit fahren die Züge vom Hauptbahnhof nur in die oben genannten wenig bekannte Metropolen. Ab 14. Dezember werden die Züge nach bzw. von Süden (Italien, Slowenien, Graz oder Villach), Osten (Budapest) und Norden (Brünn, Prag, Warschau) über den neuen Verkehrsknoten in Favoriten geführt.

Passagiere aus dem Westen werden ebenfalls bis zum Hauptbahnhof fahren können – allerdings nur, wenn sie in einem über Passau (D) fahrenden ICE sitzen. Diese Züge werden sogar bis zum Flughafen verlängert. Die restlichen Züge der Weststrecke halten nach wie vor am Westbahnhof. Das gilt sowohl für die ÖBB als auch für die private Westbahn. Ab Dezember 2015 sollen nach derzeitigem Plan alle ÖBB-Fernzüge am Hauptbahnhof halten. Der Westbahnhof wird dann nur noch von der Westbahn und den Regionalzügen angesteuert.

Mit sichtlichem Stolz äußerte sich Kern auch zum neuen Haus: "Dieser Tag ist ein sehr besonderer Tag für uns." Der Wiener Hauptbahnhof sei ein Gemeinschaftswerk: "Über eine Dekade lang haben Baggerfahrer, Architekten, Ingenieure oder Putzfrauen dafür gesorgt, dass wir heute hier stehen können." In der Vergangenheit seien Bahnhöfe als die Kathedralen der Moderne bezeichnet worden. Die Zeiten hätten sich aber geändert: "Wir wollten nicht Monumentales schaffen, sondern Funktionales."

Bilder von der Eröffnung:

Austrian President Fischer holds the red courtain

Austrian President Fischer smiles during the openi

ERÖFFNUNG WIENER HAUPTBAHNHOF: STÖGER / FISCHER /

ERÖFFNUNG WIENER HAUPTBAHNHOF: STÖGER / FISCHER /

ERÖFFNUNG WIENER HAUPTBAHNHOF: KERN / FISCHER / BU

ERÖFFNUNG WIENER HAUPTBAHNHOF: KERN / STÖGER / BUR

ERÖFFNUNG WIENER HAUPTBAHNHOF: KERN / STÖGER / MIT

ERÖFFNUNG WIENER HAUPTBAHNHOF

ERÖFFNUNG WIENER HAUPTBAHNHOF: KERN / STÖGER / FIS

THEMENBILD: WIENER HAUPTBAHNHOF

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Eröffnung Hauptbahnhof am 10.10.2014 Wien.…

Eröffnung Hauptbahnhof am 10.10.2014 Wien.…

Eröffnung Hauptbahnhof am 10.10.2014 Wien.…

Eröffnung Hauptbahnhof am 10.10.2014 Wien.…

Eröffnung Hauptbahnhof am 10.10.2014 Wien.…

Eröffnung Hauptbahnhof am 10.10.2014 Wien.…

Eröffnung Hauptbahnhof am 10.10.2014 Wien.…

Eröffnung Hauptbahnhof am 10.10.2014 Wien.…

THEMENBILD: WIENER HAUPTBAHNHOF

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Einkaufslust

Insgesamt verfügt das EKZ am Hauptbahnhof über 90 Geschäfte. Textilketten, Buchhandlungen und Sportartikelshops sind dort genauso zu finden wie ein großer Supermarkt, Trafiken, Autovermietungen sowie natürlich das Reisezentrum der ÖBB. Die Einkaufsmeile beherbergt auch zahlreiche Gastronomiebetriebe - wobei man ein klassisches Bahnhofsrestaurant vergeblich sucht, es überwiegen Anstell- bzw. Take-Away-Lokale.

Top 14: Lokale am Hauptbahnhof:

Hauptbahnhof

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Großer Rummel bei der Eröffnung

Herr Walter hat nur wenig Zeit. Er will die Eröffnung nicht verpassen – doch vor der Bühne stehen die Menschen schon dicht gedrängt. Noch schnell ein Foto vom Markuslöwen, ein kurzes „Schön ist er geworden“ und ein entschuldigender Blick. Er muss weiter.

Es ist der Eröffnungstag des Hauptbahnhofs samt Einkaufszentrum und Tausende drängen sich in die Eingangshalle vor die Bühne: Schnäppchenjäger, ÖBB-Mitarbeiter, junge Mütter mit Kinderwägen, ältere Herren mit viel Fachwissen und Jugendliche, die eigentlich in der Schule sein müssten.

Sie bekamen viel zu sehen: Ein Rennauto der Formel Renault 3.5 oder Männer im blauen Ganzkörperanzug, die Werbung für ein Handy machten. Am Nachmittag präsentierten die heimischen Skistars ihre neue Arbeitskleidung.

Meistfotografiertes Motiv war aber der Markuslöwe. Er stand früher in der Eingangshalle des Südbahnhofs. Nun hat er vor der ÖBB Reisezentrale seinen neuen Platz gefunden. Anderen ist der Löwe egal; sie kamen wegen der Eröffnungsangebote.

Landmark-Projekt

Auf der Bühne lässt sich ein gut gelaunter ÖBB-Chef interviewen. „Das ist ein besonderer Tag für uns“, sagt Christian Kern, der Hauptbahnhof sei ein „Landmark-Projekt“. Als ÖBB-Chef darf man aber nie auf die Züge vergessen: „Werfen Sie einen Blick auf unsere neue Anzeigetafel – alle Züge sind pünktlich“, sagt Christian Kern stolz. Der oberste ÖBBler erntet damit den größten Applaus aller Redner bei der Eröffnung. Und das waren nicht wenige.

Neben Kern stehen Bundespräsident Heinz Fischer, Nationalratspräsidentin Doris Bures, Vizekanzler Reinhold Mitterlehner und Bürgermeister Michael Häupl auf der Bühne. Verkehrsminister Alois Stöger, der den Hauptbahnhof von seiner Vorgängerin Bures geerbt hatte, ist ebenfalls gekommen. „Es gab keine Verspätung, keine Skandale. Wunderbar“, sagt Fischer. Häupl hebt die Bedeutung des Bahnhofs als Verkehrsknotenpunkt für die Stadt hervor: „Eine wichtige Verbesserung für unsere Pendler.“

Bahnhof der Menschen

Herr Josef ist nicht ganz zufrieden. „Baulich ist der Hauptbahnhof faszinierend“, sagt er. „Aber was mir nicht gefällt: dass der Steuerzahler nicht erwähnt wird. Immerhin haben wir alle kräftig mitgezahlt. Daher ist es für mich ein Bahnhof der Menschen.“

Elisabeth hat sich für den Tag ins Dirndl geworfen. „Ich wollte was Festliches tragen.“ Ihr Mann arbeitete federführend am Projekt mit, so konnte sie die Baufortschritte hautnah verfolgen: „Sie können alle stolz sein auf das, was sie geschafft haben“.

Auch vielen Jungen gefällt der neue Bahnhof: „Die Anzeigetafel ist schön übersichtlich“, sagt Studentin Lydia. „Mir gefällt der Westbahnhof besser“, wirft ihre Freundin Christine ein.

Was beide Bahnhöfe gemeinsam haben: „Wenn man am Sonntag Milch oder Butter braucht, kann man schnell herkommen“, sagt Lydia. Dem alten Südbahnhof trauert die beiden nicht nach.

„Der Südbahnhof – das war eine andere Zeit“, sagt Herr Josef.

Video: Lokalaugenschein vor der Eröffnung